Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

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Tüpfelchen auf das 1 setzen; ich möchte indessen dieses Moment nicht in die
Wag'schale legen, bevor nicht die Untersuchung sämmtlicher hergehörigen Stücke
mir ein Urtheil über die Sicherheit jener Annahme erlaubt. Vorläufig fehlt mir

leider noch die Kenntnis der Statue in Wien.

Auf ganz anderem Weg, durch die Verbindung
einer Inschrift aus Ephesos mit einer Pliniusstelle und
mit der Thatsache des Fundes der Bronzestatue in
Ephesos wurde ich indessen ebenfalls zu der Annahme
gedrängt, dass von dem Meister des Wiener Apoxyo-
menos einst ein zweiter Apoxyomenos vorhanden war.
Drei Data sind es, die sich wie von selbst zu einem
Ganzen verbinden :

1. In Ephesos kam eine Inschrift 3) zutage, welche
eine Statue des Daidalos, des Patrokles Sohn, für diese
Stadt bezeugt.

2. In Ephesos vvurde die Bronzestatue eines puer 4)
destringens se, der Wiener Apoxyomenos, gefunden.

3. Von Daidalos, des Patrokles Sohn, kennt Plinius 5)
zwei Bronzestatuen: pueros duos destringentes se und
zwar nobilia opera, sonst würde Plinius sie nicht er-
wähnen. Und als nobile opus darf auch der ephesische
Apoxyomenos bezeichnet werden; dies erweist nicht
nur die Zahl der statuarischen Wiederholungen, sondern
mehr noch die Thatsache, dass Römer diesen Epheben
auf ihren Ringstein gravieren ließen.

Wie eine Klammer zwischen zwei Quadern greift
also das dritte Datum sowohl in das erste als in das

Fig. 68 Erzstatue aus Ephesos.

zweite em.

Daidalos, welcher früher im Stammbaum Polyklets als dessen Bruder einge-
setzt war, hat sich durch eine neugefundene Inschrift und die olympische Sieger-

3) Loewy, Itrscliriften griechischer Bildhauer
n. 88. Der Stein gieng unglücldicherweise verloren.
Die Inschrift lautet:

Eü8-t)voj EÖ7ts£9-soj
u]£ög Ila-poy.Xsog AatSaXoj sEp-paaaTO

Die Statue wurde auf der römischen ,Agora‘,

also sicher nicht an ihrem ursprünglichen Aufstellungs-
ort gefunden.

4) Das Epitheton puer erscheint uns für diesen
kräftigen Burschen kaum geeignet. Bekanntlich be-
zeichnet aber Plinius selbst den noch reiferen Dory-
phoros mit diesem Wort.

6) Plin. XXXIV 76.
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