Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 177
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^erausgegebeu und redigiert von Amtsrichter a. D. BeNi in rlapeu^liurg.
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stets direkt au Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, B e stel lnngen und Ikeklmnationen an
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Nr. IZ.
4S0Z.

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der Expedition entgegengenonunen und pro Petitzeile oder deren Raum init 15 Ps.,
bnchhändlerische Beilagen, Prospekte rc, nach Uebereinkunst berechnet.


Vir mutmasztiche ^postalische Ghü
tiglreit des hl- Gallus in der Gegend
von Stuttgart.
Von Albert Schilling in Bothuang.
Der vom Schönbuch nach dem königl.
Schloß und Wildpark Solitllde laufende,
von tiefen Einschnitten begleitete Höhenzng
reicht bis gegen Fenerbach hinab. Wäh-
rend seine Ausläufer sich allmählich ver-
flachen, erbreitern sich auch die Einschnitte
zu mäßig eingefnrchlen Thälchen. Eines
der letztem, welches eine geraume Strecke
weit auf der Marknngsgrenze gegen Stutt-
gart sich hinzieht, zeigt dort noch heule
eine waldbewachsene nördliche Thalwand,
während der auf der ihr entgegengesetzten
Bothnanger Seite gestandene Wald längst
Rebgeländen und Banmgütern Platz ge-
macht hat. Dieses von einem Bächlein
durchflossene Thälchen tritt ganz bescheiden
und enge und mit ziemlich hohen und
steilen Abhängen versehen aus dunklen
Waldungen hervor und wird darum Klinge
und zwar „G a l le nkli n g e" genannt.
Der Name Galt und Gallus ist in der
Gegend stark verbreitet, kommt jedoch in
Gemeindebüchern von Bothuang, welche bis
in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück-
reichen, bei Angehörigen von Bothuang nicht
vor. Ueberdies ist der Flurname Gallen-
klinge der einzige mit einem Personennamen
verknüpfte auf Bothnanger Markung.
Nach einer ziemlich verbürgten Sage
war das heutige Dorf Bothuang ur-
sprünglich ein Weiler von drei Höfe»,
welche — dem Unabhängigkeitssinn der
Alemannen entsprechend — je eine Viertel-
stunde weit von einander entfernt lagen.
Der eine dieser Höfe soll am Ursprung

des Bueberlesbachs (Büchenbachs) im
Schwarzwildpark, der zweite in der Mitte
des heutigen Dorfes, der dritte auf der
Flur Unterbothnang gestanden sein. Es
wäre nun nicht undenkbar, daß jener
Alemanne, der am Bneberlesbach seinen
Wohnsitz genommen, Nutznießer der in der
Gallenklinge gelegenen Thalwiesen gewesen,
und als solcher oder als Eigentümer er-
wähnter Viehtriften dem Thälchen seinen
Namen geliehen haben könnte. Allein der
Personenname Gallus ist kein deutsches
Wort und wurde den Alemannen erst durch
den Stifter des Klosters St. Gallen bekannt.
Zu Anfang des 7. Jahrhunderts, als
der hl. Gallus heidnischen Alemannen das
Evangelium verkündigte, waren dieselben
bereits in das Erbe der von ihnen ver-
triebenen Römer eingetreten und hatten
das große Alemannenreich gegründet,
welches sich vom Lech, Neckar und Main
bis auf die Hochgebirge der Schweiz aus-
dehnte. Vor allen waren es die paradiesi-
schen Gefilde an Rhein, Neckar und
Bodensee, welche die Alemannen zur An-
siedlung verlockten. Sie mochten das von
den Römern verlassene kultivierte Land
als äußerst erwünscht für ihren Ackerbau
gefunden haben. So kam es, daß auf
der Flur Unterbothnang, auf welcher durch
Vorgefundene Grundmauern, römische Ziegel
und Bruchstücke römischer Gefäße eine
römische Ansiedelung nachgewiesen ist/) eine
Alemannensippe von letzterer Besitz ergriff.
Solche alemannische Höfe oder Wohn-
sitze fanden sich wohl manche in der
Gegend. Wenn nun auch das Licht des
') Beschreibung des Obermuts Stuttgart-
Amt. 184.
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