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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0115

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schmalen, etwa 100 m breiten Brandungsterrasse unterhalb der heutigen Llfer-
böschung, hätten sich ,,ausgedehnte(?) Moor- unö Suinpfwiesen gebildet"".
Sie seien im Winter auf dem Trockenen gelegen, wären fedoch bei hohen See-
ständen überschwemmt woröen, und deshalb hätten sie die Bewohner auf
Pfählen errichtet, um auch bei hohen Seeständen trocken zu wohnen (Abb. 38).

Zur Pfahlbauzeit wäre also bei Sipplingen ein „21 c c u m u l a t i o n s -
ufer" oder „a n g e s ch w e m m t e s älf e r" nach Zeppelin^ vorhan-
den gewesen. Bor einem solchen geht das Land allmählich, oft ohnr
Llferböschung, in das Seegebiet übsr. Man gelangt dabri vom festen Lande
aus über feuchte Wiesen an der Wassergrenze in einsn Rasentorf, der noch
überschwemmt wird, dann in einen schon im Wasser ftehenden Schilf- und
Binsengürtel und zuletzt in einen so'lchen, der nur aus reinen Seepflanzen
(Laich- und Bixenkräuter, Characeen etc.) besteht^^.

Solche Llccumulationsufer findet man nur in windstillen seichten Buchten
oder im Deltagebiet seöimentreicher Flüsse, wo die Seebrandung das ange-
schwemmte Material nicht zu bewältigen vermag. Beides ist in Sipplingen
nicht der Fall; das älfer ist im Gegenteil den S.W.-Stürmen sehr ausgesetzt
die nach der Lage des Sees mit großer Heftigkeit von Bodmann her durch
den langen und engen Schlauch wehsn. Ein 2l c c u m u l a t i o n s u f e r
hätte sich also nur ausbilden können, wenn während des
Beolithikums und der Bronzezeit fast völlige Wind-
stille geherrschthätte. Man hat über das Klima dieser Zsiten schon
manche 2lusichten geäußert, für eine Calmenzeit ist noch niemand eingstreten.

Dazu kommt, daß die Oberfläche der 2lufgrabungsstelle Reinerths
nach seinen 2lngaben in 393,6 bis 393,8 m M.H.R.R. liegt, und die gefunde-
nen Kulturfchichten also in 392,6 bis 393 m Höhe B.2k. (2lbb. 38). Damit
fallen ihre unteren Lagen in die von ihm für damäls als herrschLnd angenom-
mene Zone der wechselnden Seestände; denn der damalige Spiegel soll im
Winter normal 391,20, im Sommer 393,50 m 2k.2k. gestanden haben. Die
Sedimente wären also am Stranöe öes damaligen Sees, also gerade in der
erofionsreichen Brandungszone zur 2kuhe gekommen, was bei dem feinsandi-
gen Schlickmaterial wieder nur bei größter Seeruhe und nur vorübergehend
hätte geschehen können.

Eine weitere Merkwürdigkeit ergibt endlich die 2lnnahme eines so niede-
ren Seestandes, wenn man die 2lusflußöffnung bei Konstanz in De-

war also bereits v o r b e i, und in diese „Trockenzeit" würde der voraus-
gehende höhere Seestand fallen, dem wir die heutige älferbildung zu-
schreiben mußten.

Jhre Mächtigkeit beträgt nach den Profilen 2keinerths freilich nur
10—20 cm; sie ist also fehr gering, und bleibt es, selbst wenn wir s-ie, wie!
2keinerth will, verdoppeln. Denn er hält sie durch den Druck des darauf
lastenden Bodens und des Seewassers auf die Hälfte zusammengepreht. Don
einer solchen Pressung habe ich bei dem feuchten, lockeren und leicht zerschlem-
mendem Material nichts bemerkt. Dsr überlagernde kaum meterdicke Doden
und das Seewasser wären dazu auch nicht im Stande gswesen.

Eberhard Graf Zeppelin l. c. S. 77.

^ Wenn der See auf diese Weise verlandet, so gliedert sich die ent-
stehende Torfmasse im allgemeinen von unten her in Leber-, Binsen-, Schilf-
und 2kasentorf, die in irgend einer Form in jedem postglacialen
Torfprofil inErscheinung treten! Jn den 3 schmächtigen Torf-
profilen 2keinerths von 10—30 cm Mächtigkeit sucht man jedoch vergebens
darnach.

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