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Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 8.1905

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Heft 1
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Domaszewski, Alfred von: Schiller und Tacitus
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Zingerle, Josef: Fluchinschrift aus Maionien
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https://doi.org/10.11588/diglit.34901#0153

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A. v. Domaszewski, Schiller und Tacitus

143

Schiller und Tacitus.
Die schönen Verse in Schillers Braut von Messina 226 f.
Wo das Eisen wächst in der Berge Schacht,
da entspringen der Erde Gebieter
sind eine Umbildung und zugleich die richtige Deutung der Worte des Tacitus
Germ. 43: Cotinos Gallica, Osos Pannonica lingua coarguit non esse Germanos, et
quod tributa patiuntur: partem tributorum Sarmatäe, partem Quadi ut alienigenis
imponunt. Cotini, quo magis pudeat, et ferrum effodiunt. Der römische
Historiker findet es verächtlich, daß die Cotini, die das Eisen aus der Berge
Schacht hervorholen, die Knechtschaft erdulden. Deshalb hat v. Premerstein*)
gewiß nicht Recht, aus dieser Pointe zu schließen, daß die Cotini den Römern zu
verächtlich waren, um ein Bündnis mit ihnen zu schließen.
Heidelberg. A. v. DOMASZEWSKI

Fluchinschrift aus Maionien.

Athen. Mitteil. VI 272 f.: Έτους σμλ μη(νός) Αύδ|[ν]αίου, παραγράφε[ι] | Απολλώ-
νιος τό|ν βεβληκότα το π[ι]|νακίδιον κ[α]ί ΗΡ[πα]ΚΟ|ΤΑ καί CYCTOPA τη | άπωλεία.
Die vom Herausgeber Papadopoulos-Kerameus offen gelassenen Aporien
erledigen sich durch den Wortverstand: Ein Apollonios verflucht — παραγράφειν
singulär für sonst ständiges καταγράφειν oder γρα'φειν — einen unbekannten Übel-
täter, der sich der Beseitigung eines πινακίδιον schuldig gemacht hatte und ? συνίστορα
doch wohl, den Mitwisser der Tat. Die Form erklärt sich als einer der vereinzelten
Fälle, in denen Haplologie, die regelrecht sonst nur bei gleich anlautenden Silben
statt hat,1) als gelegentlicher individueller Sprech- und Schreibfehler ohne Be-
schränkung auf diese Norm auftritt. Phonetisch erleichternd kommt im vorliegenden
Falle der gerade für die kleinasiatische Koine belegbare Zusammenfall des Laut-
wertes von υ und 1 in Betracht,2) weiters der Umstand, daß, obwohl bei Composita mit

*) Jahreshefte VII 231. Auch scheint mir in
der von ihm sonst glücklich behandelten Inschrift
die Ergänzung [Quadorujm et Bastarnarum nicht zu-
lässig, da die Sitze der Quaden an der Donau für
jene Zeit nicht bezeugt sind. Vielmehr wird Vinucius
die Dacier und Bastarner besiegt haben, um dann
weiter in jenes Bergland nördlich der Theißebene
vorzudringen. Es ist eben jener Sieg, dessen Augustus

im Ancyranum gedenkt 5, 48 et posftea tranjs
Dan[u]vium ductus ex[ercitus me]u[s Dacorjum gentes
im[peria populi Romani perferre coegit],
b G. Meyer, Gr. Gramm.3 302; Iv. Dieterich,
Untersuch, z. Gesch. d. gr. Spr. 124 f.
2) A.Thumb, Gr. Sprache im Zeitalt. d. Hellenism.
142; E. Nachmanson, Laute u. Formen der magn.
Inschr. 26; Dieterich a. a. O. 24fr.
 
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