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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0337

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Konservierungen im Gelände. Eine Ausgrabung mag noch so erfreuliche ge-
schichtliche und museale Ergebnisse erzielen, sie führt notwendigerweise zur
Zerstörung des Gegenstandes im Gelände. Jn manchen Fällen aber war es
möglich, dem abzuhelfen. Dom karolingischen Dorse Hermsheim wurde öer
gemauerte Brunnen wieder hochgeführt und eingefriedigt, nachdem die Stadt-
gemeinde Mannheim das Gelänöestück erwvrben hatte, so daß heute wieder
ein sichtbares Denkmal aus der Anfangszeit unserer Dörfer zu uns
spricht. Zn Ettlingen konnte Prof. Wulzinger einen Schacht für öie
Besichtigung der Mauerzüge unter der heutigen Kirche offen halten
und so sinnfällig veranschaulichen, aüf wie vielen Vorarbeiten öer
heutige Bau steht. Ein landschaftlich bedeutsames Gegenstück dazu liefert
Rheinfelden, auf dessen Gebiet der Grundriß des römischen Gebäudes am
Salzbrünnele (s. o. S. 210 ff.) und die mittelalterliche Fliehburg öank dem
EntgegeNkommen der Stadtverwaltung und den Bemühungen von F. Kuhn
fachmännisch gefestigt werden konnten; zusammen mit dem Drückenkopf von
Whhlen (s. o. S. 105 ff.) ist hier im Gelände eine für Daden einzigartige
Folge von Anschauungsmitteln an Ort und Stelle unter freiem Himmel ent-
standen. Funde gehören ins Museum, aber Denkmäler müssen bleiben, wo sie
entstanden sind. Mit besonderer Dankbarkeit sei darum auch berichtet, daß der
Freiherr von Schönau in Schwörstadt das Grundstück, auf dem der Hei-
denstein steht, dem badischen Staat geschenkt hat. Anders steht es freilich
mit alemannischen Steinkistengräbern, die im Acker liegen; hier ist eiüe Er->
haltung an Ort und Stelle unmöglich, daher wurden je eines in der Schule von
Biengen, Mengen und St. Georgen wieder aufgebaut. Diele, unendlich
viele Gräber freilich werden auch heute noch zerstört, ohne öaß Denkmalpflege,
Heimatgeschichte und Dolkserziehung irgend einen Gewinn davon HLtten. Dor
allem gehen auch viele Grabhügel, die im Ackerfeld liegen, durch Abpflügen
immer mehr ein und ihr Jnhalt wird, oft unbeabsichtigt und unbemerkt,
zerstört.

Ein Derzeichnis der Deröffentlichungen zur badischen älr- und Früh-
geschichte erscheint laufend jedes 2ahr im „Dachrichtenblatt für Deutsche Dor-
zeit". Das Schrifttum bis 1933 ist in dem von Geheimrat Deecke angefertigten
Derzeichnis aufgenommen.

Zum Schluß sei noch der Toten gedacht. Der Derlust, den die badische
Denkmalpflege durch das Hinscheiden von Geheimrat Wilhelm Deecke
erlitten hat, wird durch seine beiliegende letzte Arbeit wieder erinnert (Nach-
ruf S. 177—181); Karl Schumacher's Wirken ist ebenfalls schon (Seite
137/38) gedacht worden. Ferner ist Prof. Karl Heck gestorben, der im
ersten Band dieser Zeitschrift mehrfache Berichte gebracht hat (römische Rie-
derlassung älehlingen; Schmitzinger Tal bei Waldshut; bronzezeitlicher Fund
in Waldshut; römische Münzfunde). Er ist geboren im Zahre 1874 in Hand-
schuhsheim bei Heidelberg, stuöierte Theologie, wurde 1897 Priester und war
eine Zeitlang als Dikar an verschiedenen Orten tätig. Er entfchloß sich dann
seiner Deigung folgend, das Studium der Mathematik, Phhsik und Chemie, öie
immer seine Lieblingsfächer gewesen waren, fortzusetzen, machte das Staats-
examen in diesen Fächern und wurde dann an verschiedenen Ghmnasien und
Realschulen des Landes als Lehramtspraktikant angestellt, bis er in Radolfzell
zum Professor ernannt wurde. Als Professor wirkte er dann noch eine Zeit-
lang in Dillingen und Waldshut. Hier trat er 1923, durch Kränklichkeit ge-
zwungen, in den Ruhestand. Trotz seiner schwächlichen Gesundheit setzte er

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