Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 20.1977

Page: 15
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vorliegt. „Die Veränderungen beziehen sich einmal auf Grundfragen der Virgilkritik,
die in der reichen Virgilliteratur der letzten Jahrzehnte z.T. in Auseinandersetzung
mit meinem Buch behandelt worden sind . . . Ferner habe ich spätere, eigene Arbeiten
zur Äneis, soweit sie eine wesentliche Ergänzung darstellen, eingearbeitet“ (Verf.
im Vorwort).
Da es Pöschl’s Absicht ist, zu untersuchen, inwieweit die Grundthemen des Ge-
dichtes und die Schicksale und Charaktere seiner Hauptgestalten sich bildhaft aus-
sprechen und welche Kunstprinzipien hierbei wirksam sind, gliedert sich das Werk in
drei Kapitel: I. Grundthemen (1. Die erste Szenenfolge I 8-296 als symbolische Anti-
zipation des Ganzen; 2. Seesturm- I 8-296 u. Allektoszenen VII 286-640 als Ein-
gangssymbole der odysseischen u. der iliadischen Äneishälfte). II. Die Hauptgestalten:
Äneas, Dido, Turnus. III. Kunstprinzipien (1. Die Symbolik des Gefühlsablaufes;
2. Formen des Gefühlsablaufes).
Dem Leser wird bewußt gemacht, daß der Symbolcharakter der Poesie in der Äneis
eine neue Entwicklungsstufe in der Geschichte der abendländischen Dichtkunst dar-
stellt, für die Mittelalter und Renaissance ein feineres Gefühl als wir Modernen
hatten. „Die Äneis ist mehr als eine epische Erzählung. Sie ist ein Gleichnis: eine
Deutung der röm. Geschichte und ein Sinnbild des menschlichen Lebens“ (S. 1).
Friedrich Maier, Die Version aus dem Lateinischen, C. C. Büchners Verlag Bamberg,
1977, 205 S., 13.80 DM.
„Schwerpunkte der Syntax mit Anhängen zur Stilistik und Übersetzungstechnik. Ein
gramm. Begleitbuch für den Lektüreunterricht“ nennt der Verf. das übersichtlich ge-
druckte und solide ausgestattete Werk (Efalin), das in zwei aufeinander abgestimm-
ten Teilen (I. Übungchsbuch, II. Übersetzungsschule) eine schwerpunktmäßige Wieder-
holung und vertiefende Betrachtung - vor allem in der Oberstufe - ermöglichen will.
Das Übungsbuch bietet Originalsätze mit niedrigerem und höherem Niveau und struk-
turierte Aufgabenstellungen, die Übersetzungsschule beschränkt sich nicht auf eine nur
phänomenologische Beschreibung der einzelnen Erscheinungen, sondern versucht, ihre
besondere Funktion im Satz zu erhellen und Übersetzungshilfen anzubieten: dadurch
wird der Schüler pädagogisch geschickt dazu angehalten, beim Übersetzen über den
Vorgang des Übersetzens nachzudenken. Der Stoff läßt sich induktiv und deduktiv
darbieten. Besonders muß man es begrüßen, daß der Unterricht entlastet wird, da
der Schüler das meiste in häuslicher Eigenarbeit bewältigen kann. Der Abschnitt über
die Nebensätze scheint mir besonders gelungen zu sein.
Werner Eisenhut (Hrsg.), Properz, Wege der Forschung Band 237, Wissenschaftliche
Buchgesellschaft Darmstadt, 1975, 67.- DM (Mitglieder 38 - DM).
Auch wer im Gefolge des Ouintilian eine Vorliebe für Tibull hegt, wird bei der
Lektüre dieses Bandes, trotz der Fülle der textkritischen, inhaltlichen und gattungs-
geschichtlichen Probleme, der Anziehungskraft des Elegikers Properz erliegen. Zu
Recht betont der Herausgeber im Vorwort, daß P. nicht zu den leichten Autoren ge-
höre und dem philologischen Scharfsinn noch immer ein weites Übungsfeld eröffne.
So subjektiv seine Auswahl auch sein mag, sie bringt bahnbrechende Beiträge: u. a.
die leidenschaftliche Polemik von M. Rothstein (Nachträgliches zu P.) gegen F. Leo
(Elegie und Komödie), die ein Stück Philologiegeschichte geworden ist.
E. Reitzenstein (Interpolationstheorie u. psychol. Interpretation) wendet sich gegen
G. Jachmanns Interpolationstheorie (Eine Elegie des P. - ein Überlieferungsschicksal).
H. Tränkle (Die Sprachkunst des P. und die Tradition der lat. Dichtersprache); W.
Wili, Fr. Solmsen u. W. Eisenhut untersuchen die literar. Beziehungen zu Horaz,
Fr. Solmsen die zu Tibull und Vergib Trotz der Fülle anregender Beiträge, die hier

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