Zeitschrift des Badischen Kunstgewerbevereins zu Karlsruhe — 3.1887

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Kunftgeroerbeblatt. 3. 3alJr3an9-

Hr. 6.

StufnäljavBeit auf rotem Summet in foriiger Scibc uitb Scfjmiv. SVouien, 10. Saint).

Pon Bicrjarö (Sraul.
mit 3Uuftrationcn.

IV. 23emerfungcn über 2TCöbel bes ^7. unb \8. ^afyrfyunberts.

3. Hegertcc utib frütje £ouis XV. ■. HTöbel.

®ie SSouHearbeiten, welken unfere bor-
matigen SBemerfungen galten, waren d)arafte-
riftifcfje Söeifpiete be§ reinen Soui§ XIV.=@tile§,
wie er um bie SSenbe be§ fieoje^nten Saljr*
f)unbert§ im SujuSmobiliar bortjerrfdjte. SDie
Sßoftamente unb Saftenmöbel alter Strt — um
biefe Ijanbelte e§ fid) junädjft — erfd) tenen
nrctjiteftont^ctjeii ©efetsen ftreng unterworfen, gn
itjrem 9tufbau monumental gebadjt, mit flarer
SSetonung energifdjer ©tieberungen, ber reid)e
©djmuct metallener ©inlagen im wirtfamen
Sontraft mit Iräftigem 93efd)lagwert bie gtädjen
unb formen jierenb, fo reifjten fic fid) in not«
wenbtger Unterorbnung ber beforatiben Sßradjt
^runfenber ^otaftröume ein. Sm einzelnen be-
trachtet waljre ©enfmate lünftterifctjen geinfinne?,
in itjrer (Srfdjeinung aber Don fteifer SCornefjm-
Ijeit, lommen jie ju itjrer red)ten Sßirt'ung bod)
erft im Sflaljmen einer SDeforationSfüfte, wie fie
ein Setirun ber ©aterie b'Stpotlon im Souöre ju
geben wußte: bie SBouflemöbel, bie mir le^trjin
betrad)teten, finb an ben Ort gebunbene $arabe-
ftücfe, piöces d'apparat, nid)t eigenttid) mobit
unb ofjne fRücffidfcjt auf bie Sebürfniffe einer meljr
unb met)r bem ßmange I)öfifd)er SRepräfentation
entwacbjenben ©efellfd)aft. Siefe bor altem 23e-
quemtid)feit Ijeifdjenbe SSanbtung in ber <3inne§-
unb SebenSweife ber tiornef)men ©efellfd)aft
fonb nod) jU Sebjeiten SubwigS XIV. ftatt, fo
baf3 bie freiere ©titbeWegung be§ 9Robtliar§
äiim 9tococo f)in fid) bereits in ber Beit bor
ber äliinberiäljrigfeit 2ubwig§ XV. regte.

9lud) ©jarte^SInbre SoulTe auf ber §öf)e
feiner rünftlerifd)en £f)ätigfeit nutfjte fid) ju

SiiHftgeireroeHatt. rn.

^onjeffionen an ben neuen ©efdjmacl berfteljen;
aud) er, ber Sonferbatibe, mürbe im Sftobitiar
311m wiberwitligen SSorboten ber bem 9tococo
jubrängenben Strömungen. £$m,nerl)in, ber
Sftufmt bleibt il)m ungefdjmätert, bafj er- ber
teilte unb einige große (Sbenift gewefen, Weldjer
auf ©runb einer entfdjieben ardjiteftonifdjen
©efejjen folgenben Sonftruftion einen burd)ait§
originellen SD)bu§ ber ÜDlobetbeforation ge«
fdjaffen I)at. ÜRidjt mieber in ber ©efdjidjte
be§ mobernen 9ftobitiar§ — unb wo e§ fid)
um originalen <3tit Ijanbett, mufj abgefetjen
werben bon ber altertümelnben Sfteäeptirfttnft
unfere§ !yal)rT)unbert§ — ntcrjt mieber begegnen
mir einer f old)en Söconumentatität im Mobiliar,
einer fo burd)an§ ard)itettonifd)en ®efe^mäfiig-
feit im Sonftruttiben. gn biefem «Sinne be=-
trad)tet, erfdjetnen Soutle'S reine Soui§ XIV.-
arbeiten al§ bie StuStäufer einer Sa^^unoei'te
alten ©ntmictelung. ©lieb für ©lieb reiben fie
fid) an, fo Weit Wir äurücfbliclen, an bie Wobei
ber Slenaiffance unb weiter jurücE, an bie ber
©otif felbft. ®er offene SBrud) mit ber SD:abition
Wirb erft n a d) Söoulte boüf ommen, bann erft bon
prinjipieHer Söebeutung für alle weitere gort-
bilbung in ber 3Köbeltifd)lerei. 9Jtag immerhin
tjier unb ba aud) in ber golgejeit ber SSer-
fud) gemad)t werben, ber alten Setterin 9trd)i-
teftur bon neuem gu folgen: wal)rT)aft trieb*
fräftige SÖZöbelttjpen finb nu§ biefer S3erbinbnng
ntd)t wieber gu Sage gefommen. Sie reijenben
©Übungen be§ Soui§ XVI. felbft, fo antififd)-
ard)itettonifd) fie fid) geberben, bciZ S3efte ib>3
inbibibuell tünft(erifd)en unb ftitiftifdjcn SSerteS
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