Zeitschrift für christliche Kunst — 9.1896

Page: 347-348
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1890.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 11.

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gebnisse meiner die Werdener Luciuskirche
(997 bis 1063) betreffenden Untersuchungen
schon früher kurz dargelegt habe,8) so ist es mir
auch angezeigt erschienen, über die Gestaltung
der Clemenskirche Mittheilung zu geben, wäh-
rend die Mauerzüge noch offen liegen. Un-
entschieden ist es nämlich gegenwärtig noch,
ob die Kirche vollständig freigelegt wird und
dauernd offen liegen bleibt. Die dafür er-
forderlichen Mittel sind zwar nicht besonders
bedeutend; sie sind aber, da aufser den noch
auszuführenden Abräumungsarbeiten auch die
Mauern an ihrer Oberfläche gegen das Ein-
dringen des V/assers gesichert, die Chorapsiden
auch zum grofsen Theile mit einer neuen Ver-
blendung versehen werden müssen, doch zu

Ausgeschlossen ist es auch nicht, dafs, wie die Lucius-
kirche, so auch die Clemenskirche nicht in ihrer ur-
sprunglichen dreischiffigen Gestaltung auf unser Jahr-
hundert gekommen, sondern vorher einschiffig um-
gebaut war.

3) In dem IV. Hefte der »Heiträge zur Geschichte
des Stiftes Werden« 1895.

beträchtlich, als dafs einer der in Betracht
kommenden Werdener Vereine an diese Auf-
gabe herantreten könnte. Günstig für die Offen-
legung ist jedoch der Umstand, dafs die Eigen-
thumsfrage — das Grundstück gehört zum
katholischen Küstereifond — keine Schwierig-
keit bereitet, und dafs der Werdener Verschöne-
rungsverein sowohl für eine entsprechende Aus-
schmückung der Umgebung, wie auch für die
Instandhaltung der Ruine sicher eintreten wird.
Bei der verhältnifsmäfsigen Geringfügigkeit des
benötigten Betrages darf deshalb gehofft werden,
dafs es mit der Hülfe der Rheinischen Pro-
vinzialverwaltung gelingen wird, in den Ruinen
der Clemenskirche die Reste eines Bauwerks
dauernd zu erhalten, welches hier in einem
nicht geahnten Umfange an das Tageslicht ge-
treten ist und damit die so überaus spärliche
Zahl der dem X. Jahrh. angehörigen Baudenk-
male um ein sicher datirtes und bedeutsames
Beispiel vermehrt hat.

Freiburg (Schw.) W. Effmann.

Buch

erschau.

Friedrich W asm ann. Ein deutsches Künstlerleben
von ihm selbst geschildert. Herausgegeben von
Bernt Grönvold. München 1890. Verlagsanstalt
F. Bruckmann, Aktien-Gesellschaft (Preis 50 Mk.)
Dem tüchtigen, aber bisher wenig beachteten Maler,
ist zehn Jahre nach seinem, im Alter von 81 Jahren
erfolgten, Tode von befreundeter Künstlerhand dieses
ehrenvolle Denkmal errichtet worden, welches sich
aus einem glücklichen Funde von Handzeichnungen
und der von der Wittwe überlassenen Selbstbiographie
zusammensetzt. Aus jenen hat der Herausgeber eine
Auswahl getroffen, welche vornehmlich Porträts und
allerlei Studien umfafst, die sämmtlich aus den Jahren
1828 bis 1835 stammen. Dieselben sind in vorzüg-
licher Reproduktion theils als Vollbilder, theils als
Illustrationen aufgenommen, die den Text verzieren,
ohne ihn irgendwie zu erklären oder zu begleiten.
Nur wenige der zahlreichen Abbildungen sind näher
bestimmt und es fehlt auch an einer Charakterisirung
derselben. Der Leser mufs sich daher sein Urtheil
über deren künstlerische Bedeutung selber zu bilden
versuchen, wird aber bald zu der Ueberzeugung ge-
langen, dafs der Künstler über ein feines Beobachtungs-
talent verfügte und im Porträtiren seine Stärke besafs.
Aus allen Porträts spricht eine scharfe, individuelle
Auffassung und ein so bestimmtes wie vornehmes
Oarslellungsvermögen. Leider wird der Wunsch, dieses
auch an gröfseren Kompositionen und idealen
Schöpfungen beobachten zu können, nicht erfüllt, und
dieser Wunsch erscheint um so berechtigter, wenn
man das ganz von idealen Anschauungen und Be-

strebungen erfüllte Lebensbild betrachtet, welches der
Künstler selbst in ebenso schlichter und bescheidener,
als offener und freimüthiger Weise geschrieben und
abgeschlossen hat, nachdem er sein 01 stes Lebens-
jahr vollendet hatte. Darin gibt er Auskunft über
seine Kindheit in Hamburg, auf welche noch die
trüben Schalten der französischen Herrschaft fielen,
über seine Schulzeit, Konfirmation und Berufswahl.
Letztere war lange schwankend geblieben, bis auf
den Rath des Zeichenlehrers der Entscheid für die
Malerei erfolgte und ihn nach Dresden an die Akademie
und in das Atelier von Näke führte, der grofsen
Einflufs auf den jungen Romantiker gewann und
dauernd behauptete. Die hier gewonnene und in
seiner Vaterstadt Hamburg weiter entwickelte Fertig-
keit im Zeichnen, namentlich im Porträtiren, setzten
ihn in den Genufs eines Reisestipendiums, welches
ihn 1829 nach München brachte, in den Zauberkreis
des damals bereits vergötterten Cornelius. Aber bald
schon zwang ihn seine Gesundheit, die Winter in
Meran zu verbringen, wo seine romantische, allmäh-
lich der katholischen Kirche zuneigende Richtung
noch von Beda Weber verstärkt wurde. Im Jahre
1832 zog er nach Rom, wo er einen nur durch
gröfsere und kleinere Ausflüge unterbrochenen vier-
jährigen Aufenthalt nahm und mit der deutschen
Kilnstlerkolonie, die dort damals ein überaus animirtes,
schaffensfreudiges, gottbegeistertes Dasein führte, die
angenehmsten Beziehungen unterhielt, namentlich auch
mit Overbeck, der ihm die Konversion erleichterte
und dann als Firmpathe zur Seite stand. Was über
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