Zeitschrift des Badischen Kunstgewerbevereins zu Karlsruhe — 3.1887

Page: 133
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zbkgv1887/0177
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Sfiiä CucittcfS 9Jtoi)ct6iic!)C.

Sctdjfifdje ^innmarfen.

Don K. Berling.

SaS §anbwerf ber 3inn= ober Sannen*

giejjer ftel)t auf bem 9luSfterbeetat. ©rseugniffe

itjrer §änbe »erben nur nod) ju wenigen ted)-

nifdjen 3»ecfen berwanbt, unb anct) Ijierin

tjaben bereits bie luftiger arbeitenben gabrifen

ben Söwenanteil an fid) geriffen. Unb bodj

gab eS einft in Seutfdjfanb eine 3^it, in ber

jebe §au§frau iljren ©tolj barin fudjte, bog

ibre Stüdje im ©tauje einer SDJenge blanfges

fdjeuerter 3mi,9cfäf3e frratjlte; in ber bie mei-

ften Innungen i^ve SStHrommSfrüge, 5ßrad)t-

fannen, ©tüctSbedjer unb wie ber fonftige

SIpparat, ben fie bei iljren geftlidjfeiten ge-

brauchten, Ijeijjen mag, auS 3inn anfertigen

tieften; in ber felbft bie firdjlidjen ©efäfje

ärmerer ©emeinben au§ biefem SKetafte be-

ftanben. SamalS tjntte baS 3inn9ief3er^an^l=:

Wert auf einer ijof)en (Stufe tünftlerifdjer S3olt-

enbung geftanben, Ratten feine ÜDieifter in bem

ßunfttebcn ber ©tobte eine einflufjreidje, el)ren-

bofte ©teftung eingenommen.

§aben aber aud) Ijeutjutage (Sbetmetalle
unb Scgirungen, ©la§ unb ^orjeftan baS ßiun
bi§ auf ein ©eringeS unb jwav berartig Der*
brängt, bafj fid) bie auS if)m gefertigten ®r-
jeugniffe faft nur nod) in Sammlungen bor-
fiuben, fo bleibt immerhin bie Slrt unb SSeife,
wie bie Bmngiefjer einft in ben berfdjiebenen
Sänbern mit bem 93eäeid)nen ifjrer arbeiten
berfatjren finb, aud) für unS nod) wiffenSwert.
Senn bei Sinngefäfjen finb in ben meiften
galten bie Sftarf'cn bie einzigen 2lnl)altSmmfte
jur Veftimmung beS ©ntfteljung§orte§ unb ber
©ntftel)ung§äeit.

Sie nadjfotgenbe ©tubie fiegroecft baS im
Surfürftentum ©ad)fen gebräud)tid)e SRarfens
Wefen in feiner ©ntmidetung barsulegen. SSann
in biefem Sanbe, beffen 3innarbeiten neben
benen Nürnbergs eine Weite Verbreitung er*
fahren Ijaben, bie 3inngie|er juerft ju einer

Innung äufammengetreten fein mögen, läfjt fid)
wie in faft allen ät)nlid)en gälten, nid)t meljr
feftfefjen. gm ©egenteil flammt bie ältefte
Ijierauf ttejügticrjc llrfunbe, bie mir ju ©efid)te
gelommen ift, erft bom 19. Wlai 1609, alfo
auS einer berljättniSmäfjig fpäten Qtil (SS ift
bieS ein bom SSürgermeifter unb 9tat ber ©tabt
SreSben erlaffeuer „offener 93rief"]), worin
auf 2tnfud)en ber „ehrbaren unb fürfidjtigen
©Heften unb anbre SKeifter beS §anbt>uerd§
berer Slannengiefäer at()ier" bie §anbmerfS-
orbnung berfelben am genannten Sage — wie
auSbrüdtid) betont wirb — jum erftenmale
bon ber Dbrigfeit beftätigt worben ift. Sa§-
jenige, waS für bie nadjfolgenben 3eifen bon
Vebeutung ift, enthält ber neunte Slrtifet, wel-
d)er Wörtltd) tautet:

„S3onn ber ßinn Vroba
@S foft aud) bie Vroba Qum 3el)enben,
wie eS atfjier bor Imnbert Snfjren bräud)lid)
unb einen jebern bon ijjanbtwerde auf erleget
unb gegeben wirb, rid)tig gehalten werben,
bei) eincS JgaubtwerdS ©traffe."

©S beftätigte alfo hiermit ber 9tnt eine
Verfügung, bie unter ben Jganblbcrfem bereits
beim Söeginne beS 16. SaT)r1junbert§ ©ettung
gehabt t)aben imifjte, unb mcldje bejweden folltc,
bafj bie Käufer Weber an itjrem Vermögen nod)
— waS bei ©efäfjen, bie jnm ©ffen unb Srin*
!en bienen foftten, borfommen tonnte — au
it)rer ©efunbt)eit gefd)äbigt würben. Senn ba
fid) ginn in reinem 3ufranbe äufserft fdjwcr
berarbeiten läßt, fo War eS ben 3inngiefjer-
meiftem geftattet, bei ibren arbeiten bemfetben
ein aubereS detail unb jWar 33let, \)a% fid)
t)iersu am beften eignen modjte, jujufetjen. §ier-
bei lag eS aber nalje, bafj jur ^erfteltung ber

t) ®tefe Urlunbe fieroa^rt baä ®re§bener 3lat3-
ardfji» unter 92r. 51a.

20*
loading ...