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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0470

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ist, wurden aus der gleicheu Fundstelle noch Scherben, Henkel und Boden--
stücke mittelalterlicher Gefähe gehoben. Wichtiger sind aher zwei weitere
Scherben, die nicht leicht zu deuten sind. Zunächst handelt es sich um einen
kräftigen Scherben roher Technik, im Bruch rot-schwarz-rot. Der Ton ist star'k
mit zerstohenem Gestein durchsetzt, öas Gefäh aus der Hand gesormt. Die
Außenfläche trägt kammstrichartige Verzierung in verschiedenen, sich kreu-
zenden Lagen (Abb. 190, a). Der Scherben weist nur schwache Wölbung auf mit
leichtem äkmbruch nach innen, der aber keine bestimmte Schluhfolgerung aus
den Gesamtumrih zuläht. Man möchte das Stück nach Form, Technik unö Ver-
zierung am ehesten in öie Spät-Latene-Zeit setzen. Aehnliche Stücke scheinen
aus der Diereckschanze von Einsiedel vorzuliegen (Funöber. aus Schwa-
ben XIX Jahrg. 1911 Taf. V m). Es hanöelt sich hier wohl um die gleiche
Ware einheimischer, vielleicht germanischer Bevölkerung, die in Haltern und
Köln in Brandgräbern vorkommt (Mitt. d. Altertumskomm. Wests. II Tas. 38,
20; Laf. 35. 1 und IV. Taf. XX, 8. — Präh. Zeitschr. 1927 S. 256 Abb. 6
unö 7).

Aicht minöer interessant ist eine zweite Scherbe, ein Randstück mit stark
verdicktem Rand. Der Bruch ist durch und durch tiefschwarz. Die Hünenseite
zeigt Glättung mit schmalen sorgfältigen Spachtelstrichen. Das Gefäh war aus
freier Hand gefertigt. Aach Form, Technik und Material wird man öas Stück
ebenfalls am besten in die Spät-Latene-Zeit setzen.

Der Fundkomplex 8 wurde an der gleichen Stelle unö in der gleichen Art
gehoben wie der erste. Die Stücke müssen ursprünglich nahe beieinander ge-
legen haben, denn sie kamen im Füllmaterial einer Lore zum Dorschein. Es
handelt sich um ein Pflugsech (Abb. 191, a), einen Meihel (Abb. 191, ck), eine
abgebrochene Sense (Abb. 191, b). ein Messerchen (Abb. 191, c) und ein Stück
ganz unbekannter Verwendung (Abb. 191, e). Funde ähnlicher Art kennen wir
von verschiedenen Orten, so in Baden von Welmlingen (Wagner: Fund-
stätten I S. 161) und Osterüurken (Wagner II S. 437 Fig. 338). Weiter sind
zu vergleichen Iahresber. d. Deükmalpfl. in Hessen 1910—13, S. 80/81
Taf. 4. — Anz. f. Els. Alt. 1921 S. 1263. — 2ahrb. ö. Vern. Hist. Mus. in
Dern IX 1929 S. 18. — Fundber. aus Schwaben AF. IV 26—28 S. 89 Abb. 47
und XIX 1911 Taf. VIII. — Alt. h. Vorz. V Tas. 46 Ar. 825. Die Datierung
der genannten Funde ge>ht zumeist auf 3. und 4. Iahrh. Das merkwürdigste
Stück stellt Abb. 191, e dar. Sein praktischer Zweck ist nicht ersichtlich. Man
könnte es als öreifuhartiges Gestell deuten, das einen dünnen Stock trug.
Jeöoch zu welchem Zweck? Das viereckige Loch ist auf öer Oberseite weiter als
unten. Vielleicht ist es ein Halbsabrikat. Möglicherweise haben wir hier an
der Einmündung des Sandbaches in das alte Rheinhochgestade, öas zur Rö-
merzeit sicherlich noch als Rheinufer galt, eine Schmieöe anzunehmen. Diese
Vermutung wird noch nahegelegt öurch eine Anzahl von Eisenschlacken, die in
der älmgebung der Fundstelle zutage getreten sind.

DLe Wmerbrücke am Landbach <Amt Rastatt).

Don Karl Gutmann, Rastatt.

Die Sandbach-Büllot, aus öem Hornisgrindegebiet kommend, kennzeichnet
heute noch in ihrem Lauf durch die Ebene längs öes Gebirgsfußes öas alte
Vett des ehemaligen Kinzig-Murg-Flusses, öer parallel öem Rhein sloß. Auf
der Höhe von Sinsheim, Hosgut Tiefenau, biegt sie von der Aordrichtung
gegen Westen ab unö durchbricht den etwa 3 üm breiten Rücken zwischen öer
Senke des ehemaligen Kinzig-Murg-Flusses unö öem alten Rheinhochgestaöe
zwischen Hffezheim und Hügelsheim, öer vom Bannwald bedeckt ist (vergl.
Vad. Fundber. Bd. 1 Karte Abb. 105). Der Vach hat im Laufe öer Zeiten
verschiedene Regulierungen erfahren. Die letzte sand 1856 statt, wobei öas
Bachbett geradegelegt wurde. 2n den vergangenen Jahren waren nun wieder
verschiedene Arbeiten nötig. Hatten schon die Abgräbungen am Hochgestaöe

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