Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 25.1982

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professoralen Herablassung, daß in ihr zugleich eine menschliche Zuwendung
spürbar wurde. Seine ersten Worte: eine Bitte um Nachsicht und Entschuldigung
dafür, daß er mich nicht sogleich begrüßt habe, und — wie um das noch zu unter-
streichen — fügte er hinzu, daß es ihm besonders leid täte, weil er mich ja bereits
kenne: Ich sei doch der Neue, von dem ihm Professor Koestermann schon so
viel Erfreuliches erzählt habe, ein ,Gewinn geradezu für die Alten Sprachen1,
für den er sich angesichts des sonst so kargen Zuspruchs nachdrücklich zu be-
danken habe. Und alsbald saßen wir beide am Tisch, das Gespräch zog immer
weitere Kreise, jeglicher Anhauch von Unrast war von ihm gewichen, er hatte
Zeit, viel Zeit, um sich nach meinem persönlichen Werdegang zu erkundigen
und vor allem nach den Gründen zu fragen, die mich bewogen hatten, in dieser
so turbulenten und für humanistische Muße so gar nicht geeigneten Zeit ausge-
rechnet die Alten Sprachen zu studieren. Es war nichts Floskelhaftes in dieser
Unterhaltung, vielmehr klang aus seinen Worten stets ein echtes Interesse und
eine innere Anteilnahme auch und gerade an dem menschlichen Schicksal dessen,
der ihm hier zum ersten Male gegenübersaß. Mich hatte eine eigentümliche Faszi-
nation ihm gegenüber ergriffen, wie ich sie in dieser Art keinem anderen meiner
akademischen Lehrer gegenüber je wieder verspürt habe.“
Nicht nur an Erich Burcks Ehrentage wissen sich Kollegen, Freunde und
Schüler seiner lauteren Humanität verbunden..
Eckard Lefevre

Ist Latein keine Fremdsprache?
Vor einigen Jahren konnte an dieser Stelle (Nr. 2/1977, 5—8) auf Elemente
einer Didaktik des Fremdsprachenunterrichts hingewiesen werden. Mit einem
gewissen Befremden mußte damals jedoch festgestellt werden, daß Ulrich
Bliesener und Konrad Schröder ihre „fächerübergreifende Fremdsprachendi-
daktik“ unter Ausschluß der alten Sprachen entwickelt hatten. Wir hatten uns
seinerzeit die Frage vorgelegt, ob denn der altsprachliche kein fremdsprachlicher
Unterricht sei. Nun liegt endlich eine Antwort aus berufenem Munde vor. Her-
bert Christ, der bekannte Gießener Professor der französischen Sprache und
Literatur, hat sich in seinem Buch Fremdsprachenunterricht und Sprachenpo-
litik (Stuttgart 1980) u. a. dem „Problem der alten Sprachen, namentlich des
Lateinischen“ (S. 175—188) gestellt. Was Christ mit diesem „Problem“ meint,
wird aber erst vor dem Hintergrund der Homburger Empfehlungen, mit denen
sich bereits Horst Holtermann in diesem Mitteilungsblatt (Nr. 1/1981, 2—5)
auseinandergesetzt hat, so recht deutlich. Die Quintessenz dieser „Empfehlun-
gen“ läßt sich mit Holtermann so umreißen: „Da wird ... ganz klar zum Angriff
gegen Latein in der Mittelstufe geblasen.“ Das „Problem“, das Herbert Christ
als einem der Mitarbeiter an den „Homburger Empfehlungen“ auf den Nägeln
brennt, ist demnach auch nicht etwa die Verbesserung der Zusammenarbeit

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