Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 176
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anno (!) circa festum )c>ftanni8 clo-
minu3 revercn6ri3 1e§atu3 unacum nft-
ni3tri3 3Ul3 venit aft 6ei3lin§en ei per-
noctavit idi6em ei 6ominu3 6ocior nec
non ioiuin capitnlnm 8imiliter 8cftoIaie8
6e6eruni (!) 8ibi odviam cum reli^nil3
8ine 3acramenio ei ante poriam 6octor
e§re^in8 8a1vum 6ixii aftventum 8uum
cum mn1ii8 verdi8 rlieioricalibuZ ei
x>O3iea 1e§atu3 con3imiliier ian6em 1e-
§aiu5 pe6eiempiim ivii cum relic^unZ
a6 ecc1e3i3m ei ieniculabatur ante altare
ei cantavit ui 8e^uitur:
klicllil proticiut iniroicus irr eo.
Ut cle (!) kiliis ioiguitatis non apponat
nocers ei.
ritats tibi cornpluceut, perpetuurn ei rarem
llsneckictiviUs inluncke. U. Ollr. ck. n. etc.
Lllorus responclit: ^mer>.
Uesponckit corus:
Deus meuZ speruntez in te.
Lulvum tue populum luum One et lleirecUc
Nitte eis auxilium cts sancto.
Ut cts 8)-on tuere eos.
Usto Ulis turris lorütuckinis.
kacie inimici.
Xlicllil proiiciat inimicus in eis.
klt kilius iniguitutis nan opponut nocere eis.
kirrt pux in virtuts tna.
Ut llubrrnckunciu. in turridus tuls.
Ostende nollis domine misericordinm turrm.
(Aus dem „Jahrb. des hist. Vereins Dillinge n",
IX., 1896, S. 246—250 mit dessen Genehmigung.)
H 24. Juni.

Aleiner,: Mitteilungen.
Etwas von der „K u nst an d er Straß e".
In dem jüngst durch die großartige Versteige-
rung der Sattlerschen Altertumssammlung be-
kannt gewordenen Dorf und Schloß M a i n b e r g
bei Schweinfurt, einem der schönsten Punkte am
Main weit und breit, ist im Ort an der Brücke
über ein kleines Nebengewässer des Mains eine
ausfallend bemalte, wohl im letzten Viertel des
18. Jahrhunderts entstandene Bildsäule mit dem
hl. Wendelin zu sehen — eine merkwürdige
Schöpfung der „Kunst an der Straße", welche
gottlob nicht auch noch unter den Hammer ge-
kommen ist. Auf einer Säule mit Sockel und
einer Art Kompositkapell steht der Heilige mit
Tasche und Hirtenstab. Ihm zur Seite ein Lamm.
Zu seinen Füßen rechts und links des Säulen-
kopfes schweben zwei gar sonderbare Engelchen
mit schmachtendem Gesichtsausdruck. Eines trägt
eine Krone (Fächer?), das andere ein Scepter
(Kegel?) im Arm. Wendelin schaut in stiller
Gottergebenheit zu Boden, die linke Hand aufs
Herz legend. Sein lockenumrahmtes Haupt um-
giebt nicht etwa ein Heiligenschein, sondern etwas
viel Hoheitsvolleres, Heiligeres — ein unzweifel-
hafter schwarzer Cp lind erhut, aus Stein ge-
hauen; ein Angstrohr in der besten Gestalt des
Wortes. Diese Ehre ist wohl kaum noch
irgendwo der würdevollen Kopfbedeckung zuge-
stoßen. Im Ort erzählt man sich, der Cylinder
j sei versehentlich dem hl. Wendelin vom Bildhauer
auf das Lockenhaar gesetzt worden. Die Ein-
wohner und der Geistliche hätten bei der Bestel-
lung dein Künstler eingeschärft, St. Wendelin sei
ein Hüter (— Schäfer) gewesen und solle in
dementsprechender Tracht dargestellt werden, neben
ihm ein Lamm. Der Meister aber, der aus
anderer Gegend stammte, habe — ob absichtlich
oder unabsichtlich, ist nicht sestgestellt — unter
Hüter einen „Hüter" — Hutmacher verstanden.
Tatsächlich versteht man in einigen Gegenden
Süddeutschlands, so unter anderem auch in Ulm,
unter „Hüter" einen Hutmacher. So sei das
Unglück geschehen! Er habe sich dann damit
herausgeredet, daß in seiner Heimat die Schäfer
solche Hüte tragen, und man habe alles belassen,
wie es war. Daß ihm der Schalk im Nacken
saß, ist aber gewiß. Die Bildsäule ist in der
„Denkmalpflege", IV Nr. 6 S. 44 einem Artikel
darüber von Oelenheinz S. 45/46 beigegeben,
welchem wir auch hier gefolgt sind.
-clr.
Der Straßburger Buchdrucker Joh s.
Grüninger aus Markgröningen, OA.
Ludwigsburg. Nach einem Artikel von K.
Sudhosf in der „Zeitschr. für Bücherfreunde",
4. Jahrg., erhebt der bisher nicht beachtete Um-
stand, daß in der 2. Auflage der von Grüninger
gedruckten „Auslegung der Meerkarte" (1527)
eine ziemlich umfangreiche Beschreibung des
Marktes Grüningen in Schwaben (heutzutage
Markgröningen, OA. Ludwigsburg) ent-
halten ist, die bisherige Vermutung, der Straß-
burger Typograph stamme aus diesem Orte, zur
vollen Gewißheit. -cll.

Stuttgart, Vuchdrucksrei der Akt.-Ges. „Deutsches VolkSblatt".
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