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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0035

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Siedlungen der Rössener Kultur im Hegau

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(Schwieberdingen, Bischheim, Bischoffingen (?), Aichbühl, Schweizer Kugelbecher) eine
breite und reiche Entwicklung nahm.
Das hat eine Reihe von relativ-chronologischen Folgen, vor allem, wenn wir das von
A. Stroh vorgeschlagene Schema44) unverändert übernehmen. Es ist hier nicht der Ort,
die Zusammenhänge eingehend zu untersuchen, doch seien ein paar Ansätze zum Ver-
ständnis gegeben.
Auf dem Goldberg wird Rössen und Schwieberdinger Gruppe von Michelsberg über-
lagert, in Aichbühl liegt etwas Schwieberdingen Ähnliches in Kontakt mit Kulturerschei-
nungen, die in Weier bei Thayngen als Michelsberg und Pfyn definiert werden. Altrössen
ist also an einzelnen Stellen bestimmt älter als Michelsberg, ebenso Schwieberdingen, das
andererseits noch mit jüngerem (?) Michelsberg Kontakt hat. Weier bei Thayngen als
Ganzes dürfte parallel der westschweizerischen Cortaillod-Kultur laufen, wie die Den-
drochronologie für Weier und Burgäschi-Süd belegt45); dabei muß offenbleiben, ob nicht
ein Teil der Cortaillod-Kultur älter als Michelsberg ist. Dies ist wahrscheinlich und kann
auch durch die Kontaktfunde zu Rössen erwiesen werden, auch wenn diese erst den
„Kugelbechergruppen“ zugewiesen wurden, die aus älterem Rössen entwickelt wurden;
denn Schwieberdingen ist ja auf dem Goldberg auch schon vor Michelsberg da. Freilich
bliebe offen, ob die Cortaillod-Kultur schon so früh beginnt wie das ältere Rössen.
An anderer Stelle46) bin ich dafür eingetreten, Rössen aus der Verbindung zum „donau-
ländischen Kreis“ zu lösen und eine stärkere Verbindung zur Abdruckkeramik des West-
mittelmeers zu suchen. Chronologisch könnte das so verstanden werden: Egolzwil 3, das
als ältestes der Cortaillod-Kultur erscheint47), ist mit Schichtpaket I in Arene-Candide
parallelisierbar48), zugleich enthält es einen mit Schwieberdingen vergleichbaren Kugel-
becher. Älteres Rössen sollte also gleichzeitig und älter Arene-Candide I sein und mit
Abdruckkeramik verbunden werden können, die noch nicht die in Richtung Chasseen
weisende unverzierte Keramik enthält. Wir kämen mit den Fußringgefäßen der älteren
Rössener Keramik dann etwa in den Horizont älterer Linearbandkeramik, für die Quitta
Entlehnung von Fußringen aus der Körös-Starcevo-Kultur annehmbar macht49).
Die südwestdeutsche Stichkeramik hat sich nach A. Stroh aus einer Sonderform der Älter-
Rössener (Kugelbecher-) Kultur entwickelt. Dies muß jedoch — wenn wir den typolo-
gischen Schluß übernehmen — geschehen sein zu einer Zeit, da Kontakt mit der Stich-
bandkeramik, mit Hinkelstein und über sie mit der Linearbandkeramik jüngster Prä-
gung50) noch möglich war. Die Belege für den Kontakt mit der Stichbandkeramik haben
wir im Ries erbringen können, mit den gleichen Elementen ließ er sich in der Hegau-
Gruppe nachweisen, desgleichen in Nordwürttemberg und an anderen Stellen. Auf den
Kontakt mit Hinkelstein hat schon A. Stroh verwiesen51), ich hoffe, ihn an anderer

44) A. Stroh a. a. O. 109, Abb. 22.
45) Germania 41, 1963, 1 ff. (B. Huber, W. Merz, H. Müller-Beck).
4ß) Theoria, Festschrift f. W. H. Schuchardt (1960) 199 ff. (E. Sangmeister).
47) Vgl. Anm. 31.
48) L. B. Brea, Gli scavi nella caverna delle Arene Candidie I (1946) 14 ff., Abb. 3; 4, 171 ff.
49) Prähist. Zeitschr. 38, 1960, 1 ff.; 153 ff. (H. Quitta).
50) Germania 19, 1935, 193 ff. (W. Buttler).
51) A. Stroh a. a. O. 101 f.
 
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