Zeitschrift für christliche Kunst — 9.1896

Page: 165-166
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Ein neues silbervereoldetes Vor

o gewaltig auch die
Zahl der alten und
neuen Vortrage-
kreuze, so grofs die

Mannigfaltigkeit ihrer Formen ist,

so leicht auch

deren Lösung

erscheinen mag,

es läfst

tragekreuz im spätgoth. Stile.

das Vortragekreuz ein eigener
Tvpus, von welchem das in
St. Columba zu Köln befind-
liche (abgebildet in Bock »Das
heilige Köln«, Tafel XX, Nr.77)
als eines der
reichsten und

gefälligsten
Muster bezeich-

doch nicht leug
nen, dafs man
nur selten ei-
nem in alleweg
befriedigenden
gegnet. Bald

oder Stärke der Kreuzbalken
Bedenken, bald deren Verhält-
nifs zu einander oder die Art
ihres Abschlusses, bald fehlt es
an einer passenden Umsäumung,
welche erst in der Luft die rich-
tige Wirkung schafft, bald an
irgend welcher farblichen Mar-
keting, auf welche nicht ver-
zichtet werden darf, bald an
einer zum Kreuze passenden
und doch erbaulichen Christus-
figur, und nur selten ist die
Verbindung der flachen Kreuz-
balken mit dem rundlichen
Schaft richtig gelöst, mag ein
Knauf oder ein anderes Glied
den Uebergang vermitteln. In
Wirklichkeit bietet mithin die
Herstellung eines wohlgeform-
ten Prozessionskreuzes viel mehr
Schwierigkeiten, als die Fülle
alter Vorbilder vermuthen lassen
sollte. In der romanischen
Periode war die verschiedene
Gestaltung von Altar- und Pro-
zessionskreuz noch nicht ein-
geführt; dasselbe Exemplar,
dessen Dorn die Einfügung in
den Fufs wie in den Schaft ge-
stattete, diente beiden Zwecken,
und erst in der gothischen Zeit
entwickelte sich allmählich für

werden darf.
Es empfahl sich
daher als Vor-
bild für das
neue Prozessionskreuz, welches
der Dompfarrverein zu Köln bei
dem Hofgoldschmied Herme-
ling vor einigen Jahren be-
stellte, und es kam nur darauf
an, über den Vorzügen des-
selben auch seine Schwächen
nicht aufser Acht zu lassen.
Diese bestehen ohne Zweifel in
der zu starken Betonung der die
Balken besäumenden Krabben,
in der zwar sehr dekorativ aber
nicht organisch durchgeführten
Gestaltung der Endigungen, in
dem Mangel koloristischen
Schmuckes und korrekter Ver-
bindung von Knauf und Schaft.
Ein Blick auf die hier beige-
fügte Abbildung zeigt, dafs diese
Fehler glücklich vermieden und
ein neues Werk geschaffen ist,
welches in Bezug auf seine
Form und Verhältnisse, seine
Gliederungen und Verzierungen
als mustergültig bezeichnet wer-
den darf. Eine nähere Beschrei-
bung desselben wird diesen Vor-
zug auch hinsichtlich derjenigen
Theile erkennen lassen, welche
sich aus der Zeichnung nicht
oder nicht hinreichend ergeben.
In konstruktiver Beziehung
ist zunächst die flache Hohl-
kehle hervorzuheben, welche
ringsum die Kreuzbalken ab-
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