Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,2.1918

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bleibt, als sich dem künstlich zum Schaden der Volksgesundheit veränderteu
Angebot anzupassen. And nicht nur, daß die Verbraucher bei der besten
Dauerware schlechter fahren als bei entsprechender frischer Ware, wenn ihuen
solche ebensogut zugänglich ist, — uein, die kapitalistische Beherrschung des
Handels mit Nahrungsmitteln bringt es auch noch mit sich, daß aklerhand
Schund durch eine gerissene Reklame zu Wucherpreisen Absatz sindet. „Schund"
ist ein grobes Wort? Der Reichskommissar für Fischversorgung bezeichnete vor
einiger Zeit den Inhalt einer Reihe von Fischkonservedosen als „Dreck". Das in
den Handel kommende Dörrgcmüse ist oft derart schmutzig und sandig, daß die
(Lrzeuger selbst ihm vorsichtshalbcr eine Gebrauchsanweisung mitgaben, uach
der mau es unier mehrmaligem Wasserwechsel mindestens 2H Stunden wässern
und dann noch zwei Stunden kochen muß. Das „Zentralblatt für Zuckerindustrie"
kouute kürzlich selbst den durch die Reichsstelle zur Verteilung gelangenden
Rübensirup als eine „Schmiere" bezeichnen, deren „Wucherpreis" ganz unver-
ständlich sei.* Wo die Ware an und für sich gut ist, ist doch ihr „Rohstoff"
maßlos verteuert. Da gibt es Kaffeetabletten in Schachteln, für die der Käufer
ll,25 Mk. aufwenden muß, um in den Besitz von s Kilo Kaffee zu gelangen, Milch-
kakao-Würfel, von denen sich das Kilogramm auf Mk. stellt. An alledem
wird sich nach Fricdensschluß sobald nicht viel äudern könneN, um so weniger,
als die staatliche Aberwachung, die sich während des Krieges als unzulänglich
erwies, um der Vertrustung der Volksernährung entgegenzuwirken, dann mehr
und mehr der freien Verkehrswirtschaft wieder das Feld räumen muß. Auch
die Einfuhr aus dem Auslande wird diese Bewegung nicht wieder rückgängig
machen können; denn der Staat wird schwerlich die für seine Zoll- und Steuer-
politik so bequemen privaten Einfuhrmonopole wieder beseitigen, die jetzt
im Kriege sast die gesamtc Einfuhr beherrschen. Was Waudel schaffen könnte?
Gruudstürzende innerpolitische Reformen. Aber für solche werden erst heftige
und hartnäckigc Partei- und Interessentenkämpse die Voraussstzungen schaffen.

* Aus ctwa v. H. Salz, Gelatine, ausgekochtem Knochenleim und Gewürzen
bcstand eiu Produkt, das ein Berliner Drogist iu Würfeln unter der Bezeichnung
„Perdol-Kraftbrühe" in den Handel brachte. Er wurde vom Schöfsengericht zu
1000 Wark Geldstrafe verurteilt. Darüber, wieviel er schon daran verdient hatte,
verriet der Gerichtsbericht nichts.

Kaust ber Mchelangelo

von Leröinand Avenarius.

(Bruchskück aus einer Dichtung^ öie Faust nach rloin führt. Lin neues
furchtbares Lrlebnis liegt binter ibm: er hat sich von Mexhistoxheles
täuschsn lasfsn. indein er für cinen grotzen wert nahm. ivas hohler Sxuk
war. Auf öen Straßen rauscht öer Aarneval. Der öeutsche Bruöer, mit
öem Faust nach Bom geksmmen, hat öcn halb Verzwsifelten nun aufge-
funöen. ^nneres von St. Pietro in Vincoli. Nur öie ewige Lamxe brennt,
aber wenn örausten Lärm ist, huschen öurch öie Airchenscheiben Lichter von
Fackcln unö Laternen hercin. Im ksintergrunöe öas Iuliusgrabmal, aus
öem sich öer Moses einörucksvoll hervorhebt.)

Brudcr:

lvie öank ich Gott, öatz er dich finden lietz!

Aomm, Fauste, hier Herein, wo cinst St. Petrus
In Fesseln lag, unö lan uns beten, Bruöer,

Lür Rom und für die Llirche unö für uns!
lvas sahn unö was erlebten wir! lvie helfen
lvir Armen, Schwachen, wenn auf L>etri Thron
Der Heide sitzt! lvas können wir, als beten?
llomm, latz uns betcn! (vertieft sich ins Gebet.)

Faust:

Awar bist du eng, doch ehrlich bist du auch,
llnd öas tut wohl! (Steht still am pfeiler.)
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