Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 58
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Kirchheim (Petrus, Cosmas und Damian;
Petrus vom Kloster S. Peter?), Ohm-
den, OA. Kirchheim,
Sulzgries bei Eßlingen (Kirche oder
Kapelle abgebrochen; ein Kaplan daselbst
wird im Eßlinger Urkunden buch S. 440
ans dem Jahre 1348 erwähnt),
Unterwachingen (erstmals urkundlich ge-
nannt 1171) und Liggersdorf, OA. Sig-
maringen. Altäre hatten die Heiligen
unter anderem in Nentlingen in capelln
13. lVl. Vir^inis 1350 und in der Pfarr-
kirche zu S. Peter daselbst („D.-A." 1896
S. 4).
Was nun die besonderen Gründe an-
langt , welche zur Wahl der gedachten
Kirchenpatrone geführt haben, so sind wir
nicht in der Lage, solche für jeden einzelnen
Fall anzugeben. Einige Vermutungen seien
indessen ausgesprochen. Bei Cannstatt und
Sulzgries dürften die Patronate auf Heil-
quellen bezw. Badanstalten znrückzuführen
sein. Dellmensingen besitzt eine Reliquie
von Cosmas und Damian, und wie so
oft, so könnte auch hier der Reliquienbesitz
die Wahl der Kirchenpatrone bestimmt
haben. Oder ist die Reliquie erst später
erworben worden? Bei Gntenzcll kommt
der Umstand in Betracht, daß das Kloster
ehedem eine große Apotheke hatte, welche
in der Erinnerung der Gemeinde noch
fortlebt und welche ans einer Prozessions-
fahne aus der Mitte des 18. Jahrhun-
derts abgebildet erscheint. Was ist natür-
licher, als daß das Kloster bei einem
Wiederaufbau der zerstörten Gebäude die
neue Kirche den gefeierten Patronen der
Apotheker widmete? Interessant ist, was
die Ueberliefernng über die Erbauung der
Kapelle zu Dürbheim meldet. Ihr zu-
folge wäre dieselbe von der berühmten
Herzogin Mechthild, Pfalzgräfin bei Rhein,
eirichtet worden, welche vom Jahre 1452
bis zum Jahre 1482 in Nottenburg resi-
dierte. Als die hohe Frau einmal vom
Heuberg nach Dürbheim herunterfnhr, kam
sie mit ihrem Fuhrwerk in große Gefahr.
In solcher Lage machte sie das Gelübde,
daß sie an der Stelle, wo der Wagen
zum Stehen komme und sie gerettet werde,
zu Ehren der beiden Aerzte Cosmas und
Damian eine Kapelle bauen wolle.
Aehnlich hat ja auch Kaiser Justinian
aus Dankbarkeit, weil er auf die Fürbitte

der Heiligen von schwerer Krankheit ge-
heilt worden war, ihnen zu Ehren in Kon-
stantinopel eine Kirche bauen lassen.
Vlunigund und S. Aunibert.
Die jungfräuliche Kaiserin nnd Gemahlin
des Kaisers Heinrich II. wurde im Jahre
1200 von Papst Jnnocenz III. heilig ge-
sprochen. Als Patronin wessen wir sie
nur in Rengetsweiler, OA. Sigmaringen,
und in der jetzt abgegangenen Kapelle zu
Bruderhartmannszell, OA. Gerabronn,
welche im Jahre 1214 von Bischof Siege-
boto von Havelberg eingeweiht wurde.
„Württ. Vierteljahröhefte" 1887 S. 144 ff.
Stellt man die beiden Jahreszahlen 1200
nnd 1214 zusammen, so dürften wir in
dieser Zusammenstellung den Schlüssel zur
Erklärung des Patronats zu Bruderhart-
mannszell haben.
S. Kunibert, Bischof von Köln, war
nur eine einzige Kirche geweiht — die
Kirche zu Untereisisheim, OA. Heilbronn.
Weist der Heilige auf die Kunibertpfarrei
zu Köln? Oder befand sich in der Nähe
einmal eine Ursulakirche?

V/lelwnäiÄNÄ.
Von Amtsrichter a. D. Beck.
Der Dichter Christoph Martin Wie-
land, ein geborener Oberschwabe, ge-
braucht in seinen Werken, Briefen rc.
vielfach sprachlich veraltete Formen, manch-
mal auch mundartliche Wörter, weit
mehr aber noch Fremdwörter, bezw.
fremdartige Ausdrücke. Schon Moriz
Rapp hat in seinem geistvollen Werke:
„Das goldene Zeitalter der d. Poesie"
(1 S. 164/165, Tübingen, 1861, bei
H. Laupp) von ersteren eine kleine Samm-
lung zusammengestellt. Die alten Ablaute:
stund, stünde (statt stand, stände), be-
gonnten, begunnten (st. begannen), ver-
schreit (st. verschrien), verloffen (st. ver-
laufen), sich einer Sache verzeihen (^- sie
fallen lassen) (meist aus Oberon); Teil-
nehmung (st. Teilnahme), Erfahrenheit (st.
Erfahrung), Anscheinungen, gieren (st. be-
gehren, oberschwäb. gehren), düsten (st.
duften), lüftig (st. luftig), aufziehen (st.
aufschieben), überziehen (st. fortfahren oder
in die Rede fallen), Vorstand (für Vor-
bild), sich ausnehmen (^ sich auszeichnen),
die blinde Seite (für die linke, letze, Seite)
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