Zeitschrift für christliche Kunst — 9.1896

Page: 189-190
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189G.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 6.

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lieh interessanter gruppirt. Treppen vermitteln
. zu beiden Seiten den Zugang zu den Emporen
(vergl. Fig. 1). Die Anordnung ist im Längen-
schnitt klar ersichtlich. Der Taufstein ist rechts
vom Haupteingang in einer der kleinen Ka-
pellen untergebracht. Die schon beschriebenen
Kapellen bleiben niedriger liegen, wie die An-
sichten (Fig. 4 u. 5) zeigen, und werden mit
einfachen Kreuzgewölben überspannt. Was die
Gröfsenverhältnisse anbelangt, so dürfen die-
selben sowohl für die jetzigen Bedürfnisse, wie
auch für absehbare Zeiten als vollkommen
ausreichend bezeichnet werden.

Die Lichtverhältnisse mufsten den modernen
Anschauungen und Bedürfnissen in etwa Rech-
nung tragen und sind deshalb die Fenster in
den neuen Theilen gröfser angenommen, wie
sie wohl ursprünglich gewesen sein mochten.
Das Material der alten Kirche ist Ziegelstein mit
Tuffsteinverblendung; in eben derselben Aus-
führung sind die neuen Theile gedacht. Noch
zu erwähnen ist, dafs durch den Anschlufs der
neuen Kreuzarme der Thurm wesentlich gestützt
wird, wodurch es möglich ist, die jetzige Unter-
mauerung der Bögen zu entfernen.

Köln. Karl Rüdell.

Bücherschau.

DerKreuzgang am Dom zu Brixen. Von Johann
Walchegger, Dombenefiziat. Mit X2 Lichtdruck-
bildern und 10 Illustrationen im Text. Brixen 1895,
Verlag des Kath. polit. Prefsvereins. (Preis 3 Mk.)
Als die schöne Frucht langjährigen, vertrauten und
verständnisvollen Verkehrs mit seinem Gegenstande
erscheint die vorliegende Studie, die ebenso hübsch
ausgestattet, wie geschrieben ist, ein in Bezug auf
historische, ikonographische, technische Behandlung
geradezu mustergültiges, daher sehr lehrreiches Büch-
lein. — An die kurze Beschreibung des aus dem
XII. Jahrh. stammenden, im XIV. Jahrh. umgebauten
Kreuzgangs schliefst sich ein Ueberblick über seine
malerische Ausstattung, welche sich vom Ende des
XIV. bis in den Anfang des XVI. Jahrh. auf drei
Perioden vertheilt und in fünfzehn Arkaden circa
120 Darstellungen umfafst. Die vielfachen Beschädi-
gungen derselben erforderten eine Restaurirung, deren
Grundsätze vom Verfasser in zutreffender Weise ent-
wickelt werden, unter Betonung des wichtigen Prin-
zips, dafs bei einem noch im Gebrauche befindlichen
Kirchengebäude die Herstellung der Wandgemälde sich
nicht auf die Wiederauffrischung der erhaltenen Frag-
mente beschränken dürfe, sondern auch deren Ergän-
zung umfassen müsse. Den weitesten Raum nimmt
die „Beschreibung und Erklärung der Gemälde" ein,
die nach gewissen zusammenhängenden Gruppen in so
eingehender, klarer und anschaulicher Weise besprochen
werden, dafs der umfassende und eigenartige Bilder-
kreis, den sie darstellen, in seinen Quellen, seinem
Zusammenhange, seiner Bedeutung hervorgehoben er-
scheint, eine wesentliche Bereicherung des Bilder-
schatzes und seiner durchaus objektiven und verständigen
Erklärungsart. Die hierfür herangezogenen zahlreichen
und ausgedehnten Inschriften werden im letzten Ab-
schnitt wörtlich mitgetheilt. Schnütgen.

Andreas Müller. Ein Altmeister der Düsseldorfer
religiösen Malerschule. Von Dr. Franz Kauf-
mann. Frankfurt a. M. 1895, Verlag von A. Foesser.
— Karl Müller. Sein Leben und künstlerisches
Schaffen. Von Prof. Dr. Heinrich Finke Köln
1896, Verlag von J. P. Bachern.

Dem edlen Brüderpaare, welches mit Deger und
Ittenbach den Kern der Düsseldorfer religiösen Maler-
schule gebildet, haben geschickte verwandschaftliche
Hände kleine, aber ehrenvolle Denkmäler gesetzt, zart
gewobene, warm geschriebene, wohlthuend berührende
Biographien, die über den harmonischen Lebenslauf
getreu berichten, den Bildungsgang kurz darlegen, die
künstlerische Thätigkeit beleuchten, den frommen Sinn,
die tiefe Empfindung, die vollendete Technik, das
selbstlose Schaffen besonders betonen. Den Mittel-
und Glanzpunkt dieses Schaffens bildete die Aus-
malung der St. Apollinariskirche, deren abgeschwächte
Gothik den modernen Bestrebungen der Künstler ent-
gegengekommen war. Die Idee ist erhaben, die Aus-
führung meisterhaft, das Ganze ein grofsartiges Werk
religiöser Kunst, welches seinen Reiz behaupten wird,
so lange die Farben dauern (welche von dem einen
Referenten als Fresko-, von dem anderen als durch
„gekochtes Oel" bewirkte Technik bezeichnet werden).
Vielseitiger war wohl die Thätigkeit des älteren Bruders
Andreas (f 1890), künstlerisch bedeutsamer ohne Zweifel
die von Karl (j- 1893), dessen Werke sorgsam regi-
strirt und eingehend geprüft werden mit dem Haupt-
resultate, dafs er für den deutschesten Vertreter der
religiösen Malerei in unserem Vaterlande ausgegeben
wird. Für die tiefere Begründung dieser vielleicht nicht
gerade nnrichtigen Bezeichnung wäre eine nähere Prü-
fung dieses Begriffes, namentlich die Aufdeckung der
deutschen Quellen, angezeigt gewesen, aus denen der
Meister neben seiner Hauptquelle geschöpft habe, die
kein anderer als Raphael war. Dadurch wäre zugleich
die Grundlage gewonnen zunächst für seine schärfere
Charaklerisirung, aber auch für die seines Bruders,
für beider Würdigung als christliche und kirchliche,
als Wand- und Tafel-Maler, für ihre Unterscheidung

! von den anderen zeitgenössischen Vertretern der reli-
giösen Malerei, namentlich Overbeck einer-, Steinle
andererseits, zugleich für die Beurtheilung ihrer von
den monumentalen Aufgaben nicht zu trennenden deko«
rativen (architektonischen und ornamentalen) Fähig-
keiten, damit auch für die Stellung, die sie dauernd

1 einzunehmen berufen sind in der Geschichte der christ-
lichen Kunst. Schmitten.
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