Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

Page: 169-170
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Der Brief bedarf nur geringer Erläuterung.
Warum ein nacb Rom gericlitetes Sclireiben von
Athen aus über Constantinopel und Wien gehen
musste, erklärt sich, abgesehen davon, dass ja
Griechenland damals noch zur Türkei gehörte, viel-
leicht auch durch die Kontinentalsperre. — Die
sehr geringe Meinung, welche Koes von den Griechen
hatte, war weitverbreitet. 2) Ein Wandel tiat erst
durch die Kämpfe der Neugriechen gegen die Türken
und die durcli sie erzeugte philhellenische Bewegung,
welche ganz Europa mitriss, ein. — Zu den ,bornier-
ten Milords“ vgl. Bröndsted 1. c. p. X s. Die sehr
verdienten Architekten Cockerell, Foster, North und
Douglas können mit diesen beißenden Worten nicht

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gemeint sein. — Koes ist von den ,talentvollen,
liebenswürdigen Römern c ganz entzückt. Diametral
entgegengesetzter Meinung ist Levesque in seinem
kurz vorher (1797) erschienenen ,Gemählde Roms‘. —
Unter Sirletti ist wohl jener römische Steinschneider
Francesco S. gemeint, der bei Goethe im Leben
Haekerts (Nachträge, Hinterlassenes) erwähnt ist;
vgl. auch Furtwängler, Antike Gemmen III 381. —
Angeletti, wohl Alessandro Ang., der als Radierer
sich einen Namen machte. 3) — Die aus Korinth an-
gekommenen Freunde sind der Architekt K. Haller
v. Hallerstein, der Landschafter J. Linkh und der
Barön O. M. v. Stackelberg. —

Rom, im Juni 1902. LUDWIG POLLAK.

Neue norische Inschriften.

I. Virunum. Votivara gewöhnlicher Form, ge-
funden auf dem sogenannten Oberzollfeldacker nächst
der Haltestelle ,Zollfeld‘; gegenwärtig nocli dort im
Gasthaus. Höhe 0^74 m, auf den drei Hauptseiten
ein Kranz-, unten ein fünffaches Sockelgesims, Rück-
seite eben. Die rechte Vorderkante schräg abge-
arbeitet. Der obere Aufsatz mit schwach ausgeprägten,
beschädigten Eckhörnern zeigt auf beiden Schmal-
seiten je ein horizontales Dübelloch, wohl für Stifte
zur Anbringung von Kränzen oder dgl.

Das Inschriftfeld h.0'305 111, ursprünglichbr. 0*33“,
jetzt nur mehr br. 0'24 m [= CIL III S 15205].

Forlun[ae
Aug(uslae)
Ianuar[ius
Virunen[sium
5 v. s. I. [m.

2) Vgl. Bröndsted 1. c. p. XVI.

3) Vgl. Meyer, Künstlerlexikon II 34.

A) Besser würde dem Raum VIRVNEN[S* LIB]
= Virunenfs(ium) lib(ertus)], vgl. CIL III 4870,
entsprechen und zugleich wäre damit der Anlass der
Widmung, die Freilassung des gewesenen Gemeinde-

Die Widmung scheint von einem servus publi-
cus der Stadtgemeinde Virunum vollzogen. Allerdings
lässt der zu berechnende Raum die in Z. 4 nöthige
Ergänzung SIVM nur unter Annahme einer Ligatur
zu. 1)

■ In nächster Nähe (Töltschacli) wurde der Stein
4778 gefunden, der ebenfalls eine (von einer größeren
Anzahl von Personen vollzogene) AVeihung an die
Fortuna Augusta enthält.

2. [S. Peter ob Reichenfels, oberes Lavant-
thal.] Grabsteinplatte 0*7i mX0'45 m; Dicke von
O’I I5 m (links) bis O'O^ m (rechts) abnehmend. Das von
doppelten Randleisten umgebene Inschriftfeld. misst
0'6 m X 0 3 m. Der in stark abweichender Lesung
bereits CIL III S 11657 veröffentlichte Stein wurde
zu Ostern 1901 für das Klagenfurter Museum er-
worben, wo ein genaueres Studium der stellenweise
schwer lesbaren Inschrift folgende, in den letzten
Zeilen auch jetzt noch nicht ganz sichere Lesung
ergab: [= CIL III S 15205*]

sclaven, bezeichnet. Aber dass derFreigelassene seinen
neuen Vor- und den — allerdings' hier selbstver-
ständlichen — Gentilnamen ausließe, wäre zwar
nicht unerhört, aber doch auffällig genug. Man wi.rd
es also wohl bei der oben gegebenen Ergänzung
bewenden lassen.

FO RT V h

uvc

IANVAR
VIRVNEN
V v 5 V |_ J

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