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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0122

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114

Rolf Nierhaas

Wadenstiefel erkennen. In der linken Hand hält er die Schmiedezange nach oben, an den
Oberarm gelehnt, in der gesenkten rechten Hand einen Hammerstiel. Der Hammer (auf
der Photographie kaum kenntlich) steht auf einem Ambos auf; dieser wird dadurch wie-
dergegeben, daß der Nischenrahmen unter dem Hammer etwas nach der Figur zu vor-
springt und dadurch einen Sockel für den Hammer bildet.
Rechte Seite (rechts von Mars) (Taf. 65, 3): Diana, stehend von vorne. Gesicht
völlig abgeschlagen, der halbe linke Unterarm mit Hand und Attribut ist der oben be-
schriebenen Ausklinkung zum Opfer gefallen. Bauchpartie abgepickt, auch sonst starke
Bestoßungen. Das schlecht kenntliche Kostüm ist sichtlich der von E. Krüger') behandelte
kurze Chiton der einheimischen Diana mit dem schürzenartigen Brustlatz, der die Brust-
warzen entblößt läßt und in der Mitte ein Medaillon trägt. Dieses sowie die Längsfalten
des Chitons zwischen den Beinen noch kenntlich, ebenso die Randwülste der Wadenstiefel.
Die erhobene rechte Hand zieht einen Pfeil aus dem Köcher auf dem Rücken, die ab-
gespreizte linke Hand muß den Bogen gehalten haben.
Rückseite (Taf. 65, 4): Apollon, nackt, stehend von vorne, Standbein rechts. Kopf
stark bestoßen, die langen Schulterlocken noch kenntlich. Ein Mantel fällt, vom Rücken
kommend, von der linken Schulter herab. Der Mantelsaum führt längs der linken Rumpf-
hälfte nach unten, folgt der linken Leiste und fällt zwischen den Beinen zu Boden, so daß
das ganze linke Bein vom Mantel bedeckt ist. Die rechte Hand vor dem Leib ist stark
verscheuert; sie hielt wohl ein Plektron. Die linke Hand stützt sich auf eine Leier, die
ihrerseits auf einem niederen Sockel steht.
Die Inschrift auf der Vorderseite über der Dreiergruppe
(Taf. 66)7 8): Die durchschnittlich 0,06 m hohen Buchstaben sind in zwei Zeilen auffallend
locker über das 0,25 m hohe Feld verteilt. Links Bruch mit Platz für je zwei Buchstaben
(nicht mehr); rechts sekundäre, wohl mittelalterliche Pickung, die je einen Buchstaben
zerstört haben dürfte. — Ligatur von A und N in der ersten Zeile.
Zu lesen ist wohl:
[vi] cani Saliob [r?]
[ig?]enses v(otum) [s(olverunt)]
Zeile 1: vi] ergänzte schon P. H. Stemmermann (jetzt Ettlingen) kurz nach der Auffin-
dung des Steins und bestätigte ihm K. Stade (damals Frankfurt a. M.; jetzt Münster i. W.)
mit Brief vom 28. 1. 1936 (bei den Fundakten).
Dagegen übersahen beide, daß in Zeile 2 gleichfalls links zwei Buchstaben ergänzt werden
müssen, desgleichen in Zeile 1 rechts ein Buchstabe über dem in Zeile 2 zwangsläufig zu
ergänzenden [s(olverunt)], und lasen den Ortsnamen Saliobenses. In dieser Form, aber
mit einem durch nichts gerechtfertigten p statt des b geschrieben, gelangte der Ortsname
in die in Anm. 1 genannten Arbeiten Goeßlers und Parets. Nachdem mich H. v. Petrikovits
(Bonn) gelegentlich mündlich darauf aufmerksam gemacht hatte, daß der Ortsname um die
drei vorhin genannten zu ergänzenden Buchstaben (einer am Ende von Zeile 1, zwei am

7) E. Krüger, Germania 1, 1917, 4 ff.
8) Frau Dr. U. Schillinge!- hatte die Freundlichkeit, meine Lesung vor dem Stein nochmals zu
überprüfen und einige Ungenauigkeiten zu verbessern, wofür ihr auch an dieser Stelle herz-
lichst gedankt sei.
 
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