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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0223

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Alexander Ecker und der urgesdiiditlidie Mensch

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Kalotten (Hinkelstein) und ein Kranium ohne Mittelgesicht (Oberingelheim) typogno-
stisch zu fassen. Die beiden Hirnschalen rechnete er zum Reihengräbertypus, was wahr-
scheinlich auch heute noch mancher Anthropologe kommentarlos unterschreiben würde;
bezeichnend aber für Ecker war das Bekenntnis seines Unbehagens, welches ihm die
damals gültige Gleichung Reihengräbertypus = Germanisch im Zusammenhänge mit
dem „Steinvolke“ bereitete. Noch mehr bedrängte ihn die Deutung des Ingelheimers
mit seiner rautenförmigen, nach dem Längen-Breiten-Index mit dem Wert 81,9 brachy-
kranen Oberansichtsgestaltung. Wie leicht wäre es für Ecker gewesen, es den meisten
seiner Kollegen nachzumachen und großzügig einen Urfinnen- oder Urlappen-Typus,
die dermaleinst Alteuropa bevölkert haben sollten, zu beanspruchen. Er tat jedoch etwas
anderes, etwas im Grunde so Selbstverständliches, aber doch so Seltenes: er stellte die
typognostische Ungereimtheit dar und ließ die Zuteilung offen — so ruhig, als gäbe
es gar keine Autoreneitelkeit.
In § 6 des Protokolls der Frankfurter Gründungsversammlung (später im Wortlaut von
Ecker publiziert, 1879) steht vermerkt, Wilhelm His habe die Gründung einer „Deut-
schen anthropologischen Gesellschaft“ vorgeschlagen und zudem angeregt, ihr das Archiv
zu übertragen. Die Erörterung einer solchen Gesellschaft stand schon im Programm der
„Göttinger Zusammenkunft“ (1861). In Frankfurt wurden aufgrund damals diskutabler
Bedenken sowohl die Gründung als auch eine Fusionierung des Archivs mit der Gesell-
schaft zurückgestellt; immerhin sollten wir uns merken, daß der neuerliche Vorschlag
vom Schweizer His ausgesprochen wurde.
Am 23. September 1869 hielt Carl Vogt in der Sektion für Anthropologie und Ethno-
logie bei der 43. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Innsbruck eine
Rede (F. R. Seligmann 1870), in welcher er eindringlich für die fällige Gründung einer
„allgemeinen deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte“
warb; ihm ist damit der letzte Anstoß zu verdanken, daß sogleich ein Gründungsaus-
schuß gebildet wurde, der schließlich am 1. April 1870 in Mainz diese Gesellschaft kon-
stituierte. Zum Vorsitzenden wurde Rudolf Virchow gewählt, dessen eminente organi-
satorische Fähigkeit bereits im Jahre zuvor (1869) zur Gründung einer „Berliner Gesell-
schaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte“ geführt hatte, seine Stellver-
treter wurden Ecker und Schaaffhausen. Neben Virchows „mächtiger Persönlichkeit“
(Erwin H. Ackerknecht 1957) stand also der stillere, aber um nichts weniger bewirkende
Ecker im ersten Triumvirat der „Deutschen anthropologischen Gesellschaft“ (so die
satzungsgemäße Kurzform der Bezeichnung); es bezeugt die Bescheidenheit Eckers, daß
er diese auszeichnende Position nicht einmal in seinen Lebenserinnerungen (1886) er-
wähnte; nur daß er sogleich 80 Mitglieder als Zeugen seiner Werbung für die Gesellschaft
mitbringen konnte, galt ihm als nennenswert. Im gleichen Gründungsakt wurde das
„Archiv für Anthropologie“ zum Organ der Gesellschaft bestimmt, das somit vom
4. Bande an die Zusatzbezeichnung „Organ der deutschen Gesellschaft für Anthropo-
logie, Ethnologie und Urgeschichte“ trug. Daneben begann das „Correspondenz-Blatt“
der Gesellschaft zu erscheinen, in welchem fürderhin Ecker immer wieder zu Worte kam,
so bereits im 6. und 7. Heft (Oktober und November 1870) mit einem programma-
tischen Vortrag, den er am 14. Mai 1870 — also nur anderthalb Monate nach der Grün-
dung der Gesellschaft — in Karlsruhe gehalten hatte: „Die Zwecke der Deutschen Gesell-
schaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte“. Ich möchte den Tenor hervor-
 
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