Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

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3. Ritter Oskar von Montlong
aus Rottenburg a. N. ()
Von Theodor Schön.
Der am 12. April 1829 in Rotten-
burg a. N. geb. Karl Joh. Bapt. Oskar-
Hai ler, seit 14. Dez. 1838 von
Montlong, trat 1854 in den öster-
reichischen Konsulardienst und war 43
Jahre in demselben, die größere Zeit in
der Levante thätig, 1870—1871 findet
man ihn als Konsul in Jassy in Rumä-
nien, 1872—1879 als Generalkonsul in
Nustschuk in Bulgarien. Durch hervor-
ragende Pflichttreue ausgezeichnet, hat Herr
von Montlong in ernsten Augenblicken
auch bemerkenswerte Proben seines per-
sönlichen Mutes abgelegt, in welcher Be-
ziehung seine Haltung während des Bom-
bardements von Rnstschnk durch die rus-
sische Armee 1877 besonders hervorgehoben
zu werden verdient. Nustschuk hatte
den kriegstüchtigen Achmet-Kaiserli-
Pascha znm Befehlshaber und sein Hasen
strotzte von Panzerschiffen und Fahrzeugen
aller Art. Der linke Flügel des russischen
Heeres, das 11. und 12. Corps unter
dem Großfürst Thronfolger (dem spätern
Kaiser Alexander III.) langte am 5. Juli
1877 bei Bela an, bemächtigte sich der
wichtigen Brücke über die Jantra und
drang am untern und schwarzen Lom vor.
Aber zu einer eigentlichen Belagerung
Nustschnks konnte es zunächst nicht kommen,
weil das Belagerungsgeschütz erst mittels
der Eisenbahn nach Giurgewo und von
dort über die Donau nach dem Belagerungs-
platze geschafft werden sollte. «Lchou früher
hatte von der Giurgewo aus die russische
Festungsartillerie vom 24. Juni an
Nustschuk täglich bombardiert. Am 29.
Juli trugen die Russen über die
Türken einen Sieg davon und blieb
Nustschuk von ihnen bis 1878 cerniert.
Durch das Bombardement geriet die Stadt
in Flammen. Herr von Montlong
wich nicht eher vom Platze, als
bis es ihm gelungen war, aus den
Flammen die österreichisch-unga-
rische Kolonie und die Konsulats-
archive in Sicherheit zu bringen.
Seine Verdienste belohnte noch im Jahre
') Darnach berichtigen sich zum Teil die An-
gaben im „D.-A." 1.90t, S. 48.

^ 1877 die Verleihung des österreichischen
Ordens der eisernen Krone dritter Klaffe
lind die am 23. Dezember 1878
erfolgteVerleihungdes erblichen
österreichischen Rit te r sta u d es.
Von 1880 bis 1884 war Montlong
! Generalkonsul in Salonichi, 1884 bis
1895 Generalkonsul in Marseille. 1895
wurde er aus sein Ansuchen in den wohl-
verdienten Ruhestand versetzt. Bei seinem
Scheiden aus dem aktiven Dienst wurde
er durch das Komturkreuz des Franz
Joseph-Ordens mit dem Stern ausgezeich-
net. Außerdem war er Ritter des kaiserlich-
russischen St. Staniölaus'Ordens zweiter
Klasse, Inhaber des königlich preußischen
Kronenordens zweiter Klaffe und Besitzer
des ottomanischen Medschidie-Ordens zwei-
ter Klaffe. Er konnte noch zwei Jahre
der Muße verleben. Am 16. April 1897
^ starb er als K. k. Ministerialrat in Wien.
Er war ein Weltmann von gediegener, um-
, fassender Bildung, der mehrere Sprachen
vollständig beherrschte. H
Sein Bruder Wilhelm Ludwig Pius
August von Montlong, geb. 8. März
1830 in Nottenbnrg, trat in die öster-
reichische Armee ein. Im Jahre 1854
war er Unterleutnant im 6. Jnf.-Negt.,
1859 aber Oberleutnant. Nach dem
Scheitern des mexikanischen Unternehmens
kehrte er als Major a. D. nach Oester-
reich zurück. 1885 war er tot, und lebte
seine Witwe Petronella (geb. 1829,
P 7. Sept 1891 in Wien) in Wien. Sein
Sohn August vou Montlong, geb.
1873, starb 10. April 1894 als
Universitätshörer in Wien.
Was die adelige Familie vonMont-
lvng anlangt, so war Johann Peter v o n
Montlong 1754 Stift Maria Einsiedel-
scher Hofrat und Oberamtmann in Baindt.
Valentin Ignaz von Montlong, geb.
in Zell bei Hammersbach war Hofrat der
Fürstin in Buchau und Archivpräfektns in
Straßberg 1782/1783. Später 1786
besuchte er noch als reifer Mann die
Universität Straßbnrg. Franz Ignaz
Valentin von Montlong (? derselbe)
starb 10. Mai 1792 als badischer Hosrat,
Amtmann in Beinheim.

') „Wiener Zeitung" 1897, Nr. 95, S. 4.
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