Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 25.1982

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Fachkollegen in den alten Sprachen); eine Auswertung kann hier noch
nicht gegeben werden. Einige Stichworte zu den Hauptproblemen:
— Überfüllung der Kurse und — damit verbunden - die hohe „Schwundrate“; Zeit-
not; ungeeignete Lehrbücher, unattraktive Lehrmaterialien; Studenten wenig
motiviert, starkem Druck der Fachstudien ausgesetzt; Notwendigkeit lateinischer
Sprachkenntnisse wird nicht begriffen und innerhalb der Fachstudien nicht „be-
wiesen“; mangelnde Vorbildung der Kursteilnehmer, besonders mangelnde Er-
fahrung im Umgang mit Sprache, vor allem Grammatik; mangelnde Einsicht in
die Notwendigkeit exakten und kontinuierlichen Arbeitens; Lateinkurse an der
Universität - nicht auf die Kursinhalte bezogene staatliche Prüfungen; Latein-
forderung in Studienordnungen — Desinteresse bei Dozenten der Abnehmerfä-
cher; usw.
Häufig wird darauf hingewiesen, daß bei günstiger Unterrichtssituation
das anfängliche Desinteresse der Studenten („Latein — notwendiges Übel“)
abgelöst wird durch die Erkenntnis, daß Lateinlemen auf der Universität
dem Abbau von Defiziten aus früherem Unterricht in Deutsch und mo-
dernen Fremdsprachen dienen kann: „Lateinlernen lohnt sich.“
7. Allen Kollegen, die sich der Mühe unterzogen haben, den Fragebogen aus-
zufüllen, danke ich schon an dieser Stelle; mein besonderer Dank gilt je-
nen, die über den Fragebogen hinaus Beschreibungen der Situation vor
Ort geliefert haben. Eine sorgfältige Auswertung des gesamten Materials
und die weitere Diskussion des Themas ist dem geplanten AU-Heft Vorbe-
halten, zu dessen Mitgestaltung sich eine Reihe von Kollegen bereit er-
klärt hat.
Prof. Dr. Gerhard Binder, Köln

Humanistische Bildung als Lebenshilfe? (Fortsetzung aus Heft 2/82)
IV
Ich selbst habe beim Rückgriff auf die mitgegebene Lebenshilfe eine gewisse
Entwicklung durchgemacht. Zunächst bestand dafür noch kein Bedarf nach Ver-
lassen der Schule und während des Studiums, der Referendarzeit und der An-
fangstätigkeit als Assessor. Das wurde aber anders mit Beginn des zweiten Welt-
krieges, an dessen Feldzügen in Polen, Frankreich, auf dem Balkan, in Griechen-
land und in Afrika und den entsprechenden Luft- und Erdkämpfen ich mit der
motorisierten Flakartillerie teilgenommen habe. Wenn ich heute analysiere, war-
um ich in all’ dieser Zeit das Büchlein „Selbstbetrachtungen“ des Philosophen
Marc Aurel10 mit mir herumgetragen habe, so kann das wohl nur deshalb gesche-
hen sein, weil der junge Soldat inmitten von Tod und Zerstörung eine ganz per-
10 Marc Aurel, Selbstbetrachtungen, jetzt Reclam Universalbibliothek Nr. 1241 (2),
Stuttgart 1979. Dazu Näheres bei Anthony Birley, Marc Aurel, 2. Aufl. Beck's
Schwarze Reihe 1977.

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