Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

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liste von Oxyrhynchos 0) vielmehr als Enkel des großen argivischen Meisters heraus-
gestellt; seine Thätigkeit erstreckt sich nach den bis jetzt festgestellten äußersten
Grenzen auf den Zeitraum von 393 bis nach 369. Dass in dieser Epoche die ephe-
sische Statue sich ihrer Stilentwicklung nach gut unterbringen lässt, kann niemand
leugnen. Allein die Statue g'ilt für attisch, passe also nicht in die Werkstatt eines
Enkels von Polyklet. Aber auf welche Thatsachen gründet sich die Hypothese —
für mehr als eine Hypothese halte ich es nicht —, dass auch im vierten Jahrhundert
noch attische und argivisch-sikyonische Kunst sich fühlbar unterschieden hätten ?
Allgemein wird zugestanden, dass Polyklet selbst schon in einem seiner jüngsten
Werke, also etwa um 420, in seinem Diadumenos unter den Einfluss attischer
Kunst gerieth. Die Thatsache, dass schließlich die Schulunterschiede sich ver-
wischen, erlaubt die Voraussetzung, dass jener Assimilierungsprocess im vierten
Jahrhunderte rasche Fortschritte machte. Und sind nicht die Funde vom argivischen
Heraion der beste Beleg für diese schon am Ende des fünften Jahrhunderts be-
ginnende Ausgleichung ? Die Hypothese von der Differenzierung attischer und
peloponnesischer Kunst in der genannten Periode steht nicht auf so festen Füßen
als die vorgetragene Combination.

Jedesfalls aber hat meine Vermuthung hinlängliche Existenzberechtigung,
um bei der bevorstehenden Publication der Bronzestatue eine ernstliche Erörterung
der Frage zu verlangen: ist uns in der Statue von Ephesos ein Originalwerk von
Daidalos, des Patrokles Sohn, aus Sikyon erhalten ?

Rom. FRIEDRICH HAUSER.

6) Bull. de corr. hell. 1897 P- 27Ö; Ath. Mittli. 1889 S. 19; Hermes XXXV 191.
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