Deutscher Altphilologenverband [Hrsg.]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 20.1977

Seite: 14
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oft die einzige Dichterlektüre bleiben wird, gewinnt er exemplarische Bedeutung: an
ihm müssen affektive wie kognitive Lernziele erreicht, persönliche Anteilnahme und
Stellungnahme geweckt und Kategorien für die Dichterlektüre erarbeitet werden.
Niobe und Midas können besonders gut zum Verständnis literarischer Gattungen bei-
tragen: es fehlt ihnen zum tragischen Moment nur die Einsicht in das eigene Fehl-
verhalten. Auch wenn wir im Unterricht nicht im Detail alle Nachwirkungen und Neu-
schöpfungen verfolgen können, so sollte doch klar werden, daß Ovid ein unver-
äußerlicher Teil unserer Bilder- und Vorstellungswelt ist und daß gerade ihm die
Rolle zufällt, griech. Mythologie zu vermitteln.
In einem abschließenden Beitrag (S. 136-52) behandelt Horst Meusel die Wort-
schatzarbeit: das Vokabular, das allgemein als Erschwernis der Lektüre gilt, bietet
durch den Aufbau von Wortfeldern auch eine Chance für die Interpretation.
Ingomar Weiler, Griechische Geschichte (Einführung, Quellenkunde, Bibliographie),
Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1976, 60.- DM (Mitglieder 34- DM).
I. Weiler, Althistoriker an der Universität Innsbruck, liefert allen, „die den Kon-
takt mit der lebendigen Forschung nicht verlieren wollen“ und bei der Fülle der Neu-
erscheinungen Gefahr laufen, die Übersicht zu verlieren, ein seit langem ersehntes
Hilfsmittel. Nach einem Überblick über die Erforschung der griech. Geschichte seit der
Renaissance und die Frühgeschichte wird in den einzelnen Kapiteln in Längsschnitten,
die von den Anfängen in homer. Zeit bis in die röm. Kaiserzeit führen, nicht nur die
politische Geschichte behandelt, sondern daneben treten gleichrangig die „historischen
Potenzen“ (J. Burckhardt) Staat, Religion, Kultur und Wirtschaft. Den Arbeits-
methoden und der Quellenkunde (Historiographie, Epigraphik, Numismatik, Papyro-
logie) gilt Weilers besondere Aufmerksamkeit. Für das genaue Studium von Einzel-
fragen sind bibliographische Abschnitte zu den besprochenen Problemen und im An-
hang ein Überblick über das Fachschrifttum beigegeben. Ein zuverlässiges Sachregister,
ein geograph. Register, ein Register antiker Personen und mythischer Gestalten und
ein Register moderner Autoren ermöglichen eine schnelle Orientierung.
Robert Flaceliere, Griechenland (Leben und Kultur in klass. .Zeit). Aus dem Franz,
übers, u. hrsg. von Edgar Pack. Pb. 479 S. mit 61 Abb. im Text u. 41 Tafeln. Reclam
1977,29.80 DM.
„La vie quotidienne en Grece au siede de Pericles“ des bekannten franz. Gräzisten
liegt nun endlich in einer preiswerten Übersetzung vor. Flaceliere versteht es, den
Leser in seinen Bann zu schlagen. Gerade weil er nicht idealisieren will und vom
Klischee Sparta oder Athen abzurücken versucht, wird deutlich, warum sich in Grie-
chenland eine geistig und künstlerisch höherstehende und zukunftsreichere Kultur als
bei den anderen Völkern des Altertums, deren Ausgangsposition nicht grundlegend
anders gewesen ist, hat ausgestalten können. Alle Bereiche des Alltags werden aus-
führlich behandelt; unvermeidliche Lücken im Hinblick auf die Literatur, Philosophie,
Wissenschaft und Kunst lassen sich heutzutage leicht füllen, Standardwerke gibt es
genug. Der Stand der archäol. und literar. Quellen macht Athen zu Recht zum Brenn-
punkt des Interesses. Die S. 275-335 füllen Anmerkungen und die Bibliographie zu
den einzelnen Kapiteln (petit!), S. 336-47 eine Zeittafel, und auf den S. 448-70 folgt
ein mit präzisen Erklärungen versehenes Verzeichnis der griech. Begriffe, dessen Ab-
druck (griech. Buchstaben!) dem Verlag hoch anzurechnen ist.
Viktor Pöschl, Die Dichtkunst Virgils. Bild und Symbol in der Äneis. 3., überarb.
u. erweit. Aull., VI/212 S., Plastik flexibel, W. de Gruyter, Berlin, 1977, 42.- DM.
Verfasser und Verlag gebührt unser Dank, daß das Äneisbuch, das vor einem
Vierteljahrhundert zum erstenmal erschienen ist, nun in neuer, erweiterter Gestalt

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