Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 140
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keine Disziplin mehr vorhanden nnd alle
Bande der letzteren gelockert waren, nnd
bedeutet soviel als: „Jetzt ist Vakanz und
ist es aus mit der Plagerei!" — Im
Niederdeutschen hört mau die sprichwört-
liche Redensart: einen k r u m m euLorenz
oder auch bloß einen Lorenz machen,
worunter mau: einen tiefen (bäuerischen)
Bückling (Reverenz) machen versteht
(s. u. a. „Journal von und für Deutsch-
land" von Bibra, 1790, 7, Stück, „Pro-
vinzialismen des flachen Landes ans der
Südseite des Harzgebirgeö", S. 34 ff.).
In und nm Wien kennt mau ferner eine
Redensart, nach welcher mau bei einem
schön anszuseheu sich bestrebenden, karri-
kiert sich benehmenden Menschen bedauert,
daß demselben nichts weiter abgehe, als
daß er „Loreuz" heiße. Ein solcher
Mann war z. B. daselbst der — seinem
großen Bruder in allen Stücken so un-
ähnliche -- Gutsbesitzer Johann van
Beethoven, dessen sonderbarer Aufzug
und dessen Gesamterscheinung überhaupt
ihm in der allezeit zum Witz bereiten alten
Kaiserstadt allgemein den originellen Spitz-
namen „Erzherzog Lorenz" znzogen.
Nebenbei bemerkt, bedeutet der Name
Laurens bezw. Laurentinus einen zu
Laurentum, einer au der Südküste von
Latium gelegenen Stadt, Gebürtigen. Der
Heilige galt nicht allein (von wegen des
Rostes) als Schutzpatron der Köche und
der Brauer, sondern namentlich auch der
Schüler und Studenten, weil für die-
selben an seinem Tage (10. August) die
Ferien begannen ; außerdem wurde er viel-
fach bei Rückeuscbmerzeu und Krankheiten
au den Schultern angerufen.
Nicht minder zahlreich sind die Lau-
rent i u s - L e g e n d e n u n d - S a g e n u n d
-Gebräuche. So habe der Leichnam des
Heiligen, als man die irdische Hülle des
Erzmartyrers Stephan in seine Grabstelle
hineingelegt, von selbst sich ans die linke
Seite gelegt, um dem hl. Stephan die
rechte Seite, als den Ehrenplatz, zu über-
lassen. Auch soll dem hl. Laurentius das
Privilegium verliehen worden sein, wöchent-
lich je am Freitag eine Seele aus dem Fegfener
zu erlösen. Ferner findet man — um von den
vielen Sagen noch eine weitere zu geben —
in Schwaben die L a u r e u t i i t o h l e in
der Erde, wenn man am Lanrentiustage

gerade während des Zwölfuhrläutens oder
auch nachts um diese Stunde nach ihr
gräbt; sie ist dann gut wider Fenerö-
brunst und soll man sie gut im Kasten
aufbewahren. Bekannt sind auch die
zwischen dem 9. bis 14. August sich be-
wegenden Laurentiusschunppeuschwärme,
eine Art Sternschnuppen, welche man im
Volksmnnde auch die „Thräneu des
hl. Laurentius" heißt. — I» einigen Ge-
genden, so z. B. in Oberösterreich im
Markt Blockflnß am Fuße der Hochleiten
im Marchfelde, wird der Laurentiustag
als eine Art — Erntefest begangen.
Da — es ist zugleich Noßmarkt — geht
es unter Land und Leuten hoch her und
pulsiert von alten Zeiten her bewegtes und
frohes Leben. Sind die Scheuern voll
Weizen, Korn und Gerste, die Tennen für
das Frühobst schon gefüllt und versprechen
die Neben guten Wein, dann geht es lustig
und fröhlich ans dem Platze bei den
Marktbuden um den hl. Johannes von
Nepomuk zu, und die Gänse braten, dem
hl. Laurentius zu Ehren, in reicher An-
zahl am Spieße. Nicht selteir dient
„Laurentinstag" auch als Zeitbestimmung
in Urkunden u. dergl.; „Montag nach
Laurentii" war in der Reichsstadt Ulm
immer der „Schwörmontag", das alte
Ulmer Nationalfest. — Weibliche Heilige
dieses Namens giebt es nicht mehr als
fünf, darunter drei Märtyrerinnen. Dann
giebt es im Volköliede auch eine sehr welt-
liche — Laurentia; wer kennt nicht das
alte schöne, namentlich von Studenten
gerne gesungene Lied: „Laurentia, liebe
Laurentia mein" ri. s. w.

Die Keichpabtei Weingarten 0.3. U.
im französischen Ueverfall ie.
Nach dem Tagebuch des N. Joachim Kramer
zu Weingarten.
(Fortsetzung.)
Kaum ist Guyot fort, so wird hieher
eine Eskadron von 150 Mann vom
6. Husarenregiment angesagt, welche mit-
tags den 12. April ankommen soll.
H. Frings hat an das Konnte 206 sl.
bezahlt. Auch sagt er uns, daß unsere
Abrechnung bei dem französischen Liqni-
dationöbureau folgendermaßen ausgefallen
sei: schuldig sollen wir noch sein 571
Zentner Kern, 85 Zentner 35 Pfund
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