Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,2.1918

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Lrkanirt' ich eine Zeele, öie mich rief.

And rvis sie nrich unrringten, ordnete

Sich Stinrrn ;u Stinrnre und Gsbild zrr Bild,

Das; eine heil'ge ^nsel — nicht aus Stein:

Aus Licht sich hol>, die Lwigteiten sang . . .
was du hier siehst, ist ein geretteter
Schiffbrüchiger von denr, rvas rch erschaut.

Larrst:

Dsr aber ist vollendet. . .

Michelangelo:

Das ist nichts,

was noch öen weg durch Menschensselen gebt.
wir stanrnreln weiter, was die Gottheit sxrach.

Aehn lsiebe nur, die selber sie geführt,

Dann weg die Lsanö, denn ob du Bruchwerk nur
Und wunden siehst, öas, was sie will, öas sagt's.

Lin anöernral: Drei Iahre Müh' auf Müh',

Ihr nachzutasten, fühlst du, öatz öu's sollst —
llnd datz du's sollst, bleibt alles, was du fühlst,
llnd daf; öu tastest. Aber andern singt's.

Du sxrichst von Brudergeist, nach öenr öu suchst?

L s sucht öurch dich, das llnbetannte sucht,

Und sagt burch öich wohl, was du selbst nicht weitzt,

Zu llnbekannten, wie der Funke sxringt,

Den llnbekannten, die es sucht. — Ich öien'.

(Lr fängt wieder an zu arbeiten. Drautzen abernrals Aarneval-Lärnr und
Lichter, deren Scheine über LNoses hinhuschen und sein Gesicht noch örohsn

der beleben.)

Der Bruder (tritt vor):
llonrnr, wir verstehn öen Sonderbaren nicht,
llsrnnr nun und las; uns weitsrziehn, nrein Faust!

Laust (vor denr Moses):

Furchtbarste der Gestalten, die nur Aorn

Und Llraft und Aorn, und nichts als llraft und Aorn.

lsast du denn stets gedroht und örohst du stets?

Auch öie zu Götzen beten, suchen Gott!

wie find' ich denn öen rechten, frag' ich nicht

Das, was inr eignen Lserzen wärnrt und örängt?

Und äfft es nrich, was äffte rnich als das,
wer äffte rnich, als der es in nrich tat?

(Au LNichelangelo:)

Dich. Sucher, Irrer, Finöer, Meister — dich
Lrag' ich: wie hör ich Gottes Stinrnr heraus,

Die eine leise. echte, wenn die welt,

Die er geschaffen, nreiner eignen Brust
Die Antwort braust inr Lhor?

Michelangelo:

Ich dien'.

Vom Aeute fürs Morgen

Versöhnung kam man auf drei Mittel, durch deren

(7>urch Iahrtausende sann die Mensch- Anwendung man Gott gnädig zu
^heit darüber nach, wie sie die zür-- stimmen suchte: Gebet oder Opfer, Al-
nende Gottheit versöhnen konnte. Nicht mosen und Fasten. Dabei blieb es,
in einer Religion, sondern in allen bis ein Erlöser von dem ganzen üb-
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