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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0209

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Untersuchungen an einem Bleirohr der römischen Kuranlage zu Badenweiler, Ldkrs. Müllheim

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die Nahtoberfläche stoßen. In dem in Taf. 81,1 gezeigten Schnitte ist diese Gefügeausbil-
dung nicht bemerkbar; hier steht aber auch das Blei der Längsnaht nicht in unmittelbarem
Kontakt mit dem des Rohrmantels. Zwischen beiden klaffen breite Lücken, die mit
Korrosionsprodukten ausgefüllt sind. Diese brachen bei der Schliffherstellung leicht aus
und verhinderten so die Herstellung einer einwandfreien Schlifffläche. Demzufolge kön-
nen in diesem Falle aus der Gefügeausbildung keine sicheren Aussagen gewonnen werden.
Dennoch ist erkennbar, daß Rohrmantel und Querwulst anscheinend stetig ineinander
übergehen. Taf. 81,2 stellt diesen Übergang an einer Stelle in größerer Entfernung von
der Längsnaht dar. Die Querwulst weist wie der Rohrmantel grobe Kristallite auf, die
teilweise senkrecht auf den Seitenflächen stehen und von diesen aus schräg nach unten
(zum Rohrmantel hin) verlaufen, wo sie auf parallel zu den Kristalliten des Rohrmantels
verlaufende Kristallite stoßen. Im oberen Teil der Querwulst ist das Gefüge feinkörnig —
wohl die Folge einer Kaltverformung bei früheren Arbeiten.
Das Mikrogefüge ist in allen Fällen nahezu homogen; stellenweise liegen kleinere Ein-
schlüsse oxidischr Natur vor (Taf. 82,1).
5. Korrosion
Taf. 82,2 zeigt eine Stelle aus der Außenwand des Rohrmantels mit „Lochfraß“, d. h.
einem lokal begrenzten, in die Tiefe gehenden Korrosionsangriff. Dieser Lochfraß, der
den gleichmäßigen Oberflächenangriff überwiegt, hat in den untersuchten Teilstücken
jedoch niemals zum Durchbruch der Rohrwand geführt. Die auf der Innenwand erschei-
nenden Risse (vgl. 78,3; 79,2) sind bis in die Tiefe mit Korrosionsprodukten belegt; sie
sind also keinesfalls jüngeren Datums. Möglicherweise handelt es sich bei den Rissen um
Frostschäden oder um Zerstörungen bei Spannungen, deren Ursache in den unterschied-
lichen thermischen Ausdehnungskoeffizienten von Metall und Korrosionsprodukt liegt.
Die gleichmäßig auf den Oberflächen gebildeten Korrosionsprodukte wurden vorsichtig
abgetragen und getrennt davon die Produkte des Lochfraßes gesammelt. Dieses pulver-
förmige, nur vereinzelt gröberkristalline, salzartige Material wurde röntgenographisch
nach dem Debye-Scherrer-Verfahren untersucht. Die linienreichen Diagramme lassen sich
nicht vollständig analysieren. Die stärkeren Linien, neben denen hin und wieder u. a.
schwache, vom Bleigitter herrührende Interferenzen vorliegen, können folgenden Blei-
verbindungen zugeordnet werden:
Rohrmantel-Innenwand: Hauptprodukt für das tetragonale Bleioxid (PbO) mit schwä-
cheren Anteilen von Bleikarbonat und basischem Bleikarbonat PbCO3 bzw.
Pb(OH)2 • 2PbCO3).
Rohrmantel-Außenwand: Nahezu ausschließlich PbO.
Lochfraß:
Querwulst und Rohrmantel: Stark überwiegend Pb(OH)2 • 2PbCO3 neben geringen An-
teilen an PbCO3. PbO tritt praktisch nicht auf.
Längsnaht: etwa zu gleichen Teilen Pb(OH)2 • 2PbCO3 und eine andere Kristallart, deren
Identifizierung bisher nicht gelungen ist.
 
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