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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0291

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283

Vorausgeschickt wird zunächst eine Einführung in die landschaftliche Gliederung des Unter-
suchungsgebietes. Hier wäre es von Nutzen gewesen, der zum Verständnis des Siedlungsablaufs
wichtigen morphologischen Beschreibung neben der bodenkundlichen auch eine geophysikalische
Karte beizugeben, zumal die Fundstellen- und Ortsnamenkartierung (Beilage I) außer den wich-
tigsten Flüssen keinerlei Landschaftsgliederung enthält. So bleibt es etwas mühsam, in diesem
sehr stark gegliederten Raum den Zusammenhang von natürlichen Voraussetzungen und histo-
rischem Siedlungsbild zu erfassen. Die beigefügten Meßtischblattauszüge und Landschaftsauf-
nahmen — für die Topographie einzelner Fundstellen von großem Nutzen — bieten dafür
keinen ausreichenden Ersatz.
Im folgenden Abschnitt gibt der Verfasser eine zusammenfassende Schilderung der sehr kompli-
zierten und in manchen Zügen auch noch ungeklärten Geschichte der Landnahme und Seßhaft-
werdung germanischer Stämme, von denen Alamannen, Juthungen und Burgunder, später
Franken, Thüringer (sogenannte südthüringische Gruppe) und schließlich Bajuwaren namentlich
überliefert sind. Dieser vielgestaltige geschichtliche Hintergrund, der „bei einer Betrachtung
der sächlichen Hinterlassenschaft... nicht aus den Augen verloren werden darf“ (S. 10), erschwert
naturgemäß eine klare Interpretation der Bodenfunde, bildet aber zugleich, da er formenkund-
liche Vergleiche unter dem Aspekt der Stammeszuweisung erlaubt, ein methodisch sehr wert-
volles Korrektiv. Für das 3.—5. Jahrhundert erweist sich dabei erneut, daß der ohnedies wenig
umfangreiche Fundstoff bei kritischer Betrachtung keine Handhabe für ethnische Gliederungs-
versuche bietet, eine auch für die archäologische Grenzziehung zwischen Alamannen und Bur-
gundern im Oberrheintal (Lampertheim!) wesentliche Feststellung. Weiter ist für die spätkaiser-
zeitlichen Verhältnisse Südwestdeutschlands von Bedeutung, daß die südlich des Limesverlaufs
am Ostrand des Donaurieses gelegene „gelbe Bürg“ wenigstens aufgrund ihrer geographischen
Situation als „alamannischer Stützpunkt“ angesprochen wird, vergleichbar den aus Württemberg
bekannten „Höhenburgen“ Runder Berg bei Urach und Lochenstein bei Balingen (bisher nur
Kleinfunde). Entsprechende Anlagen, die gerade im Vorfeld der stark befestigten spätrömischen
Reichsgrenze von erheblicher militärischer Bedeutung waren, sind ohne Zweifel auch für das
westliche alamannische Gebiet vorauszusetzen, hier aber — wohl meist wegen starker mittel-
alterlicher Überbauung (Hohentwiel?) — noch nicht nachgewiesen. Eine Wallanlage in der Nähe
Freiburgs, die sogenannte Feimlisburg (Gern. Kirchhofen), hat bisher nur einen Einzelfund des
siebten Jahrhunderts geliefert, läßt sich also nicht mit Sicherheit in diesen Zusammenhang ein-
ordnen.
Der großen Zahl spätkaiserlichen Funde von der gelben Bürg (in erster Linie Perlen, Fibeln,
Halsringe, Kerbschnittbronzen und Beinkämme) steht nur ein relativ geringfügiges Material aus
Gräbern gegenüber. Wie in den übrigen „alamannisch besetzten“ Teilen Süddeutschlands läßt
sich auch hier Ausdehnung und Dichte der Besiedlung noch nicht erfassen, ebensowenig eine
ungefähre Vorstellung über die Anzahl der germanischen Neusiedler oder ihr Verhältnis zu den
im Lande gebliebenen „provinzialen“ Bevölkerungsteilen gewinnen, die sich ja ebenfalls dem
archäologischen Nachweis entziehen.
Erheblich umfangreicher, wenn auch „dürftig, gemessen an den Materialien des fränkischen
Westens und der gleichzeitigen alamannischen Friedhöfe Süddeutschlands“, ist der Fundstoff der
merowingischen Reihengräberfelder. Sie beginnen vereinzelt schon in der zweiten Hälfte des
fünften Jahrhunderts (Gnotzheim, Breitenfurt, wohl auch Kipfenberg), gehören in ihrer Mehr-
heit aber ins sechste und vor allem siebte Jahrhundert. Wenn auch diese Verhältnisse grundsätz-
lich der Fundverteilung besser erforschter Gegenden Süddeutschlands vergleichbar sind, macht
sich doch das Fehlen vollständig ergrabener großer Friedhöfe gerade für die Kenntnis der Früh-
phase — und damit die Herausstellung der primären Siedlungsräume — nachteilig bemerkbar.
Noch stärker behindert der unzureichende Forschungszustand die Erarbeitung einer regional
begründeten Chronologie, wie sie vor allem für das abschließend entworfene Bild des Besied-
lungsablaufs erwünscht wäre. Der Verfasser sah sich daher gezwungen, seine chronologischen
Maßstäbe aus anderen Gebieten auf Mittelfranken zu übertragen, was naturgemäß eine allzu
scharfe Differenzierung des Fundstoffs verbietet. Doch blieb beim Mangel an auswertbaren
Plänen oder einer entsprechenden Zahl münzdatierter Gräber keine andere Möglichkeit. Wenn
dabei nach dem augenblicklichen Stand unserer chronologischen Vorstellung manche Funde etwas
zu spät angesetzt erscheinen (etwa Westheim Grab 5, Hellmitzheim Grab 10 und 17 oder die
 
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