Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 96
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welches im Flecken und der umliegenden
Gegend einqnartiert wird; der Flecken
bekommt 291 Mann, geschwind trägt der
Bürgermeister auf Konkurrenz an. Die
Landvogtei will für 40 Mann 20 fl. bei-
tragen; wir antworteten, daß wir seit
mehreren Tagen das ganze Spitalperfonal
allein ohne Konkurrenz verpflegen; wenn
man auch hiezu konkurriere, wollten wir
uns nach dem Maßstab der Landvogtei
ebenfalls einlassen.
Am 24. März marschieren obige fort,
auch entfernen sich die Husaren von Nr. 6;
dafür rückt eine Compagnie Husaren von Nr. 9
ein, samt ihrem Oberst, der im Kloster zu
wohnen wünscht. Da er aber alles vom
Spitalpersonal besetzt fand, zog er wieder
ab, schickte aber abends seinen Adjutanten
mit einem Schreiber an den Spitaldirektor,
in welchem er vermutlich den Spitalherren
ansgeboten hat. (Fortsetzung folgt.)

Alemere Mitteilungen.
Die Bibliothek der Landkommende
in Altshausen und die zwei letzten
Landkomture. Nach der seiner Zeit zu Ulm
bei Stettin erschienenen Schrift: „Es leben
die Prälaten! Beobachtungen aus einer-
kleinen Reise in verschiedenen Prälaturen in
Bayern, Schwaben, in Briefen von einem Mecklen-
burgischen (!) Offizier," (welcher aber in Wahrheit
der 1738 zu Herrenberg geborene, 1814 in Calw
st Spezialsuperintendent Joh. Ferd. Gaum ist,
welchen man bekanntlich anfangs eine Zeit lang
auch für den Verfasser der „Briefe über das
Mönchswesen" hielt; Gaum war zur Zeit des Er-
scheinens seiner Prälatenschrift 1777—85 Professor
in dem unweit von Ulm gelegenen Blaubeuren;
2. Heft, 8", 1783 S. 76 O. O.), besaß die Land-
kommende A l t s h a us en eine schöne Bibliothek.
Die Stelle des Landkomturs, welcher zu den Reichs-
prälaten gerechnet wurde, nahm damals der Frei-
herr Beat. Konr. Philipp R euttner vonWeyl
ein, „ein Herr, mit dem man nur zwei Stunden
sprechen darf, um von Hochachtung und Ehrfurcht
für ihn ganz durchdrungen zu werden. Er besitzt
große und ausnehmende Gaben. Die vortreff-
lichsten ökonomischen Einrichtungen, die von ihm
herrühren, beweisen seine tiefen Einsichten, und
seine unvergleichliche Bibliothek, welche täglich
neuen und beträchtlichen Zuwachs erhält, seine
großen Kenntnisse. Der Rat und Rentmeister
Streicher, der bei ihm sehr wohl gelitten ist,
trägt das Seinige redlich dazu bei, Altshausen
zu einein herrlichen Aufenthalt zu machen. Die
Diskurse, die hier besonders in Absicht auf manche
Klöster Vorsteven, kann man nicht wohl erzählen.
Es kostete mich (d. h. den Reisenden) Mühe, von
Altshausen wegzukommen." Nach den in des
Grasen v. Mirbach „Beiträgen zur Personalge-
schichte des Deutschordens" angegebenen Personal-
notizen war v. Reuttner am 17. August 1719

getauft, trat vor 1750 in den Orden und wurde
l zunächst (Titular-)K.nntur von Rohr-Waldstätten.
! Im Jahre 1752 erhielt er die Kommende Hitz-
kirch, 1756 Freiburg i. B., 1758 Mainau; 1764
war er Natsgebietiger, hochmeisterlicher Staats-
und Konferenzminister, bald daraus Koadjutor
(des Landkomturs Christian Moriz Grafen von
Königsegg-Rothenfels) der Ballei Elsaß und Bur-
gund, Komtur zu Marburg und Wetzlar, 1774
! Landkomtur von Elsaß und Burgund, vor 1777
, auch Koadjutor von Hessen, später auch Land-
I komtur dieser Ballei; st dann zu Altshausen
am 23. Juni 1303 und auch daselbst in der unter
^ der (der Pfarrkirche gegen Norden angebauten)
Seitenkapelle erbauten Gruft begraben (s. „das
! feierliche Leichenbegängnis des vorletzten Land-
j komturs von Altshausen, Freiherrn Reuttner von
^ Weyl" in der Sonntagsbeilage des „Deutschen
Volksblattes" Nr. 32/33 von 1900). Reuttner
besaß unter anderen: auch eine auserlesene, jetzt
! in Händen des Grafen Kamill Reuttner v. Weyl
^ auf Schloß Achstetten befindliche Sammlung von
japanischen Porzellanen (hauptsächlich Vasen;
s. darüber „D.-A." VI., 1888, Nr. 3, S. 11/12:
„Keramische Kunstschätze in Oberschwaben" von
Beck). Das Oelbildnis Neuttners war meines
Erinnerns früher (jedenfalls hsZ zun: I. 1862)
im Korridor des ersten Stockes von: „neuen Schloß"
in Altshausen neben den Porträts anderer Alts-
hauser Deutschordensritter aufgehängt. Reuttners
Nachfolger als Landkomtur von Altshausen und
der letzte dieser Würde (1803—06) war der Frei-
herr Karl Franz Friedr. Forstmeister von
Gelnhausen, ein ehrwürdiger Greis (getauft
1731, 1814 st und beigesetzt in der Gruft zu
Altshausen; er war zuerst Komtur zu Muffen-
dorf, dann zu Elsen sowie seit 1784 Koadjutor
und seit 1795 Landkomtur zu Koblenz und wurde
später gleichzeitig auch mit der Leitung der Ballei
Elsaß-Burgund betraut (s. über v. For ft m eiste r
auch Karl Friedr.. Dizinger, „Denkwürdigkeiten
aus meinen: Leben und meiner Zeit rc." S. 322).
— Anzufügen ist noch, daß gegen die eingangs
gen. Anti-Mönchsschrift Gaums der bekannte
Rother Prämonstratenser, U. Bened. Stadel-
hofer, (geb. in Jmmenstadt i. A. 1742, st zu
Admont 1811; s. über dens. auch „Alemannia",
26. Jahrg., 1898: „Alt-Rothsches Statutarrecht"
von Beck, S. 61/62) der Verfasser einer Geschichte
seines Klosters, eine geharnischte Gegenschrift unter
den: Titel anonym herausgab: „Der blinde
Reisende, den: auf die Gesundheit der Prä-
laten in Schwaben und Bayern geträumet hat,
oder Widerlegung der Schrift re.", Staarburg !)
mit Levischen Schriften i. I. 1783, 8°, 77 S.
(gedruckt in Ulm, wahrscheinlich bei Wagner).
?. U e e ll.
Zur „Türkenglocke" (in „D.-A." von 1900,
S. 160). Auch in Altwürttemberg unter Herzog
Friedrich erging unter den: 12. August 1594 ein
Generalreskript, welches Bußgebete und das
Läuten der Türkenglocke nachmittags
12 Uhr anordnete und an: 14. Oktober 1718
von Herzog Eberhard Ludwig erneuert wurde,
lieber „die Türkenglocke" schrieb auch Karl Jul.
Weber in: „Geist Will). Lud. Weckhrlins von
Weckhrlin, jr.", 2. Auslage, Stuttgart bei Hall-
berger 1837, S. 106-108.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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