Zeitschrift für christliche Kunst — 9.1896

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1896.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 1.

30

und weit in das Mittel- und das eine Seiten-
schiff des Neubaues. Das interessante Innere
der Kirche bleibt von der Veränderung fast
unberührt, selbst das abgebrochene Seitenschiff
wird in gewissem Sinne wiederhergestellt, in-
dem an die Stelle seiner Geweilbetniger die
ersten Pfeiler des Neubaues nebst einer Mittel-
säule treten, auf die sich die gewölbte Orgel-
bühne stützt (Fig. 7 und 8). Die Abmessungen
der Joche, die Fensterbreiten u. s. w. sind mög-
lichst in Harmonie gesetzt mit denen am alten
Bau: wie dort Dienste die Gewölbe tragen, so
werden auch hier einfache Dienste und für die
freistehenden Stützen einfache schlanke Rund-
säulen mit schmalen Kapitalen angeordnet,
wie dort einfache Kreuzgewölbe und klar ge-
zeichnete Netze den Raum überdecken, so
sind hier in den Seitenschiffen Kreuz- und im
Hauptschiff Netzgewölbe vorgesehen, welche
im Hauptchor in einen Stern auslaufen. Das
Chor verlangte eine etwas reiche Anlage, weil
dahin die Opferstätte übertragen wird, und es
demnach vor dem früheren Chor auch äufser-
lich einen Vorrang haben mufs. Daher die
polvgonale Ausbildung der Seitenchöre, daher
die Ausbildung der das Hauptchor (lankirenden
Treppenthürmchen (s. Fig. 7 und 11). Durch
die Anlage der Sakristei an der aus dem
Grundrifs ersichtlichen Stelle bekommt die Ge-
sammtanlage von allen Seiten einen wechsel-
reichen Abschluß, von der Ostseite gegenüber
dem polygonalen alten Chor die viereckige
Sakristei, von der Westseite gegenüber dem
viereckigen Thurm und Seitenschiff den poly-
gonalen neuen Chorabschlufs. Die alte Kirche
wird zur Vorhalle für die neue, und das alte
Chor kann zur Taufkapelle gemacht werden.
Auch das Aeufsere derselben nach der Haupt-
strafse hin bleibt fast unberührt. Nur mufs
die neue Kirche als der künftige Haupttheil
des Gebäudes auch hier bereits in die Er-
scheinung treten, daher gesellt sich dem bisher
schon vorhandenen Portal noch ein zweites

zu, welche beide nun die Lage des Mittel-
schiffes angeben. Oben auf die alte Mauer
wird aus gleicher Rücksicht ein dem neuen
Hauptdach entsprechender Giebel aufgesetzt,
durch welchen zugleich der Übergang von der
kleinen alten Kirche zu dem hohen Thurm
angenehmer vermittelt wird (Fig. 9). Bezüg-
lich der Längsansicht Fig. 10 sei nur darauf
hingewiesen, dafs der Gesimsabschlufs des mitt-
leren Thurmgeschi >sses ganz ungezwungen ein
passendes Höhenmaafs für die neue Kirche er-
gab. Die innere Höhe konnte dabei auf
IG m bis zu den Schlufssteinen im Mittelschili
bestimmt werden, eine bedeutende Höhe bei
der Mittelschiffsbreite von <)'/„ und der Ge-
sammtweite von 19 m. Eine gröfsere Höhe
dürfte sich weder für den Innenraum noch
für das Aeufsere empfehlen; hier würde sie dem
Hauptthurme seine freie, beherrschende Stel-
lung durchaus nehmen. Es ist als ein glück-
licher Umstand zu betrachten, dafs der Thurm
für die alte Kirche zu hoch war; für die neue
ist er wie gemacht. Eine wie prächtige
Gruppirung sich in Folge dessen ergiebt, geht
auch aus der neuen Choransicht (Fig. 11) her-
vor. Wie die Verhältnisse der Fensterabthei-
Iungcn in den Seitenmauern mit ihrem Dach-
abschlufs dem oberen Thurmgeschofs ent-
sprechen, die Höhe der Seitenchorabschlüsse
das neue Chor mit dem alten in Beziehung
setzen und dergleichen wird der aufmerksame
Leser aus den Skizzen besser als aus einer
Erklärung ersehen. Die ornamentale Ausbil-
dung ist mäfsig gehalten, dem Stil der letzten
Bauperiode des alten Baues entsprechend, ruhig
und klar in den Formen. Im Aeufseren ist die
neue Kirche vor der alten nur durch den
Bogenfries unter dem Hauptgesims ausgezeich-
net, und den schrieb der Thurm vor, wie er
hierin auch wieder ein Mittel gab, Altes und
Neues eng miteinander zu verbinden.

Essen. Joseph Prill.

Bücherschau.

Von der „Geschichte der Kölner Maler-
schule", deren I. Lieferung in dieser Zeitschrift
(Bd. VIII, Sp. 291) angezeigt wurde, ist vor Kurzem
die II. Lieferung erschienen. Dieselbe umfafst
33 Tafeln, von denen die eine Hälfte Bilder des
Kölner Museums wiedergibt, die andere solche aus

dem Kölner Dom und St. Severin, aus den Museen
von Frankfurt, Darmstadt, Utrecht, Paris sowie aus
mehreren Privatsammlungen. Fast alle bedeutenderen
kölnischen Meister vom Beginne des XIV. bis gegen
die Mitte des XVI. Jahrh. sind hier vertreten, ohne
dafs jedoch für einen derselben der von Firmenich-
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