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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0155

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Randes. Bei der Zusammensetzung des Kahnes war das Stück jedoch nirgends
unterzubringen.

Zu Kahn 3 gehören vermutlich zwei Stücke vom Heck. Das eine ist 1„7O m
lang, 16 cm breit mit flacher, schiefer Nut an dem einen Ende. Eine ähnliche
Äut trägt ein 1,80 m langes bis zu 37 cm breites Bordstück.

2lls Rest eines noch nicht ermittelten, vielleicht vollstänöig zerrissenen
Kahnes muh ein 4 Meter langes, 55 cm breites und 5—7 cm dickes Stück an-
gesehen werden, das vom Bagger in der Nähe des Kahnes 2 herausgerissen
wurde. Es handelt sich da offensichtlich um das Bodenstück eines Einbaumes.

Aach der Betrachtung der Dauweise unö der Einzelformen der Durmers-
heimer Einbäume wird man sich die Frage nach ihrer Derwendungsart vor-
legen. Es wird nachher zu beweisen sein, öah die Kähne auf dem ofsenen
Rhein gebraucht wurden. Dun aber ist nicht zu verstehen, wie diese älngetüme
gelenkt werden konnten. Man mühte schon annehmen, dah sie zum Treideln
am älfer entlang bestimmt waren. 2Iber die Dorrichtung am Kahn 1 läht eine
andere Vermutung zu. Zunächst wirö man annehmen dürsen, öah öie Kähne
mit dem Dug sehr hoch auf dem Wasser lggen. Iedenfalls muh das Loch im
Bug des Kahnes 1 über Wasser gestanden haben. Das Loch erklärt sich dem-
nach, wenn man annimmt, dah ein Seil hindurchführte. Llnd damit kommt man
zur Deutung des Kahnes 1 als Fähre. 2luch die in den Bordwänöen ange-
brachten Löcher müssen zur Anbringung von Rollen und Drehwalzen geöient
haben, auf denen das Fährseil lief. Einer ähnlichen Bestimmung könnten auch
die Löcher in Kahn 2 gedient haben, obwohl es sich da um schwächere Ziehseile
handeln muhte.

Es bleibt natürlich auch die Möglichkeit, dah verschiedene Kähne zu einer
gröheren Fähre zusammengekoppelt waren.

Zeitbestimmung: Äach Ausfindung des ersten Einbaumes ging durch die
Presse die Mitteilung, dah in dem Kahn eine Steinaxt gefunden worden sei.
Sofort angestellte und mit aller Energie betriebene Dachsorschungen ergaben
die Llnhaltbarkeit dieser Dachricht. Das Bürgermeisteramt Durmersheim stellte
einen solchen Fund aufs bestimmteste in 2lbrede; auch die am Bagger beschäs-
tigten Arbeiter, ebenso wie der Grabenmeister wuhten nichts von einem Stein-
beil. Herr B. Wild-Karlsruhe, der die Baggerarbeiten beaufsichtigt hatte,
schreibt: „2Iuf 2hre 2lnfrage über Begleitsunde muh ich Jhnen leider mit-
teilen, dah weder ich noch irgend ein 2Irbeiter etwas gefunden hat." Die eben
angeführten 2lussagen öer 2lugenzeugen erhalten besondere Glaubwüröigkeit
durch die Tatsache, dah bei den wissenschaftlichen älntersuchungen nicht die
geringste Spur vorgeschichtlicher, gar steinzeitlicher Kulturrückstände gefunden
wurde.

Bei öer älmfrage zur Ermittlung der Fundumstände des ersten Ein-
baumes wurde viel erzählt von Wagenladungen voll Eichenpfählen, die aus
dem Bachbett herausgebaggert wurden und zwei bis örei Meter ties in die
Erde eingerammt waren. Ebenso seien Eichenpfähle und Stämme guer über
diesen Pfahlrost gelegen. Der Rost soll besonders zwischen der Fund-
stelle und der etwa 300 m südlich davon gelegenen „Füllenweidbrücke" dicht
gewesen sein. 2lus meine diesbezügliche Anfrage teilt mir Herr Wilö mit:

„. wurden zwischen Füllenweid- und Bickesheimer Drücke eine Anzähl

eichener Psähle herausgezogen, welche 2—3 m lang waren. Wie ich feststellte,
gehörte ein groher Teil zu einem alten Wehr oder Rechen und standen paar-

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