Zeitschrift für christliche Kunst — 9.1896

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1896. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST _ Nr. 2.

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Während die Schiffe der Basilika in laien-
hafter Einfachheit und klarer Beleuchtung sich
darstellen und jeden Zuges dämmernder Mystik
entbehren, die für romanische und gothische
Kirchen so bezeichnend ist, liegt ein Ort in
ahnungsvollem Halbdunkel, die Concha mit
dem Altare, wo die Geheimnisse des Opfers sich
vollziehen. Von hier aus weht feierlich und
ergreifend der Hauch des Mysteriums der Ge-
meinde entgegen, und hierher, zum Mittelpunkte
des Gottesdienstes, zieht es unwiderstehlich die
Herzen. Darum nimmt die Apsis eine centrale
Stellung im Baue ein, central nicht im mathe-
matischen Sinne, wohl aber im Sinne ideeller
Architektonik. In grofsartiger Perspektive schei-
nen die Säulenreihen und Mauern sanft ztisam-
menschwingend in der Rundung der Tribuna
sich zu vereinigen, in ihrer Wölbung scheinen
die ruhig pulsirenden Bogen der Arkaden, die
Gesimse des Gebälkes, die Friese und Felder
der Oberwände des Mittelschiffes zusammen-
zuströmen; von jedem Punkte wird das Auge
wider Willen hingeleitet zum Altarraume. Von
hier aus entwickelt sich gleichsam der ganze
Innenraum in gleichmäfsiger Ausstrahlung, weil
hier, auf dem Opfertische, die tiefste Quelle der
innern kirchlichen Einheit (liefst.

Noch in einer andern Beziehung ist es be-
gründet, wenn das Gebäude in der Apsis seine
höhere Einheit findet. Auch das Prinzip der
äufsern, der hierarchischen Einheit wird dadurch
zur Erscheinung gebracht. An derselben Stelle,
wo die perspektivische Linienführung des Lang-
hauses ausklingt, am Endpunkte der Längsaxe
des ganzen Bauwerkes, erhebt sich hinter dem
Altare der Thronsessel des Bischofs und neben
ihm im Halbkreise sich anschliefsend die Sitze
des Klerus. Die Gemeinde findet hier ihre ein-
heitliche Spitze, andrerseits aber auch ihr mon-
archisches Oberhaupt, dem sie in Gehorsam unter-
worfen ist. Je weniger das Volk kirchlich, und
demgemäfs der Bau architektonisch gegliedert ist,
desto deutlicher erscheint dieGrenzlinie zwischen
Geistlichkeit und Laien gezogen. Chorschranken
und Ikonostasis sondern scharf das Presbyterium
ab, und aufserhalb desselben wird, ganz ent-
gegengesetzt der spätem gottesdienstlichen Ord-
nung, keine priesterliche Handlung ausgeübt,
auch nicht die Schriftvorlesung und Predigt.

Die altchristliche Basilika ist nach allen
Seiten hin ein grofsartiges monumentales Zeug-
nifs für den Geist, der zu ihrer Zeit in Kirche
und Gesellschaft waltete. (Forts, folgt.)

lionn.

Heinrich S ch rö rs.

Die neue St. Martins-Kirche in Düsseldorf-BUk.

Mit 7 Abbildungen.

ernünftiger Weise kann es einem
Zweifel nicht unterzogen werden,
dafs es nicht die kleinste Pflicht
eines Pfarrers sei, die Denkwürdig-
keiten seiner Kirche durch Niederschrift zu
bewahren und darzulegen. An der Hand der-
selben gelangen wir zum Ursprung und be-
wundern dann entweder das ehrwürdige Alter
oder verkünden das neue Wachsthum und
küssen dankbar die heiligen Spuren unserer
Vorfahren." Dieser Pflicht, von einem seiner
ausgezeichneten Vorgänger, Dr. Anton Joseph
Flosculus Binterim also betont und umschrieben,
hat sich Herr Pfarrer H. Bechern wahrlich nicht
entzogen, indem er die Geschichte der laure-
tanischen Kapelle in Düsseldorf-Bilk, alle ein-
schlägigen Quellen und Akten sorgfältig
sammelnd und benutzend, zusammengestellt
und herausgegeben.

Docli hiermit sich nicht begnügend hat
Ebenderselbe auch von der neuen Kirche im
„Düsseldorfer Volksblatt" eine ebenso richtige
als eingehende Schilderung geliefert. Um ein
wohlgetroffenes Bild sowohl des Vergangenen
als des Gegenwärtigen zu bringen, wüfste ich
also keinen bessern Weg, als dem verehrten
Verfasser der Loretobroschüre und des Volks-
blattartikels gröfstentheils das Wort zu über-
lassen; natürlich mit dessen gütiger Erlaubnifs.

Da entrollt sich vor uns ein Bild katholischen
Lebens aus der Spätrenaissance und Zopfzeit.
Wolfgang Wilhelm, ehemals Pfalzgraf bei Rhein,
Herzog von Neuburg, von 1614—1683, Herzog
von Jülich und Berg, liefs im Jahre 1641 auf
dem Steinacker in Bilk nahe bei der Land-
strafse an einem Kreuzwege einen Bildstock
mit einem geschnitzten Bilde der hl. Jungfrau
Maria unter dem Titel „Hülfe der Christen"
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