Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

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stellnng zugewiesen die lebensgroßen Por-
träts des Senators Holl und Gemahlin.
Sein Bruder Johann Georg malte
1748 den preußischen Werbeosfizier Leut-
nant von Heyden, welcher wegen gewaltsamer
Entführung eines Studenten im Jahr 1754
eine Zeit lang in Ulm gefangen saß und
Anlaß zu einem Konflikt der Stadt Ulm
mit Friedrich dem Großen war.
Eine zweite Künstlerfamilie Ulms zu
dieser Zeit waren die Kleemann; sie
stammen aus Nürnberg. Nikolaus Klee-
mann, der Vater, war Universitätsmaler
in Altdorf und starb 1756. Dessen Söhne
waren: 1. Johann Wotfgang, geb. 1731,
ch zu Bern 1782; 2. Johann Jakob,
Porträtmaler, geb. 1732, P 1791;
3. Christoph Nikolaus, Porträtmaler in
Ulm, von ihm befinden sich noch viele
Bilder in Ulmer Privatbesitz in der
Sammlung des Altertumsvereins, z. B.
das Porträt der Magdalena Nemesia
Hartmann, geb. Frick, Kreiseinnehmerin
in Ulm, gemalt 1771, er starb 13. Sept.
1797. Ein vierter Sohn des Nikolaus
war Johann Ludwig, Goldschmied in Ulm,
geb. 1753, ch 1821 (s. Weyermann II.
S. 222). 5. Christian Friedrich Karl,
geb. 1735 zu Altdorf, Schüler Preißlers,
Porträtmaler, starb 1789 zu Nürnberg.
Ein Ludwig Nikolaus lebte in Ulm als
Porträtmaler und war, wie die Aus-
stellung zeigte, sehr beschäftigt; eine ganze
Reihe Bilder zeigte sein Monogramm D. ID
und die Jahreszahlen 1747, 68, 91, 95.
Er scheint vielfach mit Nr. 3 verwechselt
zu werden, welcher nach Nagler und
Weyermann auch Prospekte von Nürn-
berg gestochen hat; in Ulm hat er die Dar-
stellung einer im Jahr 1784 erfolgten
Wassersnot und einer Feuerwerkerübung
bei den Schützen 1790 gestochen. (Einer
dieser Kleemann hat auch in Ulm ein
Oelporträt von Kaiser Joseph II., wie
derselbe im Jahr 1777 auf seiner Reise
nach Frankreich Ulm passierte, gefertigt;
s. „Der erlauchte Reisende, denkwürdige
Nachrichten von re. Joseph II. re. von 6u Eou-
6rn^, Augsburg bei Alb. Fried. Bartho-
lomä", S.77. — Die Red.).
Weitere Ulmer Maler sind die beiden
Schneck, sie stammen aus Geislingen,
wo ihr Großvater, Andreas Schneck,
Schlosser und Großuhrmacher war. Joh.

Andreas Schneck der Aeltere war
Maler in Ulm, hatte auch Kenntnisse in
der Mathematik und wurde in der Folge
Feuerwerker und Schanzschreiber; von
ihm ist das Bildnis des Professors und
Münsterpredigers Jos. Michael Miller.
Joh. Andreas der Jüngere, Sohn des
Vorgen., Maler und Kupferstecher (siehe
.,D.-A/ Jahrg. 1896 S. 106), endete
sein Leben schon mit 43 Jahren 1792 im
Zuchthause. Er besuchte das Gymnasium
in Ulm und erhielt dann Unterricht von
dem Maler Karl Schneider und Zeug-
wart Th. A. Narzis. Er malte Land-
schaften, Historien, Porträts u. s. w., aber
ohne große Kunst, hatte eine eigene
Kupferdruckpiesse, worauf er seine Ra-
dierungen selbst abdruckte und die Ab-
drücke aus der Hand verkaufte.
(Noch werden von Ulmer Malern, welche
wenigstens teilweise im Bildnisfach thätig
waren, aus jener Zeit genannt: Christoph
Resch, die Gebrüder Hans und Daniel
Denzel —nach Füßlis Künstlerlexikon —;
Barthol. Mayer; Leonh. Kueu aus
Weißenhorn, welcher einige Zeit in Ulm
ansässig war; Joh. Bapt. und Jos. Ant.
Ochs, Vater und Sohn; Jos. Finkel,
Porträtmaler, geb. zu Jmmenstadt i. A.
1760, welcher gleichfalls in Ulm einige
Zeit seine Kunst auöüble; Joh. Melchior
Veiel, welcher bis in das 19. Jahr-
hundert herein als Dilettant Miniatnr-
porträts fertigte, u. a. — Die Red.)
Ist auch der Abstand zwischen der
berühmten alten Ulmer Malerschule und
der Malknnst in Ulm während der zweiten
Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zu Be-
ginn des 19. Jahrhunderts ein ganz ge-
waltiger, so verlohnte es sich doch, dieser
zweiten, bisher mehr als billig vernach-
lässigten Ulmer Kunstperiode mehr nach-
zugehen und zunächst die diesbezüglichen
zahlreich bei rc. Weyermann zerstreuten
Notizen zu sammeln, zu kontrollieren, zu
ergänzen, nötigenfalls zu berichtigen und
vervollständigen, wozu Vorstehendes einen
kleinen Beitrag bilden möge.
kleinere Mitteilungen.
Kalabrien in Schwaben.*) In einigen
Orten Schwabens und Badens ist Kalabrien selt-
* Erschien zuerst in der „Zeitschr. f. d. Wortforschung",
Straßburg, 1SV0, I. S. 272/273 und folgt hier nun etwas
erweitert.
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