Zeitschrift für christliche Kunst — 9.1896

Page: 357-358
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1896. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 12.

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Kunst zu verdanken sein. In allen weiteren
Vorzügen des Teppichs aber, besonders in der
kräftigen Wirkung und Vertheilung der Farben,
kommt niederländische Eigenart zum Ausdruck.
Sie zeigt sich deutlich im Typus wie in der
Komposition der Figuren und in der sorg-
fältigen, liebevollen Durchbildung aller Einzel-
heiten der Tracht und des Schmuckes.

Die Darstellung, Szenen aus dem Leben
Mosis, war in der flandrischen Gobelinwirkerei

nicht selten. Weitere Teppiche aus dieser Folge
sind zwar nicht bekannt. Aber in späterer
Ausführung haben sich Brüsseler Gobelins mit
den Thaten des Moses, nach Kartons aus der
Schule des Giulio Romano, noch erhalten im
Museum zu Chartres und im Dom zu Mailand.
Schliefslich wurde dasselbe Thema noch ein-
mal im XVIII. Jahrh. von dem Brüsseler
Tapissier Leyniers behandelt.

Köln. Otto von Falke.

Verwendung edeler Metalle zum
vom V. bis zum
II. Die Verzierung der aus edelem
Metall hergestellten Einrichtungs-
gegenstände,
äufig berichtet das Papstbuch über
neu angeschaffte „Bilder". Es ver-
steht darunter Wandgemälde oder
Mosaiken, auf die wir hier nicht
näher eingehen, Statuen oder gemalte Tafeln,
die so mit getriebenen Platten aus Gold oder
Silber bedeckt wurden, dafs nur das Ge-
sicht und die Hände der dargestellten Per-
sonen sichtbar blieben, endlich Basrelieffiguren.
So hören wir, Gregor III. habe drei Marien-
bilder „gemacht" oder erneuert. Dem für die
Allerheiligenkapelle von St. Peter bestimmten
gab er vier goldene, mit Edelsteinen verzierte
Schmuckstücke: ein Diadem, eine Halszier mit
Anhängseln und zwei Ohrringe. Das Bild der
ihr Kind umarmenden Gottesmutter in Maria
Maggiore (wohl das noch heute dort verehrte
Lukasbild) erhielt von ihm viele Edelsteine
und eine 5 Pfund schwere Bekleidung von Gold,
ein drittes eine 50 Pfund schwere Bekleidung
von Silber.1) Paschalis überwies der Basilika
der hb. Processus und Martinianus ein mit
101/« Pfund Gold bekleidetes Gemälde der
Gottesmutter. Nach Maria Maggiore schenkte
er für das Bild, dem Gregor III. eine goldene
Bekleidung gegeben hatte, oder für ein neues
silbernes, 17Y4 Pfund schwere und vergoldete
Platten.

Eines der reichsten Marienbilder dieser Art
verdankte die Marienkirche jenseits des Tiber
der Freigebigkeit Gregors IV. Es war mit Edel-

l) L. P. I, 418 s. n. 7, 8, 10; ;J74 n. 11 wird
ein mit goldenen Platten bedecktes Bild des hl. Petrus
erwähnt, vgl. 379 nota 31.

Schmuck der römischen Kirchen
IX. Jahrhundert.

steinen, Schmucksachen und Votivgeschenkcn
fast ganz bedeckt.2)

Bei manchen Bildern melden die Verfasser
des Liber pontificalis, ob sie getrieben (battu-
tiles) oder gegossen (fusiles) seien, oft unter-
lassen sie aber auch solche nähere Bezeichnung.
Sie machen dadurch den Entscheid unmöglich,
worum es sich eigentlich handelt. Gegossen
oder getrieben waren wohl alle von ihnen er-
wähnten Darstellungen des Gekreuzigten. St. Peter
besafs deren zwei aus Silber hergestellte. Das
erstere war 72 Pfund schwer und von Leo III.
(j 816) gewidmet. Man sah dieses in der Mitte
der Basilika auf einem Querbalken beim Chor-
eingang, das andere, 52 Pfund schwere, neben

2) L. P. II, 58 sq. Paschalis n. 23, 32; <8 Gre-
gorius IV, n. 20: Obtulit imaginem auream habentem
storiam (Darstellung) Dominae nostrae cum diversis
et pretiosis gemmis, iachinctas (rothe) majores nuniero
XIII, prasinas (grüne) X, albas (Diamanten?) majores
numero XXVIIII, alamandinas (Edelsteine aus der
Stadt Alabanda in Asien) majores numero XX, albas
modicas . . ., habentem in circuitum capite coronae
diverse philopares (d. h. wohl: in circuitu coronae
capitis habentem diversas philopares, d. h. filo = pares,
walzenförmige Edelsteine oder Perlenschnüre); cercellus
(Zirkel, Ohrringe?) paria II, habentes gemmas pretio-
sissimas, albas numero XVIII, prasinas VIII, iachinc-
tas IUI; item in eodem imaginem habentem morenas
(Schmuckstücke, Brosche?) pretiosissimas II, ex qui-
bus unam habet pendulas (Anhängsel) numero XI,
item morenam trifylem (dreitheilig, kleeblallfürmig?)
auream, habentem gemmas diversas albas nuniero
LXXIII et buticulas (Knöpfchen?) XXXIII, morenam
in quo pendent gemmas iachintas XIII, digitias (Finger-
ringe oder fingerförmige Anhängsel) aureas Villi,
pendentes in filum aureum, item morenam fylata (mit
Filigran ?) ex quibus habet gemmas pendentes iachin-
teas XIIIIsignochristas, habentes buticellas (= buticulas)
II et minores III, onines morenas cum pertinantes
(Zubehör) eorum.
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