Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 50
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tung und Vorsicht walten ließ. Aber —
jedenfalls war ein Mann, wie Lavater,
stets frei von Unwahrheit, Täuschung oder
gar von Fälschung oder Betrug und seine
Absichten gut, lauter und rein!
Ist man auch über diese Vorgänge
längst hinweggegangen und sind Lavaters
Schriften heutzutage ihrem größten Teile
nach meist abgethan, so lebt doch die Per-
sönlichkeit Lavaters als Goltesmann,
edler Menschenfreund und als hochbedeu-
tende, charakteristische und vielseitige Er-
scheinung seiner Zeit in der Geschichte der
Menschheit fort. In diesem Sinne glaub-
ten auch wir die Säkularfeier dieses
Mannes nicht ohne Beitrag Vorbeigehen
lassen zu sollen, welchen wir aus seinem
reichen Freundes- und Bekanntenkreis in
und aus Schwaben wählten.
Lur Geschichte der Gegenrefor-
mation
in den Komburgschen Pfarreien Stein-
bach (b. Schw. Hall) und G e b s att e l.
Von Pfr. F. X. Mayer in Ludwigsburg.
(Fortsetzung.)
Dann weil in derselb gegen (— Ge-
gend) bei allen benachbarten als Bran-
denburg, Hohenlohe, Rot-
tenburg re. aus etlich vil meil Wegs
(^ viele Meilen Wegs) allenthalben der
alt Calender gehalten werde, sey es Ihnen
von wegen der teglichen gewerb, so sie
mit den benachbarten haben, gleichsam un-
möglich, sich nach dem neuen Calender zu
richten, Inn sonnderlichem Bedenkhen, daß
sie gleich Im anfang von der benachbarten
Herrschafft, wegen nit Haltung deß alten
Kalenders in freyem Feldt vberlauffen vnd
von Iren Pfluegen abgetrieben
worden. Da sie nun den alten vnd
neuen Calender zu mahl halt(en)
sollen, khundten sie von wegen vil der
Feyertag Ire guetter Inn wesenlichem Baw
nit erhalten, So sie aber allein den
Neuen Calender in acht nemen,.
wurden sie bey Ihren benachbarten nit
Rnehe haben; khundten auch Keine Eh er-
halten noch Taglohn er bekhomen,
die von dem alten Calender weichen vnnd
sich nach dem neuen regulieren wollen.
Zu mahl es auch ein sehr grosse Ver-
wirrung bringe, daß der Herr Pfarrer
zu Gebsattel die feyertag nach dem neuen

Calender proklamiere, vnnd Sie die-
selbige nach dem alten Calender halten.
Darauß dann weitter dise Vnordnnng er-
folge, daß sie an gebotenen Katholischen
Feyrtagen die Kirche nit besuch(en),
sonnder arbeiten, hingegen an lutherischen
Feyrtagen in frembde Pfarren außlauffen.
Im fahl nun der Herr Pfarrer die Feyr-
tag nach dem alt(en) Calender anßrueffete,
wölten sie mit besnchnng der Predigen
vnnd Gottesdienste desto eher vnnd lieber
gehorsam laisten.
Diß sindt nun, Ehrwürdig, Edel, hoch-
gelert, Gnedige, Großgünstige, gebiettende
Herrn, der Vnderthonen zu Gebsattel be-
schwerten vnnd erkhlerungen in puncto
religionis generatim. Darvon zu reden,
waß aber einer Jeden privat erkhle-
rung (- so vast alle vff diese schläg ge-
richtet -) Jnnsonnderhait betreffen thuet,
haben E. gn. vnd Churs, dieselbige ebenne
sich hiebei liegendt, mit littera sig-
niert gnedig zu empfahen, vnd auß allem
sovil Zuuernnemen, das laider schier khain
mittel vorhanden, durch welches den ab-
gefallenen Chombergischen Vnderthonen zu
der Catholischen religion widerumb vffzu-
helffen sein möchte.
Dann erstlich das öffentlich Pre-
digen khein gnuegsames mittel, weil sie
die Kirchen vnd Gottesdiennst ie lengsr
ie weniger besuchen, auch von der katho-
lischen Religion durchauß nichts hören
wöllen, sonnder Jres gefallens in luthe-
rische Kirchen außlauffen, darzue Inen
Rottenburg starkhen schuz helt, wie her-
nach mit mehreren zu uernemen.
Zum anndere(n) die Privat Ver-
mahnungen rebus sic stantibus auch
uit ersprießlich, dann Ich In warheit
gegen allen vnd Jeden Chombergischen
Vnnderthonen meinen möglichsten fleyß an-
gewendt. Ihrer fürstl. gn. von Würzburg
diser Ortten habendes ius vnd gerechligkheit
nach NNturst allegiert, alle obiectiones
vnd außfluchten der vnnderthonen pro
virili relutiert vnd in summa au guetter
ermahnung nichts vnderlassen, aber sie der-
massen so verhuzt vnd halßsterrig be-
funden, daß ohne Weltlichen beistandt die
guette (Güte) bey Ihnen nit statthat,
auch niemandt khein guet wort geben.
Fürs dritt ist auch khein mittel diser
ortten, daß man durch fleißigevnder-
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