Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 20.1977

Page: 15
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Th. Geizer sieht in dem Gedicht von Hero und Leander eine christlich-neuplatonische
Allegorie, die das Schicksal einer philosophischen Seele (Leander) in drei Stufen
zeige: Leben der Seele im Himmel vor der Geburt; Leben auf Erden, wo die Liebe zu
Erhebung und mystischer Union mit Gott führt; Erlösung von den Ketten des Leibes
und Aussicht auf die letzte Vereinigung mit Gott. - Es wird mit Interesse abzu-
warten sein, wie Geizer diese Ansicht im einzelnen begründet (was er in Aussicht
stellt).
Plutarch. Moralia XIII (Loeb Classical Library) in 2 Bänden. Mit englischer Über-
setzung von H. Cherniss. London 1976. - £ 2.95 je Band.
Hervorragende, kritisch durchgearbeitete Ausgabe; klare, präzise Übersetzung.
Beigegeben sind ausführliche Anmerkungen des großen Kenners. Die Texte. Quaest.
Plat.; De anim. procr. in Tim.; De Stoicor. repugn.; De commun. notit.
Arrian. Anabasis Alexandri I-IV. - Griechischer Text mit englischer Übersetzung
von P. A. Brunt. Loeb Classical Library. London 1976. - 547 S. - £ 2.95.
Text nach Roos-Wirth. Präzise Übersetzung. Nüchterne Einführung. Sehr gute An-
hänge über die Schlachten Alexanders, seine Heroenverehrung, den Besuch im Am-
monorakel, geographische und chronologische Fragen, Indien, Alexander als „Gott“.
Lucretius. De rerum natura. Herausgegeben und übersetzt von W. H. D. Ronse,
durchgesehen und überarbeitet von M. Ferguson Smith. Loeb Classical Library. Lon-
don 1975. - 602 S.-£ 2.95.
Sorgfältige und kritische Überarbeitung der alten Ausgabe von Rouse mit brauch-
baren Anmerkungen und knappem Index. Die englische Übersetzung scheint genau
und eng am Text.
Cicero, In Catilinam I-IV; pro Murena; pro Sulla; pro Flacco. - Neue Ausgabe von
C. Macdonald mit Einführung, Anmerkungen, Anhängen. - £ 3.40. - Loeb Classical
Library. London 1977. - 596 S.
Text basiert auf Clark (mit geringfügigen Abweichungen); die Einleitung ist gut
informierend, die Anmerkungen zuverlässig. Brauchbares Literaturverzeichnis. Die
Übersetzung scheint angemessen.
Fenik. Bernard. Studies in the Odyssey. Hermes - Einzelschriften, Heft 30. - Wies-
baden. F. Steiner-Verlag. 1974. - 248 S.; brosch. 54 DM.
F. untersucht zuerst feinsinnig und unter gründlicher Diskussion der Ansicht
moderner Gelehrter, weshalb Odysseus mehrfach seinen Namen - auch auf Befragen -
nicht sogleich nennt. Es zeigt sich, daß dadurch die tiefere Gesprächs-Situation oft
besser zur Wirkung kommt und zugleich eine ausgefeilte - gelegentlich ironische -
Technik durchgeführt wird, durch die einem unerkannten Fremden Dinge gesagt wer-
den, die diesen persönlich tief berühren. „Finden“ und Erkennen werden so zu einem
konstituierenden Zug des Werkes. Dann bespricht F. die homerische Grundtechnik,
eine Aktion beginnen zu lassen, sie dann eine Weile zu unterbrechen, dann wieder
aufzunehmen und zu Ende zu führen. Auch dafür gibt er zahlreiche Belege, vor-
wiegend aus der Szene zwischen Odysseus und Königin Arete.
Der 2. Teil des Buches ist homerischen Dubletten gewidmet (Versen, Versgruppen,
Motiven, Szenen mit wiederholten Elementen in symmetrischer Anordnung; Motive
und wiederholte typische Situationen; Charaktere in Dublettenform) und zeigt schön,

15
loading ...