Zeitschrift für christliche Kunst — 9.1896

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1896. _ ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. !).

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Bücherschau.

Die Bischöfe von Hildesheim. Ein Beitrag
zur Kenntnifs der Denkmäler und Geschichte des
Bisthums Hildesheim von Dr. Adolf Bertram,
Domkapitular. Mit den Bildnissen von 18 Bischöfen
und 173 Abbildungen von Kirchen, kirchlichen
Kunstwerken und Grabdenkmälern. Hildesheim 1890,
Druck und Verlag von August Lax.
Als ein monumentales Werk darf die grofse Publi-
kation bezeichnet werden, welche der junge Hildes-
heimer Domherr vor Kurzem veranstaltet hat, denn
sie ist höchst stattlich in ihrer Erscheinung, mit Ein-
Bchlufs des korrekten Einbandes, sehr reich in ihrer
Ausstattung, auf der Grundlage der Monumente auf-
gebaut und ein Ehrendenkmal für den Kirchenfürsten,
der bei seinem Doppeljubiläum an alle seine Ver-
dienste um das alte berühmte Bisthum erinnert, dessen
Kunstdenkmäler er in ganz besonderem Maafse be-
flissen gewesen ist zu erhalten, zu pflegen, zu ver-
herrlichen, durch neue zu vermehren im Sinne der
alten. Die Grabdenkmäler des Domes, deren litho-
graphische Nachbildung der um die Kunstgeschichte
Hildesheims verdiente Dr. Kratz begonnen hatte,
haben den bescheidenen Ausgangspunkt dieses Werkes
gebildet, wie sie jetzt seinen Anhang ausmachen, und
bei den grofsen Kenntnissen und der nicht minder
grol'sen Begeisterung des Verfassers in Bezug auf
seine Heimathdiözese und deren Geschichte ist es
nicht zu verwundern, dafs das Thema sich ihm unter
der Hand erweitert hat, so dafs er von den Bischöfen
ein vollständiges Lebensbild gab unter besonderer
Betonung ihrer Thätigkeit auf dem Gebiete der Kunst,
und vom Schlüsse des XV. Jahrh. auch in den Kreis
seiner Untersuchung hineinzog, was die hervorragen-
deren Mitglieder des Domkapitels geleistet haben. —
In sieben Abschnitte zerfällt das Buch und der erste
behandelt den Dom und seine Grabstätten, der II, die
Zeit von der Gründung des Bisthums (Bischof Gunthar,
t 834) bis in das XIII. Jahrh. (Bischof Konrad II.,
t 1249), der III. von da bis zur Stiftsfehde 1521
bis 1523 (unter Bischof Johannes IV., t 1&47), der
IV. das Zeitalter der Glaubensspaltung, der V. die
kölnischen Kurfürsten aus dem bayerischen Herzogs-
hause (von Ernst II., 1573, bis Clemens August, f 1761),
der VI. die beiden letzten Fürstbischöfe (Friedrich
Wilhelm, 171).'!, bis Franz Egon von Fürstenberg,
t 1825), der VII. endlich die jüngste Zeit und ihre
Bischöfe, namentlich Bischof Wilhelm, dessen 25jähriges
Jubiläum vor Kurzem mit so grofser Feierlichkeit be-
gangen wurde. Diese mehr als 1000jährige Geschichte
zeigt Perioden ungewöhnlicher Schaffensfreude auf den
verschiedensten Gebieten der kirchlichen Kunst, und
man braucht nur die Namen Bernward, Godehard,
rlezilo zu vernehmen, um an die hervorragendsten
Kunstwerke des XI. und XII. jahrh. erinnert zu werden,
über denen ein glücklicher Stern der Erhaltung ge-
waltet hat. Sie sind hier vortrefflich abgebildet und
eingehend beschrieben, und in Bezug auf sie sind
manche Zweifel gelöst, manche Anschauungen berich-
tigt. Auch die folgenden Jahrhunderte sind in dieser
Hinsicht nicht vernachlässigt und manche ihrer Bau-
werke zu den Urhebern in die richtigen Beziehungen

