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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0288

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wenngleich sich nur wenig vom Oberbau erhalten hat. Dagegen fanden sich ur
38 kein Fehlbrand, aber Scherben verschiedener Machart, darunter auch
Feinkeramik, wie sie kaum in Hochstetten hergestellt sein dürfte, wenig Hütten-
lehm, aber ein ganzer Mahlstein (und Eisenschlacke); auch ist der Dlock gröher
als bei 39 und 59. So dürfte hier die Deutung des Ausgräbers (Nah) auf
einen Backofen zutreffen. Mahlsteine (ein ganzer, wenn auch keine vollständige
Mühle) lassen sich am einfachsten in der Aähe eines Backofens erklären, ebenso
die Häusigkeit von Jrdenware, die zum Aufbewahren von Wasser, Milch be-
nötigt wird. Keinesfalls handelt es sich bei diesen Scherben einfach um Ab-
fall, sonst würöen sich auch Knochen, Eisengeräte usw. finden. Zwar liegen
Druchstücke von Mühlsteinen (wie bei 59) oder Eisenschlacken hie und öa zer-
streut in der ganzen Sieölung, andrerseits können Töpserösen doch auch we-
nigstens gelegentlich als Backöfen geöient haben, ja vielleicht sogar zur Eisen-
verarbeitung. Jch benütze öaher den allgemeinen Ausdruck „gewerbliche
Oefen". Das gemeinsame Prinzip ist, öaß an öer Gabelung der Zuleitungs-
kanäle in den Aingkanal gefeuert wurde, die Zuleitungskanäle von W und
O dienen der Windführung. Auf diese Weise wuröe der Dlock in öer Mitte
erhitzt; da reiner Kies, wie er ansteht, sehr bald zerbröckeln würöe, wuröe
der Dlock entweder ganz aus Lehm versertigt (38) oöer mit einer aus Lehm
und Kies bestehenden mörtelartigen Masse überzogen (39, 59); bei 6 bestand
der Dlock aus dem anstehenöen lehmigen Schlick. Jn allen Füllen sind Ober-
bauten über dem mittleren Teil aus lehmbeworfenen Reisig gesichert. Bei
38 wäre nach (teilweiser) Analogie neuzeitlicher öörslicher Dackösen zunächst
im Jnnern ein grohes Feuer gemacht worden — auch auf öer Obersläche öes
Dlocks —, hierauf wurde, als der Dlock genügend erhitzt war, öie Kohle her-
ausgekehrt oder (z. T.) in den Ringkanal hinein; dann wurde gebacken. Die im
Ringkanal verbleibende heihe Holzkohle hält die Wärme im Dackraum aus
gleichmähiger Höhe; vielleicht wurde sogar in den Zuleitungskanälen noch wei-
ter gefeuertDa die Oefen in den Boden eingegraben waren, so waren Dor-
richtungen zur Erzielung eines Durchzugs notwendig. Die Richtung aller drei
erhaltener Anlagen geht senkrecht zur Hauptwindrichtung (von SW bzw.
RO); es dürfte also mit Dlasebälgen Luft zugeführt worden sein unö zwar,
dafür spricht die Shmmetrie der Anlagen, gleichzeitig von beiden Seiten, öer
Rauchabzug ist daher in der Mitte des Oberbaues anzunehmen. Dieser kann
eine einfache Reisig-Lehm-Kuppel gewesen sein und stand (38) auf einer
Kies- bzw. Erdbrücke über dem Zuleitungskanal auf.

59 lag in der Äähe eines Brunnens, ebenso 6, beiöe also sicher im Freien;
auch bei 38 und 39 deutet nichts auf eine hausähnliche Lleberbauung, Pfosten-
löcher liehen sich nicht mit Sichevheit zuweisen.

Weitere Oefen und Feuerstellen.

2m oberen Teil der Drunnengrube 80 (32/20) war zeitweise ein
Ofen eingebaut. 2n der Mitte der Grube war zwischen 85 und 145 cm Tiese
aus 100 cm Länge (und wohl 70 cm Breite) die Einfüllung schwarz und völlig
mit Holzkohle durchsetzt, am stärksten zwischen 105 und 130 cm Tiese. Darin
lagen zwischen 90 und 110 cm gröhere Kiesel, die sich aber nicht zu einer Herö-
setzung zusammeitschlossen. 25—30 cm gegen die Rordwand zu, von dieser nur
10 cm entfernt, erhob sich eine Wand aus rot gebranntem und verfestigtem
Lehm mit wenigen, z. T. ungewöhnlich stark verwitterten Steinen. Diese Lehm-

ki Dergl. 2. Richter, Schlesiens Dorzeit, NF. 6, 1912, S. 35 ff.

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