Zeitschrift für christliche Kunst — 9.1896

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189G. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 8.

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lieh genug, um sich allen Forderungen des
heutigen Volksgottesdienstes anzupassen, ohne
ihr Wesen zu verleugnen. Und vor allem, sie
ist so einfach und unbefangen in ihren Prin-
zipien und dabei so jugendlich und kräftig,
dafs sie sich in völlig neue Richtungen fort-

bilden läfst. Ihre Formen mit Verständnifs
und Freiheit handhabend, darf die kirchliche
Architektur hoffnungsfreudig dem Tage ent-
gegenhalten, der ihr den Stil der Zukunft
schenkt.

Bonn. Heinrich Schrörs.

Alterthümer aus Kirche und Kloster des hl. Kreuzes in Rostock.

III. Grabsteine.
lafs die Kirche des • Klosters zum
hl. Kreuz einen ungewöhnlichen
Reichthum von im Ganzen wohl-
erhaltenen alten Grabsteinen be-
sitze, wufste man seit langem. Schon Lisch,

dem die Rostocker Kirchen im Uebrigen kein
rechtes Interesse abzugewinnen vermochten,
macht im »Jahrbuch des Vereins für mecklen-
burgische Geschichte und Alterthumskunde«
IV, B, S. 82 darauf aufmerksam, dafs die
Leichensteine in der Kirche des Klosters zum
hl. Kreuz „bei anhaltendem Studium" Aus-
beute geben möchten. Aber es währte lange,
bis sich der erste Bearbeiter dazu fand. Es
war der durch sein lebhaftes Interesse für die
Rostocker Alterthümer und durch seine vielen
Aufsätze auf diesem Gebiet überall noch in
gutem Andenken stehende Oberlandesgerichts-
Kanzlist Rogge, der einen Theil dieser Denk-
mäler im »Deutschen Herold« (Juni 1886, Nr. 6)
publizirte. Zur selben Zeit (am 12. Juli 1886)
hielt Herr Rechtsanwalt Georg Crull, der als
einer der besten Kenner des alten Rostocks
bezeichnet werden darf, in der Generalversamm-
lung des Vereins für mecklenburgische Ge-
schichte und Alterthumskunde einen Vortrag
über die Kirche des Klosters zum hl. Kreuz
und ihre Grabsteine, deren urkundlichen Werth
er eingehend beleuchtete. Dafs diese Steine
gegenwärtig mit einem Bretterfufsboden über-
deckt sind, um denen keinen Anstofs zu geben,
welche die Kunstausstellungen besuchen, die
von Zeit zu Zeit in der dem Gottesdienst ent-
zogenen Kirche stattfinden, ist im I. Art. über die
Alterthümer der Kirche (Bd. VIII, Sp. 169 ff.) be-
reits gesagt worden. Indessen ist es durch das
Entgegenkommen der Klosterverwaltung mög-
lich geworden, von sämmtlichen Steinen — es

Mit 4 Abbildungen.
(Schlufs.1

sind gegen fünfzig, die alle an ihrer ursprüng-
lichen Stelle liegen — getreue Aufnahmen für den
ersten Band der von dem Unterzeichneten be-
arbeiteten mecklenburgischen Kunst- und Ge-
schichtsdenkmäler zu erzielen.

Selbstverständlich ist es nicht angängig, alle
Abbildungen hier zu wiederholen, wohl aber
mag mit einigen Worten auf diesen Schatz
mittelalterlicher Dokumente zur Rostocker Stadt-
geschichte hingewiesen werden.

Ein Theil der Familiennamen, die uns hier
begegnen und in der Mehrzahl auch heute noch
nicht ausgestorben sind, ist altwendisch, wie
z. B. Bützow, Bassewitz, Sukow, Barnekow,
Gnoien, Kalant, Gyskow, Wotzetze, Kratz,
Retzekow, Kammin, Dobbin, Perow und Kosse-
bode. Wir können uns aber damit nicht auf-
halten, sondern begnügen uns, auf den Versuch
einer Deutung dieser Namen von P. Kühnel
im »Jahrbuch des Vereins für mecklenburgische
Geschichte und Alterthumskunde« XLVI, S. 1 ff.
und feiner auf das Personenregister zum mecklen-
burgischenUrkundenbuch aufmerksam zu machen.
Ein anderer Theil ist deutsch und weist auf
die Einwanderung aus niedersächsischen und
westfälischen Gegenden hin, wie z. B. Holsten,
Langen, Smeker, Witte, Wilde, Meybom, Sten-
bringh, Kruse, Meschede, Brunswick, Mahn,
Borke, Jorke, Ale, Hörn, Kulemann, Waren-
dorp, Nygendorp, Kerkdorp, Barenbruge, Mol-
ner, Borghes, Kistenmaker, Kortumme, Mane-
gold und Kurland. Unter ihnen gehören die
Namen Witte und Wilde jener Rostocker Pa-
triziergruppe an, welche ein alter, schon in
der Lindeberg'schen Chronik des XVI. Jahrh.
vorkommender Vers in folgender Weise zu-
sammenfafst:

De Witten, Wilden, Wulfe hebten Hollogen,
un schwemmen to Grcntz äver de Aa;
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