Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 171
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buch S. 400). Daher wird das Siegel
wohl das Wappen des Konsekrators
der Kapelle und Altäre darstelleu: ver-
mutlich ein Altaraufsatz mit einer Bronte
als oberen Abschluß. Die Umschrift des
Siegels konnte nicht entziffert werden.

Aus der HerligelUveit.
Von Pfarrer Reiter.
S. Blasius.
Dieser Heilige, welcher neben dem
hl. Nikolaus und Georg zu den am meisten
gefeierten Heiligen der morgenländischen
Kirche gehört und dessen Verehrung im
Abendlande besonders durch die Krenzzüge
gefördert worden ist, hatte oder hat bei
uns verhältnismäßig viele Heiligtümer.
Es wurden ihm befohlen die Kirchen in
Aepsingen, Attenweiler, Bellamont,Bronnen-
Lanpheim (Ort urkundlich erwähnt 1173;
NebenpatroninMargareta), Ehingen(Stadt-
psarrkirche), Friedingen (Dorf), Grüningen,
Kirchdorf (Ort 972 urkundlich erwähnt),
Spraitbach, Schwarzach-Mieterkingen (Ne-
benpatron Meinrad), Upflamör.
Kapellen wurden dem hl. Blasius ge-
widmet in Alleshausen-Seekirch (I486),
Briach-Weingarten, Jettenhansen bei Fried-
richshasen (Patron auch Georg), Lanb-
bronnen-Ebersbach, Lippertsweiler, OA.
Waldsee (Blasiuskapelle schon 1353 ge-
nannt), Meistershofen-Jettenhausen, Nen-
dingen, Rothenbach bei Ellwangen, Rotten-
bnrg (Gasthof zum Römiscken Kaiser, wo
am Sonntag nach iölntiv. L. N. V. das
Patrozinium gefeiert wird; früher sollen
dort zwei Kapellen gewesen sein), Upflamör
(Gottesackerkapelle), Westerhofen - West-
hausen, Wettenberg-Schweinhansen. War
in Blienshofen (Name vom Blasius?),
welches schon 1485 S. Georg zum Patron
hatte, nicht auch Blasius Patron? Letz-
terer wurde vor der Reformation noch als
Kirchherr verehrt in Altdorf, OA. Böb-
lingen, Freudenbach, OA. Mergentheim
(Ort urkundlich erwähnt 807), Mäger-
kingen, OA. Reutlingen, Nellingen, OA.
Eßlingen (Ort urkundlich erwähnt 1120),
Plochingen (1157), Oberboihingen (Kap.
abg.), Roßwälden (Kap. abg.), Tübingen
(Blasiuskapelle bei Tübingen erwähnt in
einer Urkunde vom 15. Oktober 1371,
Schäf. Geschichtsquellen II S. 478, In-

haber der Pfründe Johannes, Sohn des
Johannes Last. Bläsiberg), Wenningen,
OA. Böblingen (1506 genannt, abgc-
gangen).
Or. Samson sagt irgendwo, es sei dem
Einfluß der Abtei S. Blasien znznschreiben,
daß die Bistümer Slraßbnrg und Frei-
burg viele Blasiuskirchen haben. Wir
glauben, daß hier neben Straßbnrg und
Freiburg auch das Bistum Notlenbnrg
genannt werden darf, in dessen Gebiet
S. Blasien verschiedene Besitzungen hatte
und deshalb die Wahl des Kirchenpatrons
mannigfach beeinflußte. So war die
Abtei begütert in Aepsingen, welches von
ihr 1469 an das Kloster Salem verkauft
wurde. In Plochingen hatte S. Blasien
ursprünglich den Kirchmsatz, ebenso in
Nellingen, wo es eine Propstei gründete
(Blienshalde — Bläsihalde. Vergl. auch
Pliensan in Eßlingen). Alleshansen war
ehedem (1486) ein S. Blasischer Ding-
hof. Bronnen stand in Beziehung zum
Kloster Wiblingen, wohin ans S. Blasien
die ersten Mönche kamen. In Nendingen
war S. Blasien Herr der drei Fronhöfe,
zu welchen die Blasiuskapelle daselbst ge-
hörte. Vielleicht weist das Patronat
unseres Heiligen in Attenweiler, Bella-
mont, Friedingen, Grüningen, Upflamör,
Kirchdorf n. s. w. auch ans die Schwarz-
waldabtei, so daß hier wie sonst öfters
der Kirchenpatron die fehlenden Urknnden
teilweise ersetzen kann oder könnte. Doch
muß noch bemerkt werden, daß, wie es
scheint, die Klöster überhaupt den heiligen
Bischof Blasius gerne verehrten, so daß
einzelne Kirchen ihren Patron von einem
anderen Kloster als von S. Blasien er-
halten haben können. Ueberdies genoß
S. Blasius als Nothelfer eine große Ver-
ehrung auch bei dem gewöhnlichen Volke,
welches ihn dann wohl in manchen Fällen
selbst zum Kirchherren wählen mochte.
So wurde z. B. die Blasinskapelle in
Westerhofen im 15. Jahrhundert zu Ehren
des Heiligen von der Gemeinde erbaut.
S. Blasius ist Patron der Steinmetzen-
znnst (Weber, Vierzehnnothelfer), Patron
der Aerzte, weil er vor seiner Erhebung
zur bischöflichen Würde die Arzneiknnst
übte, Patron der Wollweber wegen seiner
Marterwerkzeuge, Schutzpatron gegen Hals-
leiden und Husten, da er einen dem Er-
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