Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 25.1982

Page: 14
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/mdav1982/0038
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
enthalten!). Man kann natürlich als Lernziel anstreben, daß eine Übersetzung mehr nach-
vollziehend verstanden als selbst hergestellt werden kann (und gelegentlich scheint R. dies
als Möglichkeit vorzuschweben; vgl. a.O., S. 6); aber damit werden wohl nirgends die An-
forderungen in Abitur und Graecum erfüllt, für die das Buch doch gedacht ist (s.u.).
3) R. will den Schüler von Anfang an mit antiken Texten locken. Und er hat in der Tat
interessante Texte aus Herodot (VI-VIII), Xenophon (Memor. II 1, 21 ff.) und Platon
(Laches, Hipp, mai.) ausgewählt. Aber ist es bei dieser Zielsetzung sinnvoll und konsequent,
mit Herodot anzufangen und diesen in den ersten 7 Texteinheiten so zu verändern durch
grammatische Vereinfachung, Raffung, Transformation ins Attische, daß von Herodot
eigentlich nicht mehr übrigbleibt als phraseologische Anklänge? Da ist der Schritt zum ver-
schmähten Griechisch der Schulbücher doch nur noch sehr gering. Wenn man aber schon
verändert, warum dann eigentlich nicht so, daß dabei eine gewisse Systematik in Morpho-
logie und Syntax herausspringt? - Andererseits hätten sich sicher Texte finden lassen, die
unverändert die geforderte Aufgabe hätten erfüllen können.
4) R. versäumt es anzuzeigen, welche Vokabelkenntnisse er anstrebt. Die Vokabelan-
gaben zu den Texten und das nur eine Auswahl enthaltende Wörterverzeichnis nennen
gleichermaßen häufige und seltene Wörter. Was im folgenden als gelernt vorausgesetzt wird,
ist nicht ersichtlich. Soll also alles gelernt werden? Oder setzt R. auch hier auf Lernen
durch immanente Wiederholung? Aber auf ein vertretbares Vokabelrepertoire, das den
Prüfungsbestimmungen entspricht, kommt der Schüler bei „Hellas“ weder auf die eine
noch auf die andere Weise.
• Fazit: R. legt einen Lehrgang mit hohem Anspruch vor: Er meint (a.a.O., S. 6f.), mit
„Hellas“ (wie auch mit dem ein Jahr später erschienen Lehrgang „Koine“) „(sei) bewiesen
worden, daß auch ohne eigene Übungen der Lernenden im Gebrauch der nicht mehr ge-
bräuchlichen sprachlichen Idiome die Kenntnisse erworben können, die für Abitur und
Graecum erforderlich sind“. Angesichts der oben angesprochenen offenen Fragen ist nicht
einsichtig, wie mit „Hellas“ die für Abitur und Graecum erforderlichen Kenntnisse und
Fertigkeiten erworben werden können, ohne daß der Unterrichtende erhebliche methodisch-
didaktische Stützmaßnahmen ergreift oder/und andere Unterrichtswerke hinzuzieht.
Dr. Karl-Heinz Pridik, Wuppertal

Der Verlag Philipp von Zabem (Mainz) legt aus der Reihe Kulturgeschichte der antiken
Welt folgende Bände vor:
1. Friedrich Karl Dörner, Vom Bosporus zum Ararat. Reise- und Fundberichte aus Klein-
asien. 400 S. mit 27 Abb., 32 Tafeln. Fester Einband, DM 39, 80
Dem Herausgeber, bekannt durch seine Lehrtätigkeit als Althistoriker und Epigraph in
Tübingen und Münster (Gastprofessuren in Oxford und Princeton), aber auch durch seine
publizistische Tätigkeit und langjährige Ausgrabungen an verschiedenen Orten, ist Klein-
asien zur zweiten Heimat geworden. Wir lernen die Türkei als bevorzugten Stammtisch der
Geschichte kennen, erleben die Welt der Hethiter, Phryger, Jonier, Hellenen, Römer, Perser,
Byzantiner, Seldschuken und Osmanen, um nur einige zu nennen. Dörner bringt neben
zahlreichen eigenen Arbeiten ganz verschiedene Stimmen zum Klingen: Dichter und Lite-
raten (Hölderlin, Puschkin, Bamm), Namen, die keines Kommentars bedürfen (Moltke,
Fallmerayer, C. J. Burckhardt, von der Goltz), Forscher, Entdecker und Ausgräber (H.
Schliemann, C. Humann, Th. Wiegand, K. Bittel, J. Keil, E. Akurgal). Meine Auswahl unter
den Autoren, deren Kurzbiographien wir dankenswerterweise am Ende des Werkes finden,
ist willkürlich. Trotz der Unterschiede im einzelnen fügt sich alles zu einem großartigen
Bild Kleinasiens zusammen und lockt den Leser an den Ort des Geschehens, um Flora und
Fauna, die sprichwörtliche Gastfreundschaft, Brauchtum und Geschichte, Entdeckungen
und Ausgrabungen aus eigener Anschauung zu erleben.

14
loading ...