Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 25.1982

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diese beiden Bereiche nützlich und glücklich miteinander zu verbinden. Jedoch
trat der Konvergenzpunkt des Colloquiums stets deutlich hervor, nämlich daß
Textwelt und Bildwelt im altsprachlichen Unterricht wieder und immer wieder
nebeneinandergehalten werden müßten, um näher an die dahinter stehenden
Fragen zu gelangen, die die Antike so oder so an die jeweils lernende Genera-
tion stellt.
Das Colloquium war ein erfreuliches Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen
den oben genannten Verbänden. Die Stadt Mainz und die Mainzer Kollegen
boten ihm einen angenehmen Rahmen.
Dr. Jens-G. Hansen, Kronshagen/Kiel

Aussprache zweit- oder drittrangig?
In dem ansprechend ausgeführten Trier-Latein-Kongreßbericht nimmt Prof.
Bernhard Kytzler, Berlin, auf das Referat von Thomas Heck, Tübingen, Bezug
und bemerkt dazu: „Mir scheint, für den Bereich der Aussprache sollte gleicher-
maßen gelten dürfen, was der Präsident des Kongresses, Prof. Pöschl, Heidelberg,
in seiner Eröffnungsrede in wahrhaft humaner Haltung für andere Bereiche der
Sprache konzedierte: , Errores vitare non possumus.4 In der Tat sollte man
wohl sich zuvörderst darum bemühen, daß überhaupt Latein gesprochen wird,
und danach erst den Prozeß der Verfeinerung in Wortwahl, Satzbau, Aussprache
fordern.“ (DAV-Mitteilungsblatt, Jahrg. 24, Nr. 4, Dez. 1981, S. 10.) Kytzler
führt dann als überragendes Beispiel die Sprachgewandtheit des P. Prof. Suitbert
Siedl, Salzburg, an, die allen vom Kongreß her (und von der Tagung in Rom,
Ende Nov. 1980) in denkbar angenehmer und lebendiger Erinnerung ist.
Der gleiche P. Siedl schreibt in der neuesten ,,Latinitas“-Nummer 1981, S.
220: „Et credatis mihi: quo Latinius loquamur eo magis mihi placet. Sed
tamen: non debemus terere tempus in minutis grammaticorum placitis ab usu
vitae elongatis! Credatis mihi: Ne teramus tempus in minutiis! Utrum dicen-
dum sit theologia an theologia non est cur disputemus. Hoc idem dicendum
de pronuntiatione, de selectione vocabulorum, de ceteris. Ne teramus tempus.
Loquamur Latine, loquamur Latine.“
Kurz als Anmerkung zum Akzent: Murethach (oder Muridac) schreibt im
9. Jahrhundert in seinem Kommentar zum antiken Grammatiker Donatus:
„Bene quidem possunt proferri (Graeca) cum latinis accentibus.“ (CCSL, Cont.
med. [Tumhout/Belgien 1977] 40, p. 41, 48).
In meinen über 30 Lateinsprechkursen, die ich seit 1973 gehalten habe, hat
sich als Erfahrung herausgestellt: im sog. Elementarwortschatz, das heißt: bei
den zahlenmäßig häufig wiederkehrenden Wörtern ist von Anfang an auf
exakte Aussprache zu achten, weil es sehr schwer ist, jemanden dann später
umzugewöhnen; einige Beispiele: sis (mit langem ‘i’), ebenso dfxr(mit zwei

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