Zeitschrift für christliche Kunst — 9.1896

Page: 275-276
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Eiserner Kerzenträger in der Pfarrkirche zu Kleve.

Mit 2 Abbildungen,
er in den Figuren 1 u. 2 ,—™^_,—, beiden Schmalseiten zwei vo

abgebildete Kerzenhalter
befindet sich in ziemlich

defektem und

verwahrlostem

Zustande in dem

lutenartig umgebogene Eisen-
1 plättchen vorgelegt sind. Gleich

hinter diesem
Bande sind hart
am Rande der

Nordthurme der Pfarr-
kirche zu Kleve, und
zwar ist das eine Bein
des Dreifufses in den
Nordostpfeiler desselben eingemauert.
Auf denj. beiden anderen Fiifsen ist
unten ein Eisenstück aufgenietet, das
wohl einen jetzt unkenntlich geworde-
nen Löwen oder Schlangenkopf vor-
stellte. Der in seiner unteren Hälfte
einfach gehaltene, über dem Knaufe
mit Eisenrollen verzierte Ständer, sen-
det in etwas mehr als halber Höhe
zu den beiden Ecken der Platte je
eine dünnere gebogene Eisenstange
aus, welche mit Nasen geschmückt ist.
In gleicher Weise ist auch der Kopf
des Ständers gehalten. Früher be-
fanden sich an der Vorderseite des-
selben einige Haken, welche zum
Tragen einer grofsen Almosenbüchse
bestimmt waren, die sich zur Zeit in
der Sakristei der Kirche befindet, je-
doch in der Zeichnung nicht berück-
sichtigt ist. Sehr interessant und ori-
ginell ist die Behandlung der Platte.
Sie hat die Form eines schmalen, an
den Kopfenden abgerundeten Tablets,
das an den Langseiten zwei
gröfsere und vier kleinere
viertelkreisförmige; Ausbuch-
tungen aufweist. Rund herum
wird sie von einem dünnen
Eisenblechband umsäumt, das
oben zinnen- und
unten zahnartig -
ausgeschnitten ist,
und dem an den

■IlMll-

50

Deckpatte 20 kleine
Röhrchen, die zum
Halten kleinerer Kerzen
bestimmt sind, aufge-
stellt, und zwar nimmt der Durch-
messer derselben nach der Mitte
hin zu. Jede der sechs viertelkreis-
förmigen Erweiterungen der Platte
trägt in ihrem Mittelpunkte einen
Dorn für eine gröfsere Kerze; bei
jeder wird ein eiserner Ring durch
ein gedrehtes Säulchen über dem
Dorne gehalten, um so ein Auf-
rechtstehen der Kerzen zu ermög-
lichen. In der Mitte der Tafel ist
in ihrer Längenrichtung ein aus
zwei kräftigen aneinander genieteten
Eisenbändern gebildeter Aufsatz an-
geordnet. Derselbe ist treppenartig
gestaltet, mit vier Auftritten auf
jeder Seite, so dafs sich also ein-
schliefslich der Mittelstticke eine
Gesammtzahl von neun Stufen er-
gibt. Auf jeder dieser Stufen weichen
die Bänder im Halbkreise aus, so
dafs ein breiter Ring entsteht, wel-
cher einem in der Längsachse der
Deckplatte stehenden Kerzendorne
entspricht. Letztere
nehmen von der
Mitte nach den Sei-
ten hin an Gröfse
und Stärke ab. Der
Aufsatz wird in der
^^^^ Mitte an
'ii»~~ ■■"-.rtTl seinem
höchsten
Punkte

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Fig. 1. Geometrische Ansicht.
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