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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0144

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Rolf Nierhaus

zwischen Freiburg und Neustadt—Donaueschingen klammern. Kennzeichnend für diese
Thesen ist, daß die vorhin (unter b) angestellte Überlegung, daß eine Straße von einem
etwaigen Kastell Riegel nach Kastell Hüfingen sinnvollerweise nicht habe durch das
Höllental führen können, wenn ich recht sehe, bisher von niemand vorgebracht worden
ist. Nun sind aber Freiburg wie Villingen — von Neustadt und Donaueschingen ganz zu
schweigen — hochmittelalterliche Stadtgründungen, die keinerlei römerzeit-
liche Vorläufer haben. Die zwischen diesen Städten verlaufenden Straßen, d. h. eben die
hier zur Erörterung stehenden ,alten' Wege durch das Höllental selbst wie über die Höhen
nördlich davon, können demnach erst mittelalterlich sein; vgl. oben Ab-
schnitt I, Nr. 2. Ihre Anlage ist einzig der Erschließung des Schwarzwalds durch die Her-
zoge von Zähringen und ihre Nachfolger zu verdanken, nicht Rom.
Abschließend sei bemerkt, daß O. Paret (1961) auf seiner Karte II „Die Besiedelung Süd-
westdeutschlands in römischer Zeit“ unter den Römerstraßen die gerade erörterte Route
nicht eingetragen hat.
3. Eine im ganzen etwas weiter nördlich verlaufende Variante zur
Strecke Nr.2 hat P. Revellio vor einigen Jahren zur Diskussion gestellt, und zwar
aufgrund des einzigen einwandfrei überlieferten römischen Fundes aus dem Innern des
Schwarzwalds (von den Funden längs der Kinzigtalstraße abgesehen), des kleinen Münz-
schatzes aus der Zeit um 270 n. Chr. von Furtwangen im Bregtal (Ldkrs. Donaueschingen)
(Revellio 1957, 124 ff.). Danach wäre in römischer Zeit eine Verbindung aus der Hüfinger
Gegend nach dem Breisgau durch das Bregtal bis Furtwangen und von dort im Zuge mittel-
alterlicher Steigen in eines der Zubringertälchen des Simonswäldertals und weiter ins Elz-
tal und in den Breisgau verlaufen. Ein anderer Strang desselben Wegs soll anscheinend
(Revellio a. a. O. drückt sich hierüber nicht klar aus), wie Einzelfunde römischer Münzen
in Schönwald (Ldkrs. Villingen) dartun sollen, aus der Villinger Gegend das Brigachtal auf-
wärts über Schönwald und weiterhin vereinigt mit dem Strang aus dem Bregtal insSimons-
wälder- und Elztal und in den Breisgau geführt haben.
Für eine römerzeitliche Datierung dieser Verbindung zwischen dem Breisgau und der
Baar spricht der äußere Schein in Form der Münzfunde von Furtwangen und Schönwald;
außerdem könnte man in diesem Zusammenhang noch den 1938 erstmals bekanntgegebe-
nen gallo-römischen Reliefstein von der Brigachquelle heranziehen, dessen Fundstelle
ziemlich genau an dem vermuteten Wegstrang durch das Brigachtal liegen würde.
Doch bei genauerer Überprüfung verblaßt der Zeugniswert dieser drei Funde und Fund-
komplexe schnell, soweit sie etwas über das Bestehen einer römerzeitlichen Verbindung
aus der Baar in den Breisgau aussagen sollen. Um mit dem gallo-römischen Reliefstein
vom Hirzbauernhof an der Brigachquelle (Gemeinde Reichenbach, Ldkrs. Wolfach) zu
beginnen, so hat Revellio selbst (1957, 125) ihn „nur der Vollständigkeit halber“ aufge-
führt und hält von seinem Zeugniswert für einen römerzeitlichen Weg durch den Schwarz-
wald anscheinend 1957 ebensowenig wie in seinem Beitrag zur Erstveröffentlichung des
Steins von 1938. Denn in dieser (Krüger u. Revellio 1938, 66 und 72 f.) hat Revellio in
gründlicher und unwiderlegbarer Weise gegen Krügers (a. a. O. 71) etwas weitschweifende
Vermutungen über ein gallo-römisches Quellheiligtum an der Brigachquelle dargetan, daß
der Stein in nachrömischer Zeit aus dem Altsiedelland an seinen modernen Fundort an der
Brigachquelle verschleppt worden sein muß, und Focke (1956, 125 f.) hat sich ihm voll-
 
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