gebracht. Unter dem Bischof Wedekin, der ein per-
sönlicher Kunstfreund und eifriger Sammler war, nahm
das kirchliche Kunstschaffen einen gewaltigen Auf-
schwung, und dafs dieser unter seinem Nachfolger
fortdauerte, beweist die grofse Anzahl neuer Denk-
mäler, die unter ihm entstanden sind, wie die Restau-
ration, welche die alten erfahren haben. Ein eigen-
artiger, durch seine lokale Färbung besonders an-
sprechender Kunstenthusiasmus beherrscht den ganzen
Sprengel, namentlich die Bischofsstadt, und als seine
I'rucht gewinnt noch eine besondere Bedeutung das
vorliegende Werk, dessen erste Auflage sofort ver-
griffen war, ein Beweis für die lebhafte Nachfrage im
engeren Kreise, die in dem allerdings sehr mäfsigen
Preise (von 20 Mk. für die Subscribenten) nur zum
geringen Theile ihre Erklärung findet. Schnütgen.

Baugeschichte des Basler Münsters. Heraus-
gegeben vom Basler Münsterbauverein. Nebst zwei
Mappen mit Zeichnungen. Basel 1895. Verlag
von Ernst Wasmuth in Berlin.
Dieses grofse, in jeder Beziehung des gewaltigen
Bauwerks würdige Werk besteht aus zwei Mappen
mit Zeichnungen, und aus dem umfassenden Texte.
An beiden Gruppen sind mehrere betheiligt. Die
kleinere Mappe in F'olio umfalst 25 durch Lichtdruck
gewonnene Tafeln, vortreffliche Reproduktionen, die
von Kelterborn von 1880 bis 1892 angefertigten Auf-
nahmen, die aufser manchen Totalansichten sehr viele
Details enthalten. Die Mappe in Grofsfolio besteht
aus 10 grofsen Architekturaufnahmen und 19 zumeist
ornamentale Einzelheiten bringenden Blättern, die von
1855 bis 1874 von Riggenbach und Lasius gezeichnet
und theils in Stich, theils in Holzschnitt, theils litho-
graphisch vervielfältigt sind. Die zahlreichen in den
Text aufgenommenen Illustrationen rühren von Stehlin
her, dem zugleich der I. 290 Seiten füllende Abschnitt
des Textes, bei weitem der wichtigere und schwierigere
Theil desselben angehört, nebst dem III. und IV. Ab-
schnitt, welche die Restauration der 50 er Jahre, die
Anlegung des Münsterhofs und die Wiederherstellung
des Kreuzgangs in den Jahren 18(10 bis 1873 be-
handeln. Dem baulichen Unterhalt des Münsters von
Beginn des XVI. bis in die Mitte des XIX. Jahrh.
hat Wackernagel 00 unillustrirte Seiten gewidmet und
mit Reese 20 Seiten der Restauration der 80 er Jahre,
so dafs jetzt, dank den Mühen und Opfern des Bau-
vereins, ein Werk vorliegt, das an Vollständigkeit der
Abbildungen kaum übertroffen wird und in Bezug auf
die baugeschichtliche Beschreibung ganz auf der Höhe
steht. Diese war nicht leicht, weil es an umfassenden
Vorarbeiten fehlte, und die vielen Umgestaltungen und
Zuthaten in der gothigehen Periode die Beurtheilung
der Entwicklung des romanischen Münsters, zu dessen
Analyse die Urkunden nur spärliche Beiträge liefern,
nicht unerheblich erschwerten. Dank seinen gründlichen
Untersuchungen, liefert der Verfasser eine vollständige
Rekonstruktion des romanischen Hauptbaues, den er aus
seinen verschiedenen Veränderungen glücklich heraus-
schält, so dals seine eingehende Charakteristik des
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