Zeitschrift für christliche Kunst — 9.1896

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1896. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 8.

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der Stadt Rostock, dessen Vater Daniel, gleich vielen
andern Malern jener Zeit in Mecklenburg aus den
Niederlanden nach Schwerin
gekommen war und hier von
1612 bis 1650 nachzuweisen
ist. Sein Sohn Emanuel
zog nach Rostock, wo er
bis 1688 lebte. Sein letzter
Brief ist vom 30. September
1688 datirt. Das Kloster
zum hl. Kreuz bewahrt eine
Urkunde, vom 8. Januar
1671, nach der Emanuel
Block für eine im Jahr 1649
gemalte Auferweckung La-
zari und das Bildnifs einer
damals verstorbenen Priorin
und ferner für das Bild
einer Pietas ein freies Be-
gräbnifs in der Kloster-
kirche für sich, seine Frau
und seine Kinder zugesichert
erhielt. Vgl. »Mecklenburg.
Kunst- und Geschichtsdenk-
mäler« I, S. 61, '214—217.
4) Man vergleiche z. B.
in dieser Beziehung den
Stein des Johannes Wet-
mer mit dem des Berthold
Hiltermann. Die Umschrift
lautet in Minuskeln: Anno
domini mcccelxxxv in die
vincula petri obiit Johannes
wettner magister in artibus
et clericus conjitgalus. Anno

domini mcccdxxx.....

taleke uxor ejus, orale. Das Wappen mit der Haus-
marke gehört ohne Zweifel dem Clericus conjugatus
Johannes Wetmer, über den wir im Uebrigen ebenso-
wenig eine Nachricht besitzen, wie über seine Gattin

Kig. 4 1. Martinus Kistenmaker. 2. Heinrich Bukow
und Gattin Mechthild.

Taleke. Dagegen wissen wir von dem Herrn Albrecht
Dobbin, der fünfzig Jahre später der Besitzer der Grab-
stätte und des Steines ist,
dafs er 1544 in Rostock
Rathsherr wurde, mit Mar-
garethe Wedige verheirathet
war und eine Tochter Mar-
garethe besafs, die später
den als Jurist und Staats-
mann zu grofsem Ansehen
gelangten Heinrich Came-
rarius heirathete. Vergleiche
»Mecklenburgische Kunst-
und Geschichlsdenkmäler«
I, S. 78, 80, 98, 218.

R) Von den Umschriften
eines Steines dieser Art
lautet die obere in Minus-
keln: hie jaee/ dominus
martinus kistenmaker pref-
byter. orale pro eo. Die
untere: ifte lapis pertinet
hinrico bueo7uen carnifici et
meehtildi uxori ejus. Beide
Inschriften scheinen zeitlich
einander ganz nahe zu lie-
gen, das Datum fehlt ja
aber bei beiden, indessen
werden wir nicht fehlgehen,
wenn wir sie dem letzten
Viertel des XIV. Jahrh.
zuweisen. Der Geistliche
Martinus Kistenmaker und
der ehrsame Metzger oder
Schlächtermeister Heinrich
Bukow werden mit einander
verwandt gewesen sein. Aber wie gelangt seine Haus-
frau zum Gewände der Sanctimonialen des Klosters?
») Vgl. Otte-Wernicke »Handbuch« I, S. 886 ff.
Schwerin. Friedrich Schlie.

Bücherschau.

Die dekorative Kunststickerei. III. Gold-
stickerei, IV. Plattstickerei, V. Netzstickerei. Von
Frieda Lipperheide. Lieferung IV. (Muster-
tafeln mit Text 15 Mk.) Berlin 1896, Verlag von
Franz Lipperheide.
Dieses Schlufsheft des hier wiederholt auf's
Wärmste empfohlenen Werkes bringt zunächst das
Kapitel über die Goldstickerei zum Abschlufs, beson-
ders die mit dem Plattstich vermischte, und widmet
sodann dem letzteren, dem unschattirten wie dem
schattirten, einen eigenen, alle Einzelheiten umfassen-
den Lehrgang. Die zuletzt behandelte Netzstickerei
zerfällt in die Stopfarbeit auf genetztem Filetgrund
und die sizilianische Flachstickerei auf gewebtem Filet-
grund, und wenn acht mächtige, zum Theil farbige
Tafeln die Vorlagen in ihrer ganzen Gröfse und

Schönheit vorführen, dann erläutern zahlreiche Illustra-
tionen die Technik wie die Details der Ausführung.
Zum Schwanengesang ist leider dieses Finale für
die hochverehrte Herausgeberin geworden, die am
12. September einem Gehirnschlage erlegen ist, und
trauernd stehen da die vielen Tausende, die ihr bereits
ein Vierteljahrhundert hindurch Anregung, Anweisung,
Ausbildung, Alles verdanken, was den Blick scharf,
die Hand geschickt, die Leistungen vortrefflich, alle
Leserinnen für edle, zahllose für gewinnbringende Be-
schäftigung fähig gemacht hat, den frühen Tod be-
klagend der erst 57 Jahre alten, ausgezeichneten Frau,
die voll Idealismus, Arbeitslust, Opfersinn, Herzens,
gute, ihr ganzes Können der Kunst, namentlich der Re-
form der weiblichen Handarbeit geweiht hat, um diese
verdienter als irgend eine andere. Schnütgcn.
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