Zeitschrift des Badischen Kunstgewerbevereins zu Karlsruhe — 3.1887

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Hr. 6. 2Tlät3 1(887.

Bericr/t über bm Dortrag oom \6. ^ebruar.

Stuf SBeranfaffung be§ SBabifdjen Sunftge-
werbeberetnS Ijielt Dr. Sß ab ft bom ©eroerbe*
mufeum in SBerlin am 16. gebruar 21benb§
8 llfjr im grojjen 3?atb,au§faafe ju SarlSrufje
einen öffentlichen Vortrag über „lytalienifdje
SKajoItfen". Ser SBortragenbe, unfern W.iU
gliebern al§ Jperau§geber be§ Sunftgeroerbe-
blattet befannt, ift Spe^iatift unb grünblidjer
Senner be§ teramifdjen ©ebieteS unb enttes
bigte fid) feiner 2tufgabe in rebegemanbter
Sßeife unb ju öoHfter 93efriebigung ber er-
fdnenenen $uljörer.

3unad)ft red}tferiigte ber SRebner bie
2Baf)l be§ Sljemag burd) bie tultur= unb
funftgefd)id)tlid)e SBebetttung ber 90tajotita unb
burd) bie in unferer mobernen Qeit erfolgte
SBieberoufnatjme ber feit mef)r ot§ einem %a§x*
Ijunbert im Ütüdgang begriffenen Sedjnit.
hierauf folgte bie geftfteltung be§ 93e -
griffe? ber SKajoltfa unb eine turje ©r*
läuteruttg be§ ted)nifd)en SSorgange§,
wobei erwähnt rourbe, wie ber burdjfidjtigen
SBleiglafur, bie bie garbe be§ SdjerbenS burctj-
fd}einen laffe, bie bon Suca belta Sftobbia in
Slntnenbung- gebrad}te opate ßinnglofur folgte,
bereit garbenffala erft eine befdjränfte mar;
wie ferner burd) einen Überjug be§ roten SfjonS
mit einer bünnen weiften Sd)id)t, ber fog.
©ngobe, bie unter bie ©lafur 5U liegen lam,
bie Mezza-majolika entftanben fei; roic ber
eigentümliche 9teij ber 9)cajotifaarbeiten eben
burd) bie ©lafur bebingt fei, burd} ba% Sendeten
ber garbe unb beren Siefe, ma§ 5. 33. bie
sßorjellanmaterei nidjt erreichen tonne, obfdjon
beren §ilf§mittel biel weniger primitib feien

u. f. m. u. f. W. dlad) biefen 2tu§einanber-
fe^ungen wenbete ber unebner fidf) bem §aupt-
teil be§9Sortrag§ ju, weldjer über bie gefd)id)t-
lid)e Sntwictetung fjanbelte. Sie SKajotita
in if)rer einfadjften gorm fei feljr alt, wie bie
farbig glafirten Sieget au§ ben gunben bon
Sftinibeb, u. a. D. geigten; ber llrfprung fei
Waljrfd)einlid) in 3Kefobotamien 51t fttdjeh. 83on
ba fei bie Secfmif jWar nid)t ju ©riedjen unb
Römern, aber einerfeitS nad) Sßerfien, anberer?
feit§ ju ben Slrabern unb burd) biefe nad)
(Spanien unb Sizilien übertragen. Sie SOZauren
in (Spanien Ijätten bie Sunft fd)on §u bebeu-
tenber SSoltenbung gebrad)t; befonberS 511 er-
roätjnen fei ber metatüfd) gISnjenbe <Sd)immer,
ben bie attfpanifdjen ©rjeugniffe bielfad) geigen,
üöian lefe gewöfjnlid) unb net)me au, baft bon
Spanien au§ bie SUcajolitatcdjnif nad) Stauen
gelommen, unb nenne bei biefem SCnlaffe bie
Snfel Sftajorta, au§ toetdjem dornen aud) ba§
SCSort SO^ajottfa ' entftanben fei. So fidjer fei
bie Sad)e jebod) nid)t, unb e§ fpräd)e SSer-
fd)iebene§ bafür, baft orienta!ifd)er Sinfluft über
Sizilien Ijer bie Vermittlung übernommen Ijabe.
Sie 2tu§fdjmücfung ber älteften italienifd)en
Sftajpliten erinnere biet meljr an orientatifebe
Sejtitmufter, bie ja auf Sizilien eingebürgert
waren, al§ an fpanifdje SSorbilber. SSom
16. Sat)rb;unbert ab fyabe. bie SJiajolitaerjeugung
in Statten einen rafdjen 5(uffd)ftmng genommen.
Sie Unterftü^ung tunftfinniger gürften wie
ber §ergoge bon Urbino t)ätte unter Stnberem
fjiergu mefentlid) beigetragen. Sie gürftent)öfc
Ratten nid)t nur itjre eigenen ^Soläfte reid)lid)
mit ÜERajolifen auggeftattet, fie Ratten aud) grofje

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