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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0141

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Römische Straßenverbindungen durch den Schwarzwald

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Einzelmünzen können zu allen Zeiten und überall verlorengehen und beweisen wenig oder
nichts.
Auch bei scharfer Fundkritik und bei Vernachlässigung aller Objekte ohne entsprechenden
Zeugniswert verbleiben dennoch genug Fundpunkte und Funde, die, wenn nicht ein jeder
für sich allein, so doch in ihrer Gesamtheit die oben in Abschnitt I (S. 122 f.) auf-
gestellte Behauptung erhärten, daß die römische Zeitstellung der Kinzigtalstraße, auch
wenn es den Offenburger Meilenstein nicht gäbe, allein aufgrund des Vorhandenseins
eben jener Fundpunkte und Funde längst hätte bewiesen werden können.
*
Einer ganz anderen Situation stehen wir gegenüber, wenn wir die sonstigen, von der
älteren Literatur aus dem einen oder anderen Grunde als römisch in Anspruch genomme-
nen ,alten' Querverbindungen durch den Schwarzwald auf ihr Alter hin überprüfen.
Nicht eine einzige dieser sonstigen ,alten' Straßen wird, im Gegensatz zur Kinzigtal-
straße, von einwandfrei bezeugten römerzeitlichen Fundpunkten und Funden begleitet.
Die Argumentation der älteren Literatur wechselt daher denn auch stark, und jeder Fall
muß für sich besonders betrachtet werden. Wir behandeln die einzelnen Strecken in der
Reihenfolge von Süden nach Norden.
2. Eine römerzeitliche West-Ost-Verbindung von der Freiburger
Bucht nach Kastell Brigobanne (Hüfingen, Ldkrs. Donaueschingen) ist von der
älteren Literatur vielfach angenommen und ebenso häufig bestritten worden. In den
zwanziger und dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts war — um ältere Theorien auf sich
beruhen zu lassen — der Hauptverfechter der These vom römischen Alter sowohl der
Höllentalstraße als auch der ,alten' Straßenzüge nördlich des Höllentals Fr. Hertlein,
unterstützt von K. Schumacher und — allerdings mit zum Teil schwerwiegenden Vor-
behalten — von P. Revellio und W. Schleiermacher. Gegen das römische Alter der Strecke
haben sich bald nach Erscheinen der ersten diesbezüglichen Äußerungen Hertleins mit
großer Energie G. Kraft und F. Stähelin ausgesprochen15).
Hertlein operierte hauptsächlich mit zwei Argumenten: einmal mit einer wenig klaren
Stelle in der Naturalis Historia des Plinius d. Ä. (gest. 79 n. Chr. anläßlich des Vesuv-
ausbruchs, der Pompeji vernichtete), zum anderen damit, daß nach einer urkundlichen
Erwähnung des Jahres 1379 von alters her ein Fahrweg durchs Höllental führte, hierfür
aber Sprengungen beim Hirschsprung erforderlich waren, die das Mittelalter nicht habe
15) Da die ältere Literatur, nicht zuletzt aus Raumgründen, hier im einzelnen nicht weiter disku-
tiert werden kann, begnüge ich mich mit den wichtigsten Nachweisen, die gleich hier, nicht im
Literaturverzeichnis, gegeben seien: Fr. Hertlein, in: Germania 10,1926,126 f., besonders 127,
Anm. 3 (Nachtrag, mit mündlicher Unterstützung K. Schumachers); kürzer derselbe, in: Die
Römer in Württemberg I, 1928, 10 f.; II, 1930, 197. K. Schumacher, Siedlungs- und Kultur-
geschichte der Rheinlande III, 1925, 136 f. P. Revellio, in: Bad. Fundber. 2, 1929—1932, 255
(ablehnend gegenüber Hertleins Gedanken an eine Kunst Straße); derselbe, in: Der Ober-
germanisch-Raetische Limes des Römerreiches B, Band V, 2, Nr. 62 a: Kastell Hüfingen, 1937,
4 f., wo er mit einem in römischer Zeit benutzten und vielleicht stellenweise durch die Römer
ausgebauten Weg durch den Schwarzwald rechnet. Ähnlich Schleiermacher 1934, 25. Dagegen:
G. Kraft, in: Z. d. Freiburger Geschichtsv. 41, 1928, 6 f., besonders 7, Anm. 1; derselbe kürzer,
in: Badische Heimat 16, 1929 (Jahresheft: Freiburg und der Breisgau), 31, Anm. 1. F. Stähelin,
Die Schweiz in römischer Zeit, 2. Aufl. 1931, 27 f., Anm. 4; 3. Aufl. 1948, 31 f., Anm. 1.
 
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