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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0293

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285

Dagegen erscheint es methodisch nicht ganz unbedenklich, daß als Grundlage der vergleichenden
Ortsnamenkartierungen die heutigen Namensformen gewählt wurden. Das bedeutet nicht nur
völligen Verzicht auf die zahlreichen, in Urkunden oder Flurnamen überlieferten Wüstungen, die
das Bild oft sehr stark verschieben oder doch modifizieren können (häufig sind auf einer heu-
tigen Gemarkung mehrere, unterschiedlichen Namensgruppen zugehörige Altsiedlungen bekannt),
sondern meist auch die Ausklammerung der in ihrer Schreibweise unkenntlich gewordenen oder
überhaupt im Namen veränderten Siedlungen. Der Verfasser weist in diesem Zusammenhang
auf Orte wie Kipfenberg, Nassenfels, Weißenburg oder Altdorf, bei denen zugehörige Reihen-
gräber bekannt sind.
Wie schon erwähnt, wirkt sich hier das Fehlen orts- und flurnamenkundlicher, d. h. in erster
Linie archivalischer Vorarbeiten aus, die selbstverständlich nicht von archäologischer Seite nach-
geholt werden können.
Gerade für die Einzelfragen der Siedlungsgeschichte: Zugehörigkeit der Gräberfelder zu abgegan-
genen oder heute noch bestehenden Orten, Festlegung des ursprünglichen Ortskerns, Änderungen
der Gemarkungsgrenzen oder die Probleme des kleinräumigen Landausbaus, sind diese Voraus-
setzungen unentbehrlich. Allerdings muß für eine fruchtbare Synthese aller einschlägigen
Quellengattungen auch die archäologische Erforschung weiter vorangetrieben sein, als dies für
Mittelfranken bis heute der Fall ist. So sind etwa bei den immerhin sehr zahlreichen Siedlungen
des sogenannten ersten Landausbaus (-hausen, -hofen, -stettfen]) mit Ausnahme von Gollhofen
(Ldkrs. Uffenheim) und Wolkertshofen (Ldkrs. Eichstätt) nirgends zugehörige Bestattungsplätze
bekanntgeworden.
Dafür zeichnet sich dann die „Rodungsphase“, d. h. die Besiedlung der auf Keuperböden liegen-
den Waldgebiete, in seltener Deutlichkeit ab. Hier konzentrieren sich nicht nur späte Namens-
formen, besonders -bach und dorf-Orte, vielmehr treten auch wie in der benachbarten Oberpfalz
karolingische und ottonische Gräber hinzu, die für die zusammenhängenden Waldgebiete (vgl.
Randgebiete des Schwarzwaldes) späte Urbarmachung bezeugen.
So stehen neben einer soliden Vorlage des Fundstoffs und den gesicherten Ergebnissen seiner
Auswertung noch manche offene Fragen. Gerade sie aber sollten zur Weiterarbeit, zur Intensi-
vierung der archivalischen und archäologischen Forschungen führen. Es wäre nicht das geringste
Verdienst des Verfassers, dafür die Grundlagen bereitgestellt zu haben. G. Fingerlin
R. Pirling, Das römisch-fränkische Gräberfeld von Krefeld-Gellep. Germanische Denk-
mäler der Völkerwanderungszeit, Serie B; die fränkischen Altertümer des Rheinlandes.
Band 2. Verlag Gebr. Mann, Berlin 1966. — Textband: 239 Seiten mit 2 Farbtafeln,
19 Typentafeln, 25 Textabbildungen und 1 Übersichtsplan. — Katalog und Tafelband:
157 Seiten mit 133 Tafeln, davon 17 Fototafeln.
Seit H. Steeger 1937 in einem ersten Vorbericht die wichtigsten Funde aus dem drei Jahre zuvor
entdeckten Gräberfeld von Krefeld-Gellep, dem antiken Gelduba, vorgelegt hat, ist das Augen-
merk der provinzialrömischen und frühmittelalterlichen Forschung auf diesen Fundplatz gerich-
tet. Zwar sind inzwischen weitere Friedhöfe bekanntgeworden, die eine vom dritten bis ins
siebte Jahrhundert durchgehende Belegung aufweisen, doch hat das Krefelder Material, historisch
wie archäologisch, dadurch nur an Interesse gewonnen. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß die
Verfasserin, seit Jahren mit der weiteren Ausgrabung des gefährdeten Gräberfeldes betraut, sich
zur Vorlage wenigstens der bis 1959 (größtenteils von H. Steeger) geborgenen Funde entschlos-
sen hat.
Eine vollständige Auswertung ist dabei nicht angestrebt, sondern erst für die abschließende
Publikation vorgesehen. Diese Zurückhaltung erscheint schon deshalb angebracht, weil offenbar die
wichtigeren Teile der merowingerzeitlichen Belegung, darunter das bereits gesondert veröffent-
lichte Fürstengrab (Nr. 1782), erst in den jüngsten Grabungskampagnen aufgedeckt werden
konnten. Die über 1300 beschriebenen und in guten Strichzeichnungen wiedergegebenen Grab-
inventare — vorwiegend aus spätrömischer Zeit — bilden also nur einen mehr oder weniger
zufälligen Ausschnitt der gesamten Anlage.
 
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