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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0121

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Ein Viergötterstein aus Sinsheim an der Elsenz (Nordbaden)

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Denkmäler geliefert hat. Höhe 0,99 bis 1,02 m; Breite und Tiefe je 0,62 m. Allseitig,
besonders an den Kanten, stark bestoßen und verscheuert. In die untere Hälfte der
Kante zwischen der Diana-Seite und der Apollon-Seite ist die oben erwähnte, maximal
0,19 X 0,16 m tiefe rechteckige Ausklinkung eingearbeitet, die nach oben zu abgerundet
ist und 0,62 m von der Unterkante entfernt ausläuft. Zahlreiche Mörtelfetzen von der
Vermauerung im 12. Jahrhundert haften allenthalben am Stein, auch an den abgestoßenen
Stellen und innerhalb der Ausklinkung. — Auf der Oberseite in der Mitte ein rechteckiges
Dübelloch, 0,05 X 0,10 m groß und 0,08 m tief, mit den Schmalseiten nach den Seiten-
flächen des Steins schauend. Offenbar diente das Dübelloch zur Befestigung der Säule, die
auf dem Viergötterstein stehend anzunehmen ist. — Die Figuren stehen in flachen Nischen
auf je einem roh gespitzten 0,12 bis 0,14 m hohen Sockel. Höhe der Seitenfiguren 0,80 m;
Höhe der Hauptgruppe 0,65 m; Höhe der Inschriftenfläche 0,25 m; Höhe der Nischen-
rahmung oberhalb der Seitenfiguren knapp 0,10 m.
Dreiergruppe der Vorderseite (Taf. 65,1): Geringe Bestoßungen, besonders
an den Gesichtern; moderne absichtliche Beschädigung an den Brüsten und der Scham der
Venus. — Rechts Mars, nackt, mit Lockenfrisur und offenbar einem kappenartigen Helm,
dessen Vorderkante als Grenzlinie im Haar noch kenntlich ist. Standbein links; mit dem
rechten Spielbein tritt er dem neben ihm stehenden Knaben auf den Fuß. In der erhobenen
linken Fland hält er die Lanze, die rechte Hand greift hinter dem Schild herüber zu Venus.
Ein zusammengelegter Mantel hängt mit je einem Ende über den Schultern nach vorne.
Das wulstige Ende über der rechten Schulter läuft in einen Absatz und darunter in eine
Schlinge aus, die nicht recht erklärlich ist. An den rechten Ellenbogen ist nicht zu denken
und vollends nicht (wie gelegentlich mündlich vorgeschlagen wurde) an ein Schwert in
der Hand des Gottes. Hinter der Figur ist der Mantel offenbar ausgebreitet (nur am
Original kenntlich) und reicht hinter der Lanze bis auf die Randleiste, eine Anordnung,
die im Verein mit derjenigen des gefalteten und über den Schultern hängenden Mantels
sinnlos ist und zeigt, wie wenig der Steinmetz seine Vorlage verstanden hat. — Neben
Mars ein nackter Knabe, Amor oder ein Genius, ohne Flügel. Standbein rechts. Mit beiden
erhobenen Armen hält er einen ovalen Schild über seinem Kopf. — Neben dem Knaben
auf der linken Bildseite Venus, nackt, kontrapostisch zu Mars mit rechtem Standbein,
linkem Spielbein. Kopf nach links gewandt, Haar über der Stirn hochfrisiert, dann nach
hinten genommen und offenbar in einem Knoten gefaßt zu denken. Der linke Arm greift,
entsprechend dem rechten des Mars, hinter den Schild, die rechte Hand weist mit über-
langem Zeigefinger auf den Schild; offensichtlich ist das häufige Motiv der Victoria-Venus,
die mit dem Stilus einen Sieg auf den Schild schreibt, von dem Steinmetzen mißverstanden
worden. Ein Mantel legt sich, von hinten kommend, über das linke Bein und staut sich auf
dem linken Fuß; der Mantelsaum ist zwischen den Beinen und rechts des linken Beines
(rechts vom Beschauer aus gesehen) deutlich zu erkennen.
Über der Gruppe steht auf dem entsprechend breit gehaltenen Rand der Nische, ohne
besondere Einfassung, die zweizeilige Inschrift, die unten behandelt wird.
Linke Seite (links von Venus) (Taf. 65, 2): Vulcanus, stehend von vorne, mit dem
Pileus auf dem gelockten Haar und mit Vollbart, bekleidet mit einer Exomis, die die
rechte Schulter frei läßt. Die Exomis bildet am oberen Rand einen Wulst und darunter
einen grob gefältelten Überfall bis in Hüfthöhe. Ein Wulst am linken Unterschenkel läßt
 
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