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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0089

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Ein Frühlatenegrab von Mauchen, Ldkrs. Waldshut

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Verzierung in hallstättischer Manier hängt; in bestimmten Abständen sind an beiden
Kettchen trapezoide Bronzeblechanhänger mit getriebener Kreis- bzw. Punktbuckel-
verzierung sowie Brillenspiralanhänger angebracht; dieses frühlatenezeitliche Fibel-
Ketten-Gehänge steht noch ganz in der für den Osthallstattkreis charakteristischen
Tradition, bestimmte Fibelformen mit reichem Gehängeschmuck aus Ketten und Klap-
perblechen zu versehen; auch an dem bereits unter b) auf geführten Fibel-Ketten-
Gehänge von Sümeg (Ungarn) ist diese Tradition noch spürbar: zwei Frühlatenefibeln
sind durch zwei parallellaufende Bronzedrahtkettchen verbunden; an beiden Fibeln
sind außerdem je zwei Kettchen mit trapezoiden Bronzeblechanhängern befestigt; das
lange Nachleben des im Osthallstattgebiete beliebten Klapperblechschmuckes wird an
einem Grabfund aus Damasd (Jugoslawien)38) deutlich: in eine Bronzedrahthalskette
aus offenen Ringgliedern sind mehrere trapezoide Bronzebleche der beschriebenen Art
eingehängt; die Form der beigegebenen Drehscheibenschale legt eine Datierung des
Grabfundes in die Mittellatenezeit nahe.
Auch aus südwestdeutschen Grabfunden der Frühlatenezeit sind Kettengehänge bekannt;
allerdings ist deren Verbindung mit Fibeln nicht mehr eindeutig nachweisbar. Hügel XI,
Grab 11, von Sinsheim39) enthielt z. B. eine größere Anzahl kleiner, dünner Bronzedraht-
ringchen, die ursprünglich sicher eine Kette gebildet hatten, und daneben einen künstlich
gelochten Jaspis, der vermutlich ehemals an dieser Kette als Anhänger befestigt gewesen
war. Aus Rappenau, Ldkrs. Sinsheim40), ist eine Bronzegliederkette bekannt, an deren
einem Ende eine Bronzezierscheibe hängt. Die ursprüngliche Form dieses Gehänges läßt
sich weder nach dem Erhaltungszustand noch nach dem Bericht des Ausgräbers genau
rekonstruieren. Eventuell gehörte auch eine durchlochte Bernsteinscheibe dazu. Ob der
Hängeschmuck ehemals an einer Fibel befestigt war, ist unklar; nach Wilhelmis Angabe
lag im Grab beim Kettchen ein völlig unkenntlich oxydierter Eisengegenstand (möglicher-
weise eine Fibel?). Im derzeitigen Zustand haftet am anderen Kettenende ein vollständig
verrostetes, unbestimmbares, eisernes Objekt.
Mit den angeführten Beispielen sind wohl kaum alle Verwendungsarten der feinen Ring-
gliederketten zur Frühlatenezeit erfaßt. Die mir aus der zugänglichen Literatur bekannt-
gewordenen Funde erlauben jedoch keine weitere Ausdeutung. Betrachtet man abschlie-
ßend noch einmal das Kettenfragment von Mauchen, so bieten sich die beiden erstgenann-
ten Möglichkeiten für seine ehemalige Tragweise an. Eine sichere Entscheidung für a) oder
b) ist nicht zu treffen. Da die außergewöhnlich zierlichen Kettenglieder jedoch kaum einer
größeren Belastung standhalten konnten, muß eine praktische Verwendung der Kette als
Gewandverschluß in Verbindung mit zwei Fibeln zumindest fraglich erscheinen. Wir
möchten sie deshalb eher als reinen Schmuckgegenstand ansprechen.
Die Zusammensetzung des Grabfundes von Mauchen ist chronologisch interessant, da er
Elemente der Phasen Viollier I a, b und c (bzw. der Stufen Reinecke Latene A und B) ent-
hält. Typische I a-Formen verkörpern drahtförmige Ringe mit ösenenden. Die Mauchener
Fußringe mit ösenenden sind im Guß erzeugt. Es ist zu erwägen, ob darin ein gewisser

38) Mitt. d. Anthr. Ges. Wien 64, 1934, 153 f. Taf. V, 1.
39) Wilhelmi a. a. O. 114 Taf. III, 16.
40) Wagner 2 (1911) 350 Abb. 286 a.

